Freitag vor 1
Unsere Seite 1 - Ein süßsäuerlicher Abend
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So wie jede Woche bei unseren Lesern zuverlässig die aktuelle Ausgabe von „Glaube+Heimat“ im Briefkasten steckt, so sicher ist es, dass wir darüber diskutieren, wieviel Halloween die Welt braucht. Der Reformationsfesttag unserer evangelischen Kirche wird mit Grusel-Skeletten, Gummi-Fratzen und kariesfördernden Kamellen völlig zugekleistert. Doch kurioserweise hat der Name „Halloween“ jedoch eine christliche Herkunft.
Von Uwe Kraus
Seit dem neunten Jahrhundert feiern Christen in aller Welt am 1. November Allerheiligen – der englische Name für diesen Feiertag lautet „All Hallows“. So nennt man den Vorabend „All Hallows Eve“, woraus abgekürzt „Halloween“ entstand.
Eine Pastorin aus der Nachbarschaft formuliert es etwas provozierend: „Halloween ist heute in der Tat ein heidnisches Fest, aber eines der neuen Heiden, die vielleicht die Mehrheit unserer Bevölkerung bilden, und die weder an heidnische Götter noch an den Gott der Bibel glauben, sondern an sich selbst und an ihren Spaß.“
Juristen, die tagsüber eher ins Strafgesetzbuch blicken und vielleicht erst am Abend in die Bibel, nennen den Tatbestand „eine Anleitung zur Erpressung“. Was anderes ist es, wenn Kinder an fremden Türen Süßes verlangen und – wenn sie das nicht kriegen – „Saures geben“. Genau das stimmt mich durchaus säuerlich. Was immer wegen fehlender Süßigkeiten auch unternommen wird, Juristen nennen es schlicht Sachbeschädigung. Vielleicht fehlt mir das Humor-Gen, aber dass schon Kinder verleitet werden, Leute zu erschrecken und Mitmenschen unter Druck zu setzen, ich finde es nicht witzig.
Sicherheitshalber aber fülle ich doch die heimischen Süßigkeitenvorräte auf, bin aber ziemlich überzeugt, die Kinder ziehen zwar als Gespenster verkleidet durch die Stadt, aber bis zu mir in der dritten Etage fehlt ihnen die Puste. Und ich werde auch helfen, unseren dicken Kürbis mit dem Löffel auszuhöhlen und mit dem gruseligsten aller Gesichter zu versehen.
Nach volkstümlicher Überlieferung war übrigens der Hufschmied Jack O´ Latern durch eine List aus der Hölle entkommen, als er aber in den Himmel kam, war die Tür dort für ihn verschlossen. Jack war verdammt, ewig zwischen Hölle und Himmel zu wandern. Er war unterwegs mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Daher kommt der Brauch, Fratzen-Kürbisse auszuschneiden und zu illuminieren.
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Ich fand kürzlich eine interessante Erklärung, was Halloween und der Reformationstag gemeinsam haben: „Es ist der Kampf gegen Gespenster. Gruselig beleuchtete Kürbisse und Luthers Thesenanschlag von Wittenberg wollen ja am Vorabend von Allerheiligen beide Gespenster bannen: Hier die Gespenster der umherirrenden Verstorbenen, dort die Gespenster einer in ihren Irrtümern alt und unbelehrbar gewordenen Kirche.“
Ich werde jedenfalls am 31. Oktober nicht zu einer Grusel-Party, sondern in Oranienbaum zum Gottesdienst gehen. Wo Gemeindeglieder mit dem Anhalter Kreuz geehrt werden, worüber unsere Mitteldeutsche Kirchenzeitung berichten wird.
In der aktuellen Ausgabe von G+H anempfehle ich allen Lesern diese Geschichten:
Unsere Themen
- Eine neue Gemeindepädagogin hat "Zwischen Saale und Wipper" ihre Arbeit aufgenommen und sucht in allen Gemeinden Mitstreiter.
- Tagtäglich werden Menschen mit den kleinen und großen Versuchungen konfrontiert und wägen ab, ob sie diesen nachgeben.
- Zum ersten Mal tauschen sich Schüler aus Eisenach und der Slowakei aus. Zwischen Wartburg, Diakonie und Radtour lernen sie Deutschland und einander kennen.
Autor:Uwe Kraus |

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