Wort zur Woche
Schlüsselversicherung: Loslassen, abgeben, leben

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.
1. Petrus 5, Vers 7

Von Ramón Seliger, Pfarrer in Weimar und bei der Online-Kirche

Wenn das mal so einfach wäre. Es klingt verlockend: Alle Sorgen einfach abwerfen. Einfach von sich schütteln. Frei werden von all den kleinen und großen Sorgen des Alltags. Die Sorge um die Gesundheit. Die Sorge um das Wohl der Kinder. Die Sorge um den Frieden in unserer Welt. Und ja, leider manchmal auch die Sorge um das bisschen Brot für den morgigen Tag.
Es klingt verlockend: Einfach alle Sorgen abwerfen. Was habe ich nicht alles versucht? Allerhand Versicherungen habe ich abgeschlossen: Lebensversicherung, Unfallversicherung, Arbeitsunfähigkeitsversicherung, sogar eine Schlüsselversicherung habe ich inzwischen. Wirklich sicher fühle ich mich damit aber nicht. Es bleibt die Frage: Kann ich mich wirklich gegen jeden und alles versichern, das mir in meinem Leben zustößt? Leben bleibt lebensgefährlich.
Vieles sehe ich nicht auf mich zukommen, und gegen den Verlust von dem, was mir im Leben wichtig ist, kann ich mich nicht versichern. Den Verlust von Freunden. Das Ende einer Liebe. Die Sorge um das Wohl der Kinder. Und auch die beste Lebensversicherung hilft dem nicht mehr, der sein Leben verloren hat. Auch meine Krankenversicherung schützt nicht meine Gesundheit, sie hilft mir nur die Not der Kosten meiner Krankheit zu lindern. Gegen die Krankheit selbst ist auch die beste Versicherung machtlos. Ich ahne: Mein Leben habe ich letztlich nicht in meiner Hand, allen Versicherungen zum Trotz.
»Sorge, nun so mach mich klug« heißt es bei Goethe. Schöner noch steht es in der Bergpredigt: »Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib.« Das heißt für mich: Frei werden von der falschen Sorge, die mein Leben hemmt. Loslassen, was ohnehin nicht in meinen Händen liegt. Sehen, dass mein Leben in Gottes Hand geborgen ist und immer schon war. Dann muss ich auch nichts überwerfen, was ich gar nicht greifen kann. Und dann kann ich klug werden, weil Gott immer schon für mich sorgt und mir sagt: Sorge dich nicht, lebe!

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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