Bettina Schlauraff
"Bedrohlicher als in 'Baseballschlägerjahren'"
- Bettina Schlauraff schätzt Ruheorte wie den Park des Zinzendorfhauses in Neudietendorf. Nach dem Abitur verbrachte sie ein Jahr in einem Frauenkloster in der Schweiz – eine prägende Glaubenserfahrung.
- Foto: André Poppowitsch
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Berlin (KNA) Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt äußern die Kirchen und andere Teile der Zivilgesellschaft weiter ihre Sorge vor einer Zunahme von Spaltung und Gewalt. So empfindet die evangelische Regionalbischöfin in Magdeburg, Bettina Schlauraff, die aktuelle Situation in Sachsen-Anhalt bedrohlicher als in den 1990er Jahren, in den sogenannten Baseballschlägerjahren. Die Schwelle zur Gewalt sinke immer weiter. Sie äußerte sich bei einer Veranstaltung der Amadeu-Antonio-Stiftung.
Mit "Baseballschlägerjahren" wird vor allem die Welle rechter Gewalt in den 1990er Jahren bezeichnet, die insbesondere in Ostdeutschland den Alltag vieler Menschen prägte. Dazu gehörten rassistische Angriffe, Überfälle auf Migranten sowie Gewalt gegen linke und alternative Jugendliche.
Abgerissene Banner in Kirchen
Schlauraff betonte, die Übergriffe auf queere Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund nähmen zu. In Sachsen-Anhalt gebe es Kirchen, in denen Banner abgerissen würden. Ihre Landeskirche müsse inzwischen gezielt Schritte unternehmen, um ihre Mitarbeiter vor rechten Angriffen zu schützen. "Das hat eine neue Qualität", so die evangelische Theologin.
Der Leiter des Soziokulturellen Zentrums Zora in Halberstadt, Robert Fietzke, teilt diese Einschätzung. "Das Einsickern von Menschenhass in die Gesellschaft ist größer", so Fietzke. Das sei gefährlicher als einzelne Neonazi-Gruppen, die in der Stadt wie in den "Baseballschlägerjahren" Gewalt ausgeübt hätten. Zugleich betonte er, "wir stehen am Beginn einer neuen rechten Gewaltwelle".
Gefahr durch "Bürgerwachen"?
Als besondere Gefahr bezeichnete Fietzke ein Szenario, in dem die AfD im Bundesland den Innenminister stelle. Unklar sei dann, ob die Polizei, die dem Innenministerium unterstehe, noch gegen rechte Gewalt vorginge. Kritik übte er auch an sogenannten Bürgerwachen, die die AfD einführen wolle. Diese seien eine "zweite Karrierechance für Menschen, die gewaltaffin sind und eine Kriminalgeschichte haben". Betroffene von rechter Gewalt drohten auch hier zu ihrer Zielscheibe zu werden.
Unterdessen fordert Timo Reinfrank als Geschäftsführender Vorstand der Amadeu Antonio Stiftung einen Schutzschirm für die Demokratie. Dieser solle eine langfristige und verlässliche Förderung der demokratischen Zivilgesellschaft in allen strukturschwachen Regionen Deutschlands ermöglichen. Dadurch könnten die Zivilgesellschaft finanziell, rechtlich und physisch abgesichert und Betroffene geschützt werden, so Reinfrank. Die Stiftung startete eine entsprechende Petition.
Autor:Online-Redaktion |
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