Wort zur Woche
Dienst zwischen Küche und Wohnzimmer
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Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. Matthäus 20, Vers 28
Wenn Gäste kommen, beginne ich meistens sehr entspannt. Alles ist vorbereitet, der Tisch gedeckt, die ersten Gespräche laufen. Doch es dauert nicht lange, bis ich wieder in der Küche stehe.
Von Martin Olejnicki
Noch schnell etwas holen, ein Getränk anbieten, etwas wegräumen. Ich pendle zwischen Küche und Wohnzimmer, zwischen Tun und Dabeisein. Manchmal habe ich am Ende das Gefühl, alles im Blick gehabt zu haben, aber nicht so ganz dabei gewesen zu sein.
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene.“ Dieser Satz Jesu stellt die Wege infrage, die wir gewohnt sind. Wer es geschafft hat, lässt sich bedienen. Wer etwas zu sagen hat, wird versorgt. So funktioniert es an vielen Stellen in unserer Welt. Oft übernehmen wir diese Logik, ohne darüber nachzudenken. Sie prägt, wie wir auf andere schauen und wie wir uns selbst verstehen.
Jesus hingegen dreht diese Ordnung nicht nur um, er lebt sie anders. Sein Dienen ist kein Pflichtprogramm. Es ist Ausdruck dessen, wer er ist. Einer, der sich nicht über Abstand zu den Menschen definiert, sondern über Nähe. Einer, der nicht nimmt, sondern gibt. Der sich nicht schont, sondern sich hineinbegibt in das Leben der anderen. Soweit sogar, dass er sein Leben einsetzt für viele.
Das Wort Lösegeld bleibt dabei aber sperrig. Es erzählt davon, dass etwas gelöst werden muss. Dass es Bindungen gibt, die wir selbst nicht auflösen können. Und dass einer den Preis trägt, damit andere frei werden können. Nicht als Geschäft, sondern als Hingabe. Dieses Dienen geschieht nicht fern von unserem Alltag, sondern mitten darin. Zwischen Küche und Wohnzimmer. Zwischen dem, was getan werden muss, und dem, was einfach geteilt wird.
Darin liegt für mich in diesem Jahr eine Spur der Fastenzeit: neu hinzusehen, wo ich gebraucht werde – und wo ich mich geben kann, ohne mich zu verlieren.
Der Autor ist Pfarrer in Köthen.
Autor:Online-Redaktion |

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