Ein schweres Erbe
- Die Ausstellung in der Auferstehungskirche befasste sich mit dem Umbau und der Nachnutzung von Kirchengebäuden.
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Wie kann man Kirchengebäude in die Zukunft retten? Fachleute aus ganz Deutschland trafen sich dazu in Dessau-Roßlau zum Gedankenaustausch. Dabei ging es auch um Glückskekse und die Bindfaden-Methode.
Von Danny Gitter
Evangelische Kirchbautage haben eine lange Tradition. Im Dreijahres-Rhythmus werden verschiedene Fragen der Zeit zum evangelischen Kirchenbau erörtert. Der nunmehr 31. Evangelische Kirchbautag fand vom 11. bis 13. September 2025 zum Thema „Wirklichkeiten und Wege“ in Berlin statt. „Doch die aktuellen Zeiten sind so dynamisch, dass wir nicht bis 2028 warten können und uns deshalb entschieden haben, den Weg zum nächsten großen Kirchbautag mit kleineren Formaten zwischendurch zu begleiten“, erläuterte Johann Hinrich Claussen, der Kulturbeauftragte der EKD, zur Eröffnung des Thementags „Kirchbau. Seele und Substanz“ in Dessau-Roßlau. Die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts, mit Bauhaus-Erbe und dem Dessau-Wörlitzer Gartenreich vor der Tür, war Gastgeber für fast 100 Theologen, Architekten, Denkmalpfleger und andere Inte-ressierte aus ganz Deutschland, die sich gemeinsam Gedanken zur Zukunft von Kirchengebäuden machten.
Impulse bekommen und sich vernetzen
In Exkursionen, Ausstellungen, Führungen und Diskussionen an verschiedenen Orten in der Bauhausstadt sollten die Teilnehmer fachliche Impulse bekommen und sich vernetzen, um langfristig Antworten auf die jeweils drängende Frage vor Ort zu bekommen, wie Kirchen zukunftsfest gemacht werden können. Die Ausgangslage ist längst bekannt. Die katholischen und die evangelischen Amtskirchen verlieren Jahr für Jahr teils dramatisch an Mitgliedern. Dadurch werden langfristig auch die finanziellen Spielräume und der gesellschaftliche und kulturelle Einfluss kleiner. Doch Kirchengebäude sind keine Immobilen wie andere. Wenn Unterhalt und Sanierungsaufwand kaum noch in Relation zur Nutzung stehen, dann verbietet es sich aus verschiedenen Gründen, mit Abrissbaggern anzurücken. Der Denkmalschutz ist ein gewichtiger, wenngleich auch oft nicht der einzige Grund. Kirchengebäude sind meist über Jahrhunderte gewachsene spirituelle Orte sowie kultureller und sozialer Anker von Dorfgemeinschaften oder in städtischen Quartieren. Karin Berkemann, studierte Theologin und Kunsthistorikerin, beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Transformation von Kirchenräumen.
"Trauen Sie sich ruhig auch kreativ und spielerisch an das Thema ranzugehen."
Aktuell ist sie Professorin für Baugeschichte und Denkmalpflege an der Hochschule Anhalt am Standort Dessau. Zum Thementag „Kirchbau“ gab sie den Teilnehmern wichtige Impulse mit auf den Weg. „Trauen Sie sich ruhig auch kreativ und spielerisch an das Thema ranzugehen. Das kann etwa durch Glückskekse backen passieren, durch Twister oder auch durch die aus Krimis bekannte Bindfaden-Methode, in dem ein Beweisstück mit einem Tatort und einem potentiellen Täter verknüpft wird“, so die Professorin. Wie man eine Kirche vor Ort in die Zukunft führt, dafür gibt es laut ihrer Erkenntnis kein einheitlich anwendbares Schema.
Jedes Dritte steht unter Transformationsdruck
Laut ihrer Recherche stehen bundesweit rund ein Drittel bis rund die Hälfte aller katholischen und evangelischen Kirchengebäude unter Transformationsdruck, wobei die Werte regional stark schwanken können.
Wie man Kirchengebäude bei stark zurückgehender ursprünglicher Nutzung in die Zukunft retten kann, ohne ihren Charakter wesentlich zu verändern, damit haben sich zukünftige Architekten und Denkmalpfleger der Technischen Universität Dresden im Wintersemester 2025/26, unter der Leitung der Denkmalpflege-Professorin Claudia Marx, auf Rügen auseinandergesetzt. Die Dorfkirchen in Wiek, Bobbin und Sagard haben sie untersucht und erweiterte Nutzungskonzepte erarbeitet, die in der Modellausstellung „Kirchen-Räume-Perspektiven“ in der Dessauer Auferstehungskirche ausgestellt waren. Das Kulturbüro der EKD hat diese Ausstellung, die nach dem Auftakt in Dessau-Roßlau wandern soll, kuratiert. „Wichtig ist der jeweilige Erhalt von Altar und Orgel, um die kirchliche Nutzung weiterhin zu gewährleisten, jedoch erweitert um weitere Nutzungen zu anderen Zeiten, um die Kirchengebäude langfristig in ihrer Substanz erhalten zu können“, erläutert Claudia Marx. Unter anderem ein Café, Möglichkeiten zur Beherbergung von Gästen, Räume für Musikunterricht und temporäre Ausstellungen sind Ideen zur erweiterten Nutzung der drei Dorfkirchen auf Rügen und der Auftakt für lebendige Diskussionen an verschiedenen Orten in Deutschland bis zum nächsten großen Evangelischen Kirchbautag 2028.
Autor:Online-Redaktion |

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