Ernährung
Das Lebensmittel der Zukunft springt und knuspert

Grün und gut: Der Grashüpfer könnte sich zukünftig als Lebensmittel durchsetzen.
  • Grün und gut: Der Grashüpfer könnte sich zukünftig als Lebensmittel durchsetzen.
  • Foto: pexels.com/ Silas Jaeger
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In Zeiten der Klimaerwärmung hat Fleischessen einen so schlechten Ruf wie Flugreisen. Wenn es um tierisches Protein geht, gelten Insekten als mögliche Alternative zu Rind, Schwein oder Geflügel. Geht es nach dem Erlanger Sven Hochstrat, würden sich Insekten viel häufiger auf dem deutschen Speiseplan finden. Es müssen ja nicht gleich frittierte Skorpione am Spieß sein, die in manchen Ländern auf Märkten angeboten werden.

Hochstrats Unternehmen Imago Insects setzt lieber auf ein Mehl aus Grillen. Das kann Brot, einer Bolognese-Soße oder Müsli-Riegeln beigemischt werden. Mit einem Erlanger Bäcker experimentiert er in der Backstube, um optimale Rezepturen für Dinkelbrot und Knäckebrot sowie Müsli- und Schokoriegel zu kreieren. Für den hauptberuflichen Ingenieur ist klar: «Insekten sind das Lebensmittel der Zukunft.»

Dabei löst die Vorstellung von Insekten auf dem Teller in Europa bei Vielen noch ein entsetztes Schütteln aus. 20 Prozent der Menschen seien begeistert von der Idee, bei den anderen sei viel Überzeugungsarbeit notwendig, erklärt der Erlanger Sven Hochstrat. Seiner Erfahrung nach lehnen ein Drittel der Menschen essbare Insekten komplett ab und wollten auch nicht probieren.

Doch die kleinen Krabbler gelten als idealer Fleischersatz. Der Nährwert der Grillen kann sich sehen lassen. So liegt deren Proteinanteil, der alle essenziellen Aminosäuren enthält, mit gut zwei Dritteln fast dreimal so hoch wie bei Huhn, Rind oder Lachs. Zudem sind Grillen reich an Omega-3-Fettsäuren, Mineralien und Vitamin B12.Insekten sind optimale Futterverwerter. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO rechnet vor: Im Durchschnitt können Insekten zwei Kilogramm Futter in ein Kilo Insektenmasse umwandeln, wohingegen Rinder acht Kilo Futter für zwei Kilo Fleisch benötigen. Außerdem werde bei der Produktion von Insekten weniger CO erzeugt als in der konventionellen Viehhaltung.

Die FAO macht sich schon seit Jahren für den Verzehr von Insekten durch Menschen stark. Sie sieht angesichts der wachsenden Weltbevölkerung in den mehr als 1 900 bekannten essbaren Insektenarten einen Weg zur Nahrungssicherung.Gleichzeitig widerspricht die UN-Organisation dem Vorurteil, dass auf der Welt Insekten nur in Zeiten von Hungersnöten als Lebensmittel verzehrt würden. In Teilen von Asien, Afrika und Lateinamerika werden Insekten seit jeher gegessen. Sie tragen laut FAO zur Ernährung von rund zwei Milliarden Menschen bei.

2015 gründete Hochstrat sein Unternehmen – als einer der ersten europaweit. Damals sei er vom deutschen Lebensmittelrecht ausgebremst worden. Auch wenn man bis heute in Deutschland die Insekten nicht züchten darf – als Zutaten für eine Bolognese-Soße oder einen Burger-Bratling sind sie mittlerweile erlaubt. Seit der Novel-Food-Verordnung der Europäische Union 2018 zählen essbare Insekten zu neuartigen Lebensmitteln.
Mittlerweile bieten in Deutschland mehrere Handelsketten in ihren Märkten Insektenprodukte an, und Gastronomen servieren neugierigen Gästen Insektengerichte.

Thomas Tjiang (epd) 

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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