Predigttext zum Sonntag
Die Kraft in uns

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Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele; darum will ich auf ihn hoffen.
Klagelieder 3, Vers 24

Ein Haus, die Wand ist herausgebrochen, ein Windspiel schaukelt verloren im Raum. Die Straßen voller Schlamm, unpassierbar. Zerrissene Gardinen, verdreckte Teppiche und Sessel, bergeweise Müll – wir haben die Bilder des Leides der Menschen vor Augen, die von der furchtbaren Flutkatastrophe im Ahrtal heimgesucht wurden.

Inzwischen ist das ganze Ausmaß der Zerstörung deutlich geworden. Es wird lange dauern, bis die Schäden beseitigt sind. Ob auch die seelischen Schäden geheilt werden können, ist nicht zu sagen.

Verstopfte Straßen, Menschen auf der Flucht, zu Fuß, im Auto, eine unübersehbare Menge. Und am Flughafen nur Chaos. So sah es Ende August in Kabul aus. Die Verzweiflung der Menschen war beklemmend. Sie hatten große Angst. Sie wollten das Land verlassen. Niemand konnte garantieren, dass das gelingt. Überhaupt war und ist unsicher, was die Zukunft bringt. Viele fürchten das Schlimmste. Ohnmächtig müssen Menschen zuschauen, was in Afghanistan vor sich geht.

Eine Stadt in Trümmern, der Tempel verwüstet, geplündert, zerstört. Menschen wurden verbannt und vertrieben. Das ist die Situation um 587 v.Chr. in Jerusalem. In dieser Zeit sind die Klagelieder des Jeremia entstanden. Sie haben den Schmerz und die Trauer der Menschen damals aufgenommen. Auch heute finden sich verzweifelte Menschen in ihnen wieder.

Doch es geht nicht nur um Klage. Diese Lieder sprechen auch von Hoffnung. Sie machen Mut. Unser Leben ist nicht zu Ende. Denn Gottes Barmherzigkeit hört nicht auf. Sie ist und bleibt da. Nicht irgendwo fern von uns, nicht nur um uns, sondern vor allem in uns. Gott ist „mein Teil“, das heißt auch: Gott ist ein Teil von mir. Er ist die Kraft in uns, die uns hilft zu leben. Ja, Gott macht uns fähig zu weinen, zu klagen und dann auch weiterzugehen.

Und auch das ist wichtig: Wenn Gott ein Teil von mir ist, dann kann ich auch selbst Gutes tun und barmherzig sein. Ich kann meinen Mitmenschen zur Seite stehen. Die eine nimmt sich Zeit und hört zu, was andere auf dem Herzen haben. Ein anderer packt ganz praktisch an und hilft, den Schlamm in den Orten an der Ahr zu beseitigen. Möge Gott auch uns die Kraft geben zu hoffen, Mut zu fassen und dann auch zu handeln.

Gundula Eichert, Pfarrerin in Halle
Autor:

Online-Redaktion

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