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Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Der Ritt aus der eigenen Blase

Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt will die EKM „Friedensreiter“ aussenden. Die Ausbildung startet mit einem Wochenendseminar vom 19. bis 21. Juni im Augustinerkloster Erfurt. Beatrix Heinrichs hat mit dem Kursleiter Pfarrer Frank Hiddemann von der Ökumenischen Akademie Ostthüringen gesprochen.

Wird dem Friedenschlichten zu wenig Bedeutung beigemessen?
Frank Hiddemann: Frieden ist nicht das Problem. Es sind die Lager, die sich nicht mehr begegnen. Wenn man nicht miteinander spricht, nur noch Mythen übereinander erzählt, wird es schwierig. Eskalationen passieren eher in einer entkörperlichen Kommunikation. Dafür sorgen auch die Algorithmen der Sozialen Medien – man bleibt in seiner Blase. Da ist echter Streit anders. Selbst wenn man sich mit jemandem in die Wolle kriegt, wird eine Beziehung geknüpft.

Die Friedensreiter im Dreißigjährigen Krieg haben zwischen zwei klar abgrenzbaren Lagern vermittelt, den Protestanten und den Katholiken. Funktioniert das Bild heute noch?
Im Lagerwahlkampf in Sachsen-Anhalt haben wir auch zwei Seiten, die sich gegenüberstehen: Die demokratischen Kräfte,die sich zusammenschließen. Und die Rechtspopulisten der AfD, gegen die sie antreten.

Ist das nicht sehr polarisierend?
Polarisierung ist ein super Ordnungsprinzip. Das Bild vom Vermitteln zwischen diesen beiden Lagern funktioniert hier. Je komplizierter die Welt ist, desto mehr braucht es auch Vereinfachung. Die AfD hat in ihrem Regierungsprogramm die Kirche angegriffen. Und die Kirche reagiert moralisierend, indem sie vermittelt, auf der richtigen Seite zu stehen. In Bezug auf die AfD aber muss man die Stimmen in der Mitte gewinnen, die Unentschiedenen. Das tut man nicht, indem man sich so deutlich auf eine Seite stellt. Mit den Friedensreitern sollen Menschen die Kirche wahrnehmen als eine Instanz, die zwischen den Lagern vermittelt und persönliche Begegnung herstellt.

Was muss man mitbringen, um Friedensreiter zu werden?
Es braucht Interesse. Für die aktuelle Ausbildungsphase haben wir 15 Plätze und derzeit 14 Anmeldungen. Unter den Teilnehmern sind Akademiker und Unternehmer, Menschen aus dem politischen Umfeld, Studenten und sogar ein Rentner-Ehepaar. Das Projekt soll auch keine einmalige Aktion bleiben; wir planen in Zukunft jedes Jahr Friedensreiter auszu-bilden.

Wie sieht die Ausbildung konkret aus?

Zunächst werden wir uns mit den historischen Hintergründen der Friedensreiter befassen. Danach erfahren wir mehr zu Themen wie Polarisierung, Misstrauensgemeinschaften, Vertrauensverlust. Es soll auch um prekäre Dialoge gehen und wie man sie moderiert. EKM-Gemeindedezernentin Petra Schwermann wird Methoden aufzeigen, um Konflikte lösungsorientiert zu bearbeiten. Kernstück ist die Gruppenarbeit. Die Teilnehmer werden für ihren Heimatort Aktionen entwickeln, die wir dann beraten.

Wo können die Friedensreiter zum Einsatz kommen – in Kirchengemeinden?

Da ist vieles denkbar. In Gemeinden, meine ich, aber weniger. Mit ihren Aktionen sollten sie eher in den öffentlichen Raum gehen. Es kommt darauf an, Leute zusammenzubringen, die sonst nicht zusammenkommen. Wir alle sind in unseren eigenen Blasen. Austausch kommt von allein schwer zustande. Den muss man herstellen. Das kann ein Demoslam sein, also ein Dialogformat über kontroverse Themen, oder ein Kunstprojekt. Man kann sich auf einen Heuballen an den Marktplatz setzen und Geschichten sammeln. Es muss etwas sein, das den politischen Raum für die Demokratie vergrößert. Etwas, das nicht nur sagt: Wir sind die Richtigen.

Information zu Ausbildung und Aktionen der Friedensreiter per Mail: friedensreiter@oekumenische-akademie-ostthueringen.de

Autor:

Beatrix Heinrichs

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