München und Leipzig
Yad Vashem eröffnet Außenstellen
- Foto: epd-bild/Debbie Hill
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Die Gedenkstätte Yad Vashem erweitert ihren Radius: Erstmals wird es Standorte außerhalb Israels geben. Neben München überzeugte Leipzig. Vermittelt werden sollen auch persönliche Schicksale.
Von Katharina Rögner
München/Leipzig (epd). Neben München bekommt Leipzig eine Außenstelle der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Entstehen soll dort ein Bildungszentrum für die gesamte Region und die Nachbarländer. Als Hauptstandort wurde München ausgewählt. Es sind die ersten Außenstellen des Jerusalemer Yad Vashem International Institute for Holocaust Education überhaupt.
Laut Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) war zunächst nur ein Bildungszentrum in Deutschland geplant. Doch die Erfahrungen bei zwei Besuchen vor Ort habe bei den Entscheidern „zu einem Sinneswandel geführt“ und zu der Erkenntnis, dass es „sinnvoll ist, in Ost und West Standorte“ zu eröffnen. Für Sachsen sei das Yad Vashem Zentrum „eine nicht hoch genug zu schätzende Anerkennung und Verantwortung zugleich“.
Fünf Millionen Euro jährlich
Dem Minister zufolge wird das Land Sachsen von 2027 an jährlich fünf Millionen Euro für das Yad Vashem Bildungszentrum in Leipzig bereitstellen. Angesiedelt wird es in dem bereits bestehenden Kultur- und Bildungszentrum Ariowitsch-Haus. Zunächst soll ein Neubau im Innenhof des Hauses entstehen.
„Wir wollen versuchen, junge Menschen zu erreichen“, sagte Clemens. Wenn es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Holocaust gebe, die an Schulen gehen können, müssten neue Wege der Vermittlung und Erinnerung gefunden werden.
Emotionale Betroffenheit
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte, Leipzig sei „ganz klar Gewinner“, auch wenn die Stadt nicht Hauptstandort geworden ist. Die Stadt habe mit ihrem Engagement überzeugt. Zudem habe die Arbeit des Ariowitsch-Hauses zur Entscheidung beigetragen. Ziel sei, das Bewusstsein für Antisemitismus weiter zu schärfen und das Engagement für Menschenwürde und moralische Verantwortung zu fördern. „Wir können dafür sorgen, dass wir nicht vergessen“, sagte Jung.
Der Direktor des Ariowitsch-Hauses und Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig, Küf Kaufmann, sagte, die Entscheidung für Sachsen sei „ein herausragendes Zeichen von tiefem Vertrauen“. Die jüdische Gemeinde in Leipzig hat rund 1.100 Mitglieder.
Stadt mit großer jüdischer Geschichte
Der sächsische Landesrabbiners Zsolt Balla erklärte, Leipzig sei „ein wichtiger und richtiger Standort, eine Stadt mit großer jüdischer Geschichte, mit neuer Dynamik jüdischen Lebens.“ Gerade junge Menschen müssten verstehen, wohin Antisemitismus, Menschenverachtung und das Schweigen der Gesellschaft führen könne. Auch Sachsens evangelischer Landesbischof Tobias Bilz begrüßte die Entscheidung für Leipzig. Dies zeige, „welche Bedeutung diese Erinnerung auch hier und heute hat“.
Sich der Geschichte stellen
Die Gedenkstätte Yad Vashem wurde 1953 gegründet und versteht sich als „lebendiges Denkmal des jüdischen Volkes für den Holocaust“. Ihre Aufgaben sind Erinnerung, Dokumentation, Forschung und Bildung.
Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, erklärte zum ersten Hauptstandort außerhalb Israels: Die Wahl Münchens als Geburtsstätte der NSDAP habe eine tiefe symbolische Bedeutung und spiegele wider, wie wichtig es sei, sich dieser Geschichte dort zu stellen, wo sie ihren Anfang genommen habe. Das neue Bildungszentrum in München soll am Karolinenplatz entstehen.
Autor:Online-Redaktion |

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