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Serie zur Apokalypse: Offenbarung und Schöpfung
Neuer Himmel, neue Erde

Die Schöpfung zu bewahren und Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erhalten, ist mit Leben erfülltes Gotteslob. | Foto: amenic181 – stock.adobe.com
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  • Die Schöpfung zu bewahren und Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erhalten, ist mit Leben erfülltes Gotteslob.
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Vom 1. September bis 4. Oktober steht die Schöpfungszeit im Mittelpunkt. Grund genug, darauf zu schauen, welcher Zusammenhang zwischen Apokalypse und Schöpfung besteht

Von Christian Sommerfeld

Wer heute das Wort „Apokalypse“ hört, hat wohl zumeist ein kata-strophales Untergangsszenario vor Augen. Dass der Begriff möglicherweise zuweilen etwas überstrapaziert wird, wird an der Verwendung in harmloseren Kontexten deutlich. So wurde etwa dieses Jahr in einer deutschen Sportzeitschrift die abermals verpasste WM-Qualifikation Italiens für die Fußballweltmeisterschaft der Herren als „WM-Apokalypse“ beschrieben.
In den vergangenen Jahren wurde auch der Klimawandel in das sprachliche Umfeld der Apokalypse gerückt. Kritiker sehen in dieser Wortverwendung eine realitätsferne Panikmache und unangemessene Untergangsprophetie. Klimaaktivisten verteidigen das Vokabular, indem sie auf die Dringlichkeit ihrer Anliegen verweisen.

Aus theologischer Perspektive lässt sich einwenden, dass in all diesen Kontexten der Apokalypse-Begriff verkürzt verwendet wird. In dieser Glaubensserie konnte bereits mehrfach gezeigt werden: Ein Blick auf den Gesamtzusammenhang der Johannesoffenbarung verdeutlicht, dass zumindest diese Apokalypse nicht vom Triumph der Katastrophe, sondern von ihrer Überwindung erzählt. Am Ende des Buches dominieren nicht Plagen und Zerstörung, sondern es werden heilvolle Bilder von einem neuen Himmel und einer neuen Erde gezeichnet. Wie aber lässt sich diese biblische Hoffnungsperspektive in ein produktives Gespräch mit der Problematik rund um den Klimawandel bringen?

Die skizzierte Hoffnung in der Johannesoffenbarung mündet zwar in einer Heilszeit samt neuem Himmel und neuer Erde, vermittelt aber an keiner Stelle den Eindruck, als sei es angebracht, lediglich passiv die vorherige Unheilszeit auszusitzen. Die Verheißung einer neuen Welt bedeutet in der Offenbarung gerade nicht: Alles bleibt, wie es ist, bis Gott eingreift. Gottes Volk wird konkret aufgefordert, die Stadt Babylon zu verlassen. Denn Babylon wird als Ort absoluter Dystopie beschrieben. Durch die Aufforderung zum Verlassen dieses Ortes (Offenbarung, Kapitel 18) wird eine Gegenwartsverantwortung in einen Zusammenhang mit der Zukunftshoffnung gestellt. Es handelt sich demnach nicht um ein Entweder-oder.

Der historische Bezugspunkt für Babylon war sicherlich Rom und die Machtverhältnisse des römischen Reichs. Deshalb darf das Bild von Babylon nicht vorschnell auf heutige Verhältnisse übertragen werden. Zugleich sollten punktuelle Parallelen auch nicht ignoriert werden. In der Offenbarung, Kapitel 18, wird eindrücklich geschildert, dass sich die Reaktion der Kaufleute auf den unausweichlichen Untergang Babylons ausschließlich auf die Trauer um die schwindenden Umsätze und ihren vergehenden Reichtum beschränkt. Dadurch wird die Kritik an Babylon besonders deutlich. Könnte diese Kritik auch dort eine Anfrage sein, wo gegenwärtig wirtschaftlicher Profit wichtiger erscheint als Menschen, Tiere und Mitwelt?

In der Thronsaalvision (Offenbarung, Kapitel 5) wird ein besonderes Augenmerk auf ebendiese Geschöpfe gelegt: Ausnahmslos jedes Geschöpf lobt und preist Gott – ein kosmisches Konzert aller Kreaturen. Dieses biblische Motiv ist in seinem Vorkommen und daher gewisslich auch in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen (unter anderem Psalm 103 und Psalm 148). Doch was geht verloren, wenn weiterhin jedes Jahr unzählige Tier- und Pflanzenarten verschwinden? Diese Frage beantwortete Papst Franziskus in der Enzyklika "Laudato si’" von 2015 folgendermaßen: „Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“ (LS 33)
Verantwortung für die Mitgeschöpfe und die Mitwelt zu übernehmen, kann so zu einer geistlichen Aufgabe werden. Wer die Schöpfung schützt, bewahrt nicht nur Lebensräume, sondern trägt dazu bei, dass der Chor der Geschöpfe weiterhin Gottes Lob erklingen lässt. Schöpfungsverantwortung wird damit selbst zu einer Form des Gotteslobs.

Selbstverständlich ist die Johannesoffenbarung keine entfaltete Tier- oder Umweltethik und auch kein Klimaschutzprogramm. Sie entstand nicht aus einer ökologischen Krise heraus, sondern aus einer politischen Bedrängnissituation. Sie verbindet eine Kritik an der Gegenwart mit einer Hoffnung auf die heilvolle Zukunft. Dementsprechend könnte es möglich sein, eine christliche Kritik am menschlichen Umgang mit Gottes Schöpfung so zu formulieren, dass weder eine zu gefühlter Ohnmacht führende Panik überwiegt, noch die Dringlichkeit der globalen Klimakrise mitsamt ihren lebensgefährlichen Folgen für Menschen, Tiere und Mitwelt verharmlost wird.

Gesprächsimpulse

  • Welchen Stellenwert hat die Schöpfungsbewahrung in Ihrem Leben und Glauben?
  • Welche Rolle spielt die Kirche bei der Bewahrung der Schöpfung bzw. sollte sie spielen? Verantwortung für die Mitgeschöpfe und die Mitwelt zu übernehmen, kann so zu einer geistlichen Aufgabe werden.

Der Autor ist Beauftragter für Schöpfungsverantwortung der Landeskirche Sachsens.

Mit dieser Folge endet die Serie zur Apokalypse. Ab der kommenden Ausgabe startet eine Serie zum Vaterunser.

Die Schöpfung zu bewahren und Lebensräume für Pflanzen und Tiere zu erhalten, ist mit Leben erfülltes Gotteslob. | Foto: amenic181 – stock.adobe.com
Christian Sommerfeld

 | Foto:  C. Sommerfeld
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