Iran
Christen stehen unter Generalverdacht
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Seit Beginn des Krieges mit den USA und Israel hat sich die Lage für Christen im Iran zugespitzt. Martin Lessenthin beobachtet eine zunehmende Verfolgung der religiösen Minderheit. Stephan Cezanne hat mit dem Menschenrechtsexperten gesprochen.
Wie wirkt sich der Krieg auf den Alltag von Christen im Iran aus?
Martin Lessenthin: Christen im Iran stehen – wie viele andere Iraner – an der Seite des Volkes und teilen dessen Leid und Hoffnung. Doch aktuell bedeutet jeder Kontakt in die freie Welt für Konvertiten und Christen Lebensgefahr. Viele von ihnen haben sich an den Januar-Demonstrationen gegen das Mullah-Regime beteiligt. Auch unter ihnen hat es viele Verletzte und Tote gegeben. Etliche Christen wurden verhaftet oder verschleppt. Das Gemeindeleben steht weitgehend still.
Inwiefern werden Christen nach den Militärschlägen der USA und Israels noch stärker als bisher als "Sicherheitsrisiko" oder als "Spione des Westens" stigmatisiert?
Die christlichen Untergrundgemeinden sind in größter Gefahr. Sie stehen unter Generalverdacht, so wie auch die Mitglieder der Bahai-Gemeinschaft, die wenigen Juden und Mandäer. Die gegen sie eingesetzte besondere Härte ist eine Machtdemonstration und ein Signal der islamistischen Führung an die Zivilgesellschaft.
Wie erleben iranische Christen die Situation: Überwiegt Angst oder gibt es Hoffnung auf gesellschaftliche Veränderungen?
Die Ernennung von Modschtaba Chamenei, dem Sohn von Ali Chamenei, zum neuen obersten Führer ist ein fatales Zeichen für die religiösen Minderheiten. In den letzten Tagen sind fast alle Kontakte ausgesetzt. Viele Untergrundgemeinden treffen sich nicht mehr. WhatsApp-Gruppen existieren nicht mehr, weil aus Angst vor den Revolutionsgarden alle Mitglieder ausgetreten sind. Die Gefahren sind für sie schlicht zu groß.
Was erwarten Menschenrechtsorganisationen jetzt von westlichen Regierungen und den Kirchen?
In einen Iran der Mullahs darf es keine Abschiebungen mehr geben. Dieses System will ihr Land in den Krieg führen und die Rückkehr des "verlorenen Propheten Mehdi" provozieren, der dann den weltweiten islamischen Gottesstaat errichten soll. Nach einem Fall des Regimes und einem kriegerischen Konflikt wird es viele Opfer zu beklagen geben. Praktische Hilfe durch Ärzte und Traumatherapeuten wird nötig sein. Auch Christen benötigen solche Unterstützung, denn viele waren im Gefängnis und sind durch Haft und Folter traumatisiert.
(epd)
Autor:Online-Redaktion |
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