Jugendkirche
Junge Ideen für alte Mauern
- Kirche als Multifunktionsraum für Jugendliche: In der Erfurter Michaeliskirche sind derzeit sechs Vorschläge für die Umnutzung der sogenannten Schottenkirche in einer Ausstellung zu sehen.
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Kirchenimmobilien: Die katholische Pfarrei St. Lorenz, zu der in Erfurt sieben Kirchen gehören, will zum Jahresende vier einer neuen Nutzung zuführen – darunter auch die in der Altstadt gelegene Kirche St. Nicolai und Jacobi. An der Fachhochschule Erfurt entstand dafür eine Projektidee.
Von Angelika Reiser-Fischer
Sie war einst als Klosterkirche gebaut. Wer hier, unweit des Touristentrubels an der Krämerbrücke, eintritt, entdeckt bis heute den romanischen Ursprung und spürt die jahrhundertelange Geschichte. Nach der Wende wurde das Gotteshaus, das irische Benediktinermönche im 12. Jahrhundert gründeten, mit viel Engagement und Geld restauriert. Doch heute finden kaum noch Gottesdienstbesucher den Weg in die Kirche St. Nicolai und Jacobi in der Erfurter Schottenstraße.
Was soll also aus ihr werden, eine Turnhalle oder Wohnraum? Gar manches wurde empört diskutiert. Matthias Rein, der Senior des Kirchenkreises Erfurt, hatte auch eine Idee und sprach dazu Philipp Krebs, Antje Simon und Christian Stangenberger von der Fachhochschule Erfurt an: eine ökumenische Jugendkirche. Wäre das historische Gebäude dafür geeignet?
Im Oktober vergangenen Jahres machten sich Wissenschaftler aus den Bereichen Architektur und Bauingenieurwesen mit einer Gruppe von 18 Studenten an die Arbeit, besichtigten die Kirche – und entwickelten Vorgaben: So sollte der Chorraum als liturgischer Kern erhalten bleiben, ohnehin das Gotteshaus respektvoll behandelt werden und alle Einbauten reversibel, also wieder umkehrbar sein. Dabei betonten Philipp Krebs und Christian Stangenberger: „Wir haben keine Planungsleistung für die beiden Kirchen erbracht. Aber wir schaffen einen professionellen Rahmen, um mögliche Lösungen aufzuzeigen. Von Beginn an im Zusammenspiel verschiedener Disziplinen – mit Studierenden der Fachrichtungen Architektur und Bauingenieurwesen. Wie dies in der Berufswirklichkeit für das Gelingen eines solchen Projektes erforderlich ist.“
Auch in anderen Städten wurde sich umgeschaut, in Nordhausen und Mühlhausen, und diskutiert, wie eine Jugendkirche, noch dazu eine ökumenische, sein kann. „Die Studenten mussten sich zunächst einer Verantwortung für das historische Gebäude bewusst werden und verstehen, was es heißt, da einzugreifen", berichtet Krebs. "Sie konnten zugleich der Stadtgesellschaft ein niederschwelliges Angebot machen für Bildung, Religion, soziale Kontakte, Kultur. Sie stellten sich zudem der Herausforderung, sich in einem Raum zu bewegen, der ja schon vorhanden ist, also nicht neu gebaut wird, und bei dem durch verschiedene Nutzungsangebote das Kirchenschiff auch zergliedert werden kann, mit Elementen etwa aus Holz und Glas."
Es habe Workshops gegeben in Kooperation mit Jugendlichen der beiden Kirchen als künftigen Nutzern, Vertretern der Landesdenkmalpflege, einem Fachplaner für Brandschutz. Die Studenten stellten dann einen Zwischenstand vor und bekamen wichtige Hinweise. Im Februar legten sie schließlich ihr fertiges Projekt vor. "Denkbar sind Räume für ein Café, für Musik und Chorproben, für Seminare, offene Begegnungen, eine Werkstatt, eine Kletterwand im Turm, auch Übernachtungsmöglichkeiten wurden konzipiert.“ Besonders interessant: Auch die Nachbarn der Schottenkirche sollen einbezogen werden, wie das Theater "Die Schotte", die Volkshochschule, der Kaisersaal. Dazu kommen Möglichkeiten zur Gestaltung des Gartens und der Außenanlage.
Vieles ist künftig noch zu diskutieren: die Heizung, die Barrierefreiheit, der Stauraum für Utensilien, die nicht immer gebraucht werden. Sollte der Fußboden angehoben werden oder eine Begegnungszone aus Stufen entstehen? Und darum geht es jetzt: Diskussion. Elf verschiedene Entwürfe liegen vor. Sechs davon sind bis Ende Juli in der Erfurter Michaeliskirche ausgestellt. Im September sind dann alle elf Entwürfe zum Tag des Denkmals in der Schottenkirche zu sehen. Jugendliche selbst sollen so angesprochen, in die Debatte einbezogen werden. Beschlüsse der beiden Kirchen gebe es bisher keine, so Matthias Rein.
Zusammen mit dem katholischen Dekanat wird derzeit nach einem möglichen Träger für die ökumenische Jugendkirche gesucht, denn das Gotteshaus gehört ja der katholischen Kirche. Prominente aus Politik, Kultur, Wirtschaft sollen für die finanzielle Unterstützung angesprochen werden, wenn es um Fördermöglichkeiten geht. Ein Finanzplan muss her. Und vielleicht eine nächste Studie.
Autor:Online-Redaktion |
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