Predigttext
Von verzerrten Selbstbildern
- hochgeladen von Mirjam Petermann
Der Zöllner aber stand ferne,
wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel,
sondern schlug an seine Brust und sprach:
Gott, sei mir Sünder gnädig!
Lukas 18, Vers 13
Fromme Anmaßung. In mir poppen da gleich Bilder auf: Ich denke an Menschen, die sich gut in der Bibel auskennen, die regelmäßig beten, nicht nur Kirchgeld zahlen, sondern ihren Zehnten geben und in der Öffentlichkeit zu ihrem Glauben stehen. Gut, wenn dem so ist! Allerdings darf das nicht dazu führen, sich über die weniger Frommen zu erheben.
Jesus stellt uns im Gleichnis zwei Personen vor – und zwar durch ihr Gebet. Problematisch am Gebet des Pharisäers ist sein Selbstbild. Er weiß nichts von seinem eigenen Elend und von seiner Bedürftigkeit. Er macht ja alles richtig. So, wie Gottes Gebote es vorschreiben. Sein Selbstwert baut allerdings auf der Verachtung derer auf, die es mit dem Glauben nicht so ernst nehmen. Und bei dieser frommen Anmaßung wird es schwierig.
Der Zöllner weiß, wie weit er von Gott entfernt ist. Er sieht seine Verlorenheit. Seine Körpersprache drückt Demut aus. Ihm ist klar, dass er auf Gottes Erbarmen angewiesen ist. Sein Gebet ist kurz, er bittet um Vergebung seiner Sünden.
Warum wird der Zöllner von Jesus gerechtgesprochen, der Pharisäer aber nicht? Jesus spricht diesen Zöllner frei, auch wenn seine Lebensführung nicht der Bibel entspricht. Doch wohl deshalb, weil ihm aufgrund seines ehrlichen Bußgebetes die Schuld vergeben wird. Der Pharisäer dagegen ist unbemerkt in die Falle der Selbstgerechtigkeit getappt.
Ich merke: Das ist mir vertraut. Es gibt diesen Pharisäer auch in mir. Wer von uns hat denn nicht schon im Stillen gesagt: „Zum Glück bin ich nicht so wie diese Person da!“ Jesus hält uns im Pharisäer den Spiegel vor und korrigiert unsere verzerrten Selbstbilder. Vom Zöllner lernen wir: Wir haben es nötig, uns vor Gott ehrlich zu machen. Wir gründen uns ganz auf Gottes Gnade.
Albrecht Schödl ist Pfarrer in Leipzig.
Autor:Online-Redaktion |

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