Wort zur Woche
Ein helles Wort im dunklen Raum
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Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Johannes 3, Vers 14b-15
Die Kapelle ist voll. Zu viele Menschen für einen Abschied, der keiner sein sollte. Eine junge Frau ist gestorben. Viel zu früh.
Von Martin Olejnicki
Draußen knirscht Schnee unter Schuhen, drinnen sitzt man dichter als sonst. Manche starren auf die Blumen, andere ins Leere. Die Worte wirken tastend, die Stille schwer. Vorn ein Fenster. Ein Gesicht: Jesus. Hell, fast zu hell. Nur der Kopf, sein Antlitz. Ein Bild, das nicht mehr so recht in unsere Zeit zu passen scheint. Nach heutigen Maßstäben stimmt da vieles nicht: zu weiß, zu glatt, zu wenig von der Welt, in der wir leben. Darf so etwas trösten? Und ich merke im gleichen Moment: Es tut es trotzdem. Dieser Blick lässt sich nicht einfach übersehen. Er wirkt ruhig. Fast tröstlich. Und gerade das irritiert.
„Der Menschensohn muss erhöht werden.“ In diesem Raum klingt das anders. Erhöht werden, das meint nicht Glanz und Größe. Es meint den Weg ans Kreuz. Den Ort, an dem alles zerbricht – und an dem Gott sich nicht heraushält. Im Johannesevangelium steht hinter dem Wort die alte Geschichte von der Schlange in der Wüste: etwas wird aufgerichtet, sichtbar gemacht, damit Menschen leben können. Ein Gott, der sich hineinziehen lässt in das, was wir erleben: in Schmerz, in offene Fragen, in die Sprachlosigkeit eines solchen Tages. Kein Abstand. Keine Erklärung, die alles glatt macht. Sondern Nähe, die bleibt, auch wenn die Seele keinen Boden findet.
Dann dieses Wort: „auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben“. Es steht daneben wie eine kleine Kerze in einem großen dunklen Raum. Es übertönt den Tod nicht. Aber es widerspricht ihm. Hält dagegen, ohne laut zu werden. Nicht als Vertröstung, sondern als Zusage: Du bist nicht verloren, auch wenn wir dich loslassen müssen. Der Blick im Fenster bleibt. Vielleicht ist er zu hell. Vielleicht zu fremd. Doch bleibt er ein Gegenüber. Einer, der nicht wegschaut. Auch jetzt nicht. Und ich spüre: Das genügt in diesem Moment.
Der Autor ist Pfarrer in Köthen.
Autor:Online-Redaktion |

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