Studie zur Militärseelsorge
Hohe Zustimmung in der Truppe

Mit Strategie und Segen: Es wäre fahrlässig, wenn die Kirche in einem möglichen Verteidigungsfall nicht handlungsfähig sei, sagt EKD-Militär-bischof Bernhard Felmberg. | Foto: epd-bild/Jens Schulze
  • Mit Strategie und Segen: Es wäre fahrlässig, wenn die Kirche in einem möglichen Verteidigungsfall nicht handlungsfähig sei, sagt EKD-Militär-bischof Bernhard Felmberg.
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Ethisches Rüstzeug für den Ernstfall: Einer Studie zufolge befürworten 95 Prozent der Soldaten in Auslandseinsätzen die Präsenz der Seelsorge. Diese könne als überparteilicher Ansprechpartner in Krisensituationen dienen und für Entlastung sorgen.

Von Stephan Cezanne (epd)

Während die Institution Kirche in vielen gesellschaftlichen Bereichen mit einem Relevanzverlust kämpft, genießt sie innerhalb der deutschen Streitkräfte offenbar hohes Vertrauen. Wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie «Was kann und was leistet Militärseelsorge?» hervorgeht, findet die Arbeit der Seelsorgenden bei den Soldatinnen und Soldaten nahezu einhellige Zustimmung. Die im Auftrag der Evangelischen Militärseelsorge erstellte Untersuchung belegt, dass 91 Prozent der Befragten die Präsenz der Militärseelsorgerinnen und Militärseelsorger im Grundbetrieb als persönlich gut empfinden.

Dieser hohe Zuspruch bestehe völlig unabhängig davon, ob die Befragten einer Kirche angehören, konfessionslos sind oder den Dienst tatsächlich aktiv nutzen. In den extremen Belastungssituationen eines Auslandseinsatzes steige die Akzeptanz für die Anwesenheit der Seelsorge vor Ort sogar auf einen Wert von 95 Prozent an, hieß es weiter.

Miltärbischof will mehr Stellen für Militärseelsorge

Der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg leitete aus den Ergebnissen eine klare Forderung an Politik und Verteidigungsministerium ab. Mit dem geplanten Aufwuchs der Streitkräfte auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten müsse auch die Zahl der evangelischen, katholischen und jüdischen Militärseelsorgenden steigen. Alles andere, so der Bischof, wäre in Zeiten des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Vorbereitung auf den möglichen Bündnisfall fahrlässig.

Die Autoren der Studie ziehen Bilanz: «Das sind enorme Zustimmungswerte in einer Zeit, in der Religion und Kirche häufig unter dem Vorzeichen eines fortschreitenden Bedeutungsverlustes wahrgenommen werden.» Die Ergebnisse zeigten laut Untersuchung zudem ein hohes Vertrauen in die Seelsorgerinnen und Seelsorger, weit über Konfessionsgrenzen hinaus, gerade in belastenden Situationen wie Auslandseinsätzen, Katastrophenhilfe oder der Ausbildung ukrainischer Soldaten. Militärseelsorge werde dabei als vertrauliche Anlaufstelle erlebt, die Räume für existenzielle und ethische Fragen eröffne.

 Rücklaufquote von 30 Prozent bei Fragebogen-Aktion

Für die Hauptstudie seien insgesamt 24.970 Soldatinnen und Soldaten angeschrieben worden. Davon hätten 7.431 Personen geantwortet, indem sie den ausgefüllten Fragebogen zurückschickten.
Dies entspreche einer Rücklaufquote von rund 30 Prozent. Die Repräsentativumfrage wurde vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland in Kooperation mit dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr umgesetzt.

Von Anfang an begleiten evangelische, katholische und inzwischen auch jüdische Militärseelsorgende die Armee an Standorten der Bundeswehr im In- und Ausland sowie auf Übungen und im Einsatz.
Derzeit betreuen etwas mehr als 100 evangelische Militärgeistliche rund 184.000 Soldatinnen und Soldaten. Die katholische Militärseelsorge ist den Angaben zufolge derzeit an rund 80 Standorten mit einem Pfarramt in der Bundeswehr präsent, die evangelische Militärseelsorge unterhält rund 100 Standorte.

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