Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung
Appell zu Frieden und Kriegen in den Medien

Foto: piccabay/Andrys

Nach einer Fachtagung zum Thema „Gut informiert? Frieden und Kriege in den Medien" in Erfurt hat die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung den „Erfurter Appell zu Frieden und Kriegen in den Medien" herausgegeben. Das Dokument richtet sich an alle, die Medien nutzen, journalistisch gestalten oder in leitender Position verantworten.

Wiesbaden/Erfurt (red). Der sogenannte Erfurter Appell stellt die Warnung voran: „Wer Kriege führt, betrachtet die Medien als eines seiner Gefechtsfelder.“ Das Ziel der Kriegsparteien sei stets, die öffentliche Meinung zu dominieren, so die unterzeichner.

Narrative der Kriege hinterfragen

Der Appell ruft dazu auf, die Narrative der Kriegführenden kritisch zu hinterfragen. Zu ihnen gehöre auch die Rede von „angeblich unvermeidlicher Gewalt“. Der Appell bittet, stets nach Wegen aus dem Konflikt zu suchen. Als Maßstab benennt er die Charta der Vereinten Nationen, die alle internationalen Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen fordert und ein allgemeines Gewaltverbot ausspricht. Die Medienschaffenden werden gebeten, dabei pazifistische Ansätze angemessen einzubeziehen. Dies geschehe derzeit nicht in ausreichendem Maße, kritisiert die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung.

Qualität und Unabhängigkeit sichern

Die Verantwortlichen in Medienhäusern werden gebeten, trotz des hohen wirtschaftlichen Drucks durch knappe Finanzen und digitale Konkurrenz die journalistischen Standards zu bewahren. Friedensthemen sollen mit fachkundigen Redakteurinnen und Redakteuren besetzt werden. Ausdrücklich begrüßt die Stiftung den „Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien" vom März 2026. Sie beklagt jedoch, dass die pazifistische Perspektive in der Medienlandschaft nach wie vor „fast durchgängig zu kurz kommt“.

Haltung zeigen, Kontext liefern, Distanz wahren

Journalismus müsse mehr sein als das bloße Abbilden politischer Meinungen. In ihrem Appell plädiert die Stiftung für einen aktiven Fakten-Check, das Aufdecken von Widersprüchen und sowie von politischen und wirtschaftlichen Hintergründen: „Ihr Text braucht Kontext." Der Appell mahnt zur inhaltlichen Unabhängigkeit. So sollen Bilder und Sprachbilder der Kriegführenden nicht unreflektiert übernommen werden: „Gegnerische Führungspersonen werden nicht `ausgeschaltet´“ – sie werden getötet.

Schulfach Medienbildung nötig

Die Nutzerinnen und Nutzer von Medien werden gebeten, qualitativ hochwertige, kostenpflichtige Medienangebote aktiv zu unterstützen, denn nur so lassen sich Vielfalt und Unabhängigkeit dauerhaft sichern. Kostenlose Nachrichtenportale und soziale Medien allein reichten nicht aus – ihre Arbeitsweise sei zu intransparent. Darüber hinaus plädiert die Stiftung für die Einführung eines Schulfachs Medienbildung.

Hintergrund

Die Bonhoeffer-Niemöller-Stiftung ist sowohl in der ost- wie auch in der westdeutschen Friedensbewegung verwurzelt und denkt deren pazifistisches Erbe weiter. Dabei setzt sie auch das Lebenszeugnis der evangelischen Pfarrer und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller fort. Sie ist konfessionsübergreifend und unabhängig. Ihr Sitz ist in Wiesbaden.

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Online-Redaktion

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