Musiker Simon Becker hat etwas vor
Ein Traum von Vinyl
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Magdeburg: Er singt von Gott und der Welt, vom Meer und der Ewigkeit, aber auch davon, was Glauben vermag. Der Fußballfan und Liedermacher Simon Becker komponiert vor allem, um seine Beobachtungen zu beschreiben. Jetzt hat er zwei neue Projekte am Start.
Von Thomas Nawrath
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Eigentlich ist Simon Becker ein Küstenkind. Aufgewachsen in Holstein, Fan vom Fußballklub Werder Bremen. Die Oma brachte ihn zu Blockflöte und Klavier. Als Jugendlicher begann er erste Lieder zu schreiben, noch in der Schulzeit kam die erste CD. Dann ging es mit Gitarre zum Theologiestudium. "Doch nach zwei Semestern wusste ich, dass ich kein Pfarrer, sondern Musiker werden will", erzählt der relaxte Mittvierziger auf der Terrasse einer historischen Schiffsmühle am Elbufer in Magdeburg.
Beim Studium lernte er seine Frau Bettina kennen, und 2008 zogen sie Richtung Osten, nach Sachsen-Anhalt. "Wir wollten uns sozial und diakonisch einbringen. Damals kannten wir niemanden in der Stadt. Und unser Plan war sehr einfach: Gucken, was passiert." Er zog durch die Kneipen der Stadt, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Bald gab es das erste Konzert.
Dann luden ihn Jugendliche eines Clubs in der Magdeburger Neustadt zum Konzert ein. "Das war die Initialzündung", berichtet Becker. Es folgte gemeinsames Fußballspielen. So wurde der Musiker zum Trainer und organisierte Trikots fürs Team. Gemeinsam ging es zu Turnieren. Acht intensive Jahre wurden daraus. Viele schöne Momente, aber auch etliche Herausforderungen.
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Wie nebenbei erschienen 2010, 2015 und 2020 die nächsten CDs. Im Jahr 2018 fragte Familie Becker bei der Diakonie Mitteldeutschland an, ob sie mit ihren sozialen und künstlerischen Projekten nicht die nun leeren Diakonie-Gebäude übernehmen und mit Leben füllen könnten. Ein Glaubensschritt!
So startete im Herbst 2018 die "Villa Wertvoll", um Kinder und Jugendliche der Magdeburger Neustadt mit Angeboten für kulturelle Bildung zu erreichen. Bald gab es Musik, Tanz und Theater. Fast ein Jahr lang wurde mit den jungen Leuten ein richtiges Showprogramm einstudiert, um Ende Juni ein ganzes Wochenende auf der Bühne des Opernhauses eine Show für die Familien und Freunde der Kids aufzuführen.
Doch nach rund acht Jahren "Villa Wertvoll" spürte Simon Becker, dass es Veränderung bräuchte. "Ich wollte wieder mehr Zeit für meine Musik haben. Zeit zum Komponieren, zum Proben mit der Band. Aber auch für Auftritte", erzählt der Liedermacher. Und so stieg er bei der Villa aus, um sich mehr der eigenen Kreativität zu widmen.
Ende 2025 sah Becker eine Zeitungsanzeige der Stadt: Gesucht werde ein Betreiber für die Schiffsmühle am Elbufer in Magdeburg. Ein kleines Museum über die historischen schwimmenden Mühlen. Gut zehn Jahre hatte der Holzbau leer gestanden. Und Museumsdirektor wollte der Musiker eigentlich nicht werden. Doch es juckte ihm in den Fingern. Und Fragen kostet ja nichts, dachte er.
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"Ich wohne gern in der Stadt. Als Musiker arbeite ich deutschlandweit. Doch ich möchte mich auch hier gesellschaftlich engagieren." So wurde er mit der Stadt Magdeburg schnell handelseinig. Einige Freiwillige haben sich schon gemeldet, um das Gebäude herzurichten und bei der Umsetzung zu helfen. "Ich mag das Abenteuer", sagt Becker lachend. Ab August soll die Mühle wieder öffnen. Als kleines Museum mit Begegnungsstätte, wo auch Künstler in geselliger Runde auftreten können. Am Ufer der Elbe, nicht weit weg vom Schiffsanlieger Petriförder. Ein guter Ort für laue Sommerabende.
Die Zeit zum Zurücklehnen gönnt sich der Liedermacher nicht: Das letzte Album liegt schon wieder vier Jahre zurück. Seine Songs handeln vom Meer und von Heimat, vom großen Wenn und Aber, von Sehnsucht und Ewigkeit, von Dankbarkeit und der Liebe. "Ich spiele Klavier. Ich singe. Ich komponiere Lieder, um meine persönlichen Beobachtungen und Gefühle zu beschreiben", erzählt Simon Becker.
Im August startet er eine Crowdfunding-Aktion, um das neue Album produzieren zu können. Die Liedtexte sind geschrieben, Melodien komponiert. Arrangements mit der Band abgestimmt. Acht Songs sollen es werden, darunter auch ein paar bekannte Stücke. "Wir planen einen Live-Mitschnitt." Das Recording-Konzert ist für den 13. September im "Pop.Kultur.Zentrum" in Magdeburg-Stadtfeld geplant.
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Bis zur Adventszeit soll die neue Platte abgemischt und produziert sein. Platte? "Ja, wir produzieren diesmal wirklich eine Schallplatte", sagt Becker nicht ohne Stolz. Es sei ein langgehegter Traum. "Auch bei unseren Auftritten wird immer wieder gefragt, ob wir nicht auch eine Vinyl-Platte hätten." Die Zeiten ändern sich. Wieder einmal. CDs laufen kaum noch. Streaming übers Internet ist die Gegenwart der Musikbranche. Doch es gibt auch eine wachsende Schar mit der Sehnsucht zum Analogen – und zur Schallplatte. Schwarz, rund, ungefiltert. "Die Menschen wollen Musik wieder ganz bewusst hören und nicht nur eine Playlist abdudeln. Das gefällt mir."
Autor:Online-Redaktion |
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