Magdeburg
Moskauer Pfarrer besucht Domgemeinde

Foto: Jörg Uhle-Wettler

Fridtjof Amling, Pfarrer der Evangelischen Emmausgemeinde in Moskau, hat die Evangelische Domgemeinde in Magdeburg besucht. Im Mittelpunkt des Treffens standen Austausch und Begegnung. In einem Gottesdienst im Dom hielt Amling auch die Predigt. Darin thematisierte er die Frage, wie Christen angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine dem Aufruf des Apostels Paulus folgen können, das Böse mit Gutem zu überwinden.

Von Beatrix Heinrichs

Magdeburg. „Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann“, zitiert er aus dem Römerbrief und betont gleichzeitig: „In Zeiten ohne direkte Konfrontation und Kämpfe auf dem Schlachtfeld ist das leicht gesagt“, sagte Fridtjof Amling in Magdeburg.

Amling schilderte auch eindrücklich den Alltag in der russischen Metropole. „Das Leben in Moskau spielt sich ab irgendwo zwischen einer Achterbahn der Gefühle, einem politischen Drahtseilakt und der Banalität des Alltags“. Omnipräsent seien Hinweise auf Fluchtwege bei Drohnenangriffen, Werbeplakate für den Armeedienst, Gesuche in orthodoxen Kirchen nach Freiwilligen zum Wiederaufbau des Donbass oder Ausstellungen von Kriegsfotos, mit Bildern, die Priester beim Segnen von Panzern zeigen. Diese Eindrücke gehörten ebenso zum Stadtbild wie Sommerfeste, Konzerte und belebte Straßencafés, sagt Amling.

Der Geistliche leitet seit 2021 die deutschsprachige Gemeinde in Moskau, wo er auch Religionsunterricht an der Deutschen Schule gibt. Trotz der schwierigen Lage mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 habe er sich bewusst für den Dient in Russland bis 2028 entschieden, erklärt er.

Zentral in seiner Predigt war die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Vergebung und Feindesliebe möglich seien, ohne das Unrecht des Krieges zu verharmlosen. Er verwies dabei auf die Denkschrift der EKD zum gerechten Frieden, die er auch im Religionsunterricht in der Oberstufe zum Thema mache. In diesem Zusammenhang betonte er, dass er keine politische Lösung für den Krieg anzubieten habe. Als Geistlicher obliege ihm lediglich der christliche Auftrag, Spannungen auszuhalten und im Sinne der Bergpredigt Frieden zu stiften.

Dieses Ziel versuche er gemeinsam mit seiner Frau in Moskau unter anderem mithilfe regelmäßiger Begegnungsformate umzusetzen. Dazu würde das Ehepaar mehrmals im Jahr Russen und Deutsche unterschiedlicher politischer und religiöser Prägung zum offenen Austausch in seine Wohnung einladen. „Man sieht den anderen in die Augen – und erkennt den Menschen. Bei vielen ist das Bedürfnis nach freiem Gedankenaustausch greifbar“, so Amling.

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Beatrix Heinrichs

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