Kirchenimmobilien
Verwurzelt, verwaltet, verkauft
- Auch das ehemalige Pfarrhaus in Günthersleben steht derzeit zum Verkauf.
- Foto: EKM
- hochgeladen von Online-Redaktion
Die EKM trennt sich zunehmend von ihren Immobilien. Seit 2012 haben insgesamt 270 Pfarrhäuser den Eigentümer gewechselt. Wie beim Verkauf entwidmeter Gotteshäuser gelten auch bei den ehemaligen Pfarrhäusern strenge Regeln.
Von Edgar S. Hasse
Wer eine ganz besondere Immobilie sucht, wird auf der Website www.kirchengrundstuecke.de möglicherweise fündig. In Günthersleben bei Gotha steht derzeit ein ehemaliges Pfarrhaus zum Verkauf. Erbaut im 17. Jahrhundert, strahlt das Gebäude mit weißer Fassade und rotem Ziegeldach. Über vier Wohneinheiten verteilt, beträgt die Wohnfläche 248 Quadratmeter, das Grundstück selbst umfasst 1700 Quadratmeter. Kaufpreis: 110 000 Euro. Auch in Bad Salzungen ist ein ehemaliges Pfarrhaus zu haben. Wer es samt Grund und Boden erwerben will, sollte den Angaben zufolge 150 700 Euro zahlen.
Die EKM trennt sich zunehmend von ihren Pfarrhäusern. Die Gründe dafür liegen unter anderem in den sinkenden Kirchenmitgliederzahlen, den hohen Unterhaltungskosten, schrumpfenden finanziellen Mitteln und im prognostizierten Rückgang der Zahl der Pfarrpersonen in den kommenden Jahren.
Derzeit sind im Landeskirchenamt 45 Pfarrhäuser zur Abgabe bekannt. Nicht einbezogen seien solche, bei denen die Entscheidung zur Abgabe bereits gefallen ist, aber das Kreiskirchenamt das Landeskirchenamt noch nicht informiert hat, weil etwa Vorbereitungsmaßnahmen für die Abgabe und die Vermarktung getroffen werden, hieß es.
Wie EKM-Sprecher Friedemann Kahl sagte, wurden in der Landeskirche seit dem Jahr 2012 insgesamt 270 Pfarrhäuser veräußert. „Die Zahl der Pfarrhausverkäufe bewegte sich dabei zuletzt zwischen 14 und 32 Objekten pro Jahr.“ Allein im Jahr 2024 seien 31 ehemalige Pfarrhäuser verkauft worden.
Infolge der Säkularisierung der Gesellschaft verschwindet damit eine bedeutsame kulturelle und religiöse Institution für immer. Das evangelische Pfarrhaus pflegte in seiner Blütezeit einst die Hausmusik ebenso wie die private und öffentliche Festkultur, legte Wert auf gesellige Konversation, galt als Hort humanitärer Bildung und war in DDR-Zeiten in der Regel ein Ort der freien Rede und offen für jeden Menschen.
Wie beim Verkauf entwidmeter Gotteshäuser gelten auch bei den ehemaligen Pfarrhäusern strenge Regeln. So verwendet die EKM bei Grundstücksveräußerungen eine so genannte Extremismusklausel. „Damit“, erläutert Kirchensprecher Kahl, „verpflichten sich Erwerber, ehemalige kirchliche Grundstücke und Gebäude nicht für politisch extreme Veranstaltungen oder durch extremistische Organisationen zu nutzen oder nutzen zu lassen.“
Die Klausel sei in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und an aktuelle Anforderungen angepasst worden. Jeder einzelne Verkauf werde vorher individuell sorgfältig geprüft. Dabei spielen neben wirtschaftlichen und rechtlichen Gesichtspunkten auch die Interessen der Kirchengemeinde sowie die Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen eine wesentliche Rolle.
Um den Erwerb für geeignete potenzielle Käufer zu erleichtern, hat die Landeskirche an dieser Stelle die kirchenrechtlichen Möglichkeiten erweitert. „Während früher regelmäßig nur die Vergabe eines Erbbaurechts in Betracht kam, wurde später zusätzlich die Veräußerung von Grund und Boden ermöglicht“, betont Friedemann Kahl. Seit etwa zehn Jahren stehen damit den kirchlichen Körperschaften grundsätzlich „alle geeigneten Instrumente offen, insbesondere die Bestellung eines Erbbaurechts, der Verkauf oder auch ein Grundstückstausch“.
Und wer kauft nun solche Häuser? Es sind größtenteils Einzelpersonen oder Familien, die selbst darin wohnen wollen. Zuweilen sind es Künstlerinnen und Künstler oder auch Käufer, die sich dem Ort und der Kirchengemeinde seit langem auf verschiedene Art und Weise verbunden fühlen. So könnte aus dem guten, alten Pfarrhaus vielleicht etwas ganz Neues entstehen.
Autor:Online-Redaktion |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.