Predigttext
Haben Sie einen Beutel?

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Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.
1. Mose 1, Vers 31

Von Charlotte Reinhold

Eigentlich ist die Sache klar: Es ist Mai und die Natur in unseren Breiten drängt mit aller Kraft der Sonne entgegen. Überall, wo vorher braun-graue Erde war, sind nun grüne, blaue, rote, violette, gelbe und weiße Farben zu bestaunen. Honigbienen, Hummeln und große blaue Holzbienen machen sich hungrig über die blühenden Obstbäume her. Das neue Leben, so passend zur Osterzeit, ist deutlich zu spüren, und dafür kann ich nicht anders als Gott zu loben! Was für ein Wunder! Jubilate heißt der Sonntag. Die Schöpfungserzählung in 1. Mose 1, in welcher Gott all seine Werke als gut ansieht, liegt diesem Frühlingssonntag in der Osterzeit zugrunde.

Gleichzeitig regt sich Widerstand in mir. Hier geht es der Natur gut, hier kann ich Gott für seine wunderbare Schöpfung danken. Aber ich habe eben erst einen Artikel über die Dürre in Ostafrika gelesen, durch den Klimawandel verursacht. Über Ziegenherden, die auf der Weide verhungern. Menschen, die weite Wege für etwas Wasser zurücklegen und tief dafür graben müssen. Wenn heute dort der Predigttext zu hören wäre, sähe man freudige und zustimmende Gesichter? Ich kann es mir nicht vorstellen. Was ist aus der guten Schöpfung geworden, wie soll man da jubeln?

Und doch ist die Schöpfungserzählung kein Hohn, sie führt mich nicht zur Theodizeefrage, warum Gott dies alles zulässt. Vielmehr sagt sie: Die Grundlage dieses irdischen Lebens ist gut. Gott hat diese Welt zum Guten geschaffen, wir haben nur leider nicht das Beste daraus gemacht.

Aber weil diese Erde sehr gut ist, weil die Natur alles hergibt, weil bei gerechter Verteilung eigentlich genug für alle da wäre, lohnt es sich, dafür einzustehen. Es liegt an uns. In den Worten aus 1. Mose 1, Vers 31 steckt Verantwortung. Natürlich können wir Kleinen nur kleine Schritte tun. Fahrrad statt Auto fahren, recyclen statt wegschmeißen, Plastik reduzieren, Geld spenden, Insektenhotels bauen …

Oder aber: Heute einen Spaziergang machen, einen leeren Müllbeutel in der Tasche und Gottes wunderbare Schöpfung loben und respektieren, indem wir einfach etwas von dem, was Menschen in der Natur hinterlassen, wieder mitnehmen. Das kann ich tun. Vielleicht haben Sie ja auch einen Beutel dabei?

Charlote Reinhold, Vikarin in Weimar
Autor:

Online-Redaktion

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