Pro und Kontra
Kann der Wehrdienst ein Friedensdienst sein?
- Foto: epd-bild/Thomas Lohnes, EKD//Peter Bongard
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Für Anna-Nicole Heinrich, Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), können sowohl Freiwilligendienst als auch Wehrdienst dem Frieden dienen. Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann kritisierte den Wehrdienst hingegen.
Anna-Nicole Heinrich warnt vor Polarisierung in der Friedensdebatte
Vor einer Polarisierung in der Friedensdebatte hat die Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, gewarnt. Oft werde die Diskussion in Schwarz und Weiß unterteilt, «in radikale Pazifisten und Mörder», sagt Heinrich in der neuen Ausgabe des Magazins «Zeit Campus». Dabei könne «der Gang zur Bundeswehr wie auch ein Freiwilligendienst ein Friedensdienst sein».
In der Debatte um die Wehrdienst-Reform hatte Heinrich zu einem früheren Zeitpunkt insbesondere den Aspekt der Freiwilligkeit betont. Dieser stehe für sie an erster Stelle und habe auch für die evangelische Kirche einen hohen Wert, äußerte sie im Sommer vergangenen Jahres: Nicht nur über Wehrpflicht gelte es zu sprechen, sagte sie damals, "sondern primär darüber, was wir tun müssen, dass sich jeder seiner Verantwortung für das Gemeinwesen bewusst ist und sich aus sich selbst heraus in die Pflicht nehmen lassen kann». Die Dimensionen von Sicherheit seien vielfältig und nicht auf das rein Militärische zu verengen, so Heinrich.
Im Gespräch mit «Zeit Campus» äußerte sie nun: Sich zu verteidigen, sei aus einer christlichen Grundhaltung heraus «nicht zu verteufeln».
Margot Käßmann vermisst klare Stimme für den Frieden
Dem widerspricht die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann in einem Gastbeitrag für das Mitgliedermagazin «Zivilcourage» der Deutschen Friedensgesellschaft. Sie sei «enttäuscht» von dem Grundsatzpapier, das die EKD im November veröffentlicht hatte. Käßmann kritisiert in ihrem Beitrag insbesondere die Position der neuen EKD-Friedensdenkschrift zur Wehrpflicht. Die Denkschrift habe die Chance verpasst, «deutlich zu machen, dass es nicht um Wehrpflicht geht, sondern um die Verpflichtung zum Kriegsdienst», schrieb Käßmann. Die Verweigerung sei hier «in der Tat das deutlich christlichere Zeichen».
Käßmann, die sich bereits in der Vergangenheit kritisch über jegliche Form von Aufrüstung und Waffenlieferungen geäußert hatte, schreibt, als Ermutigung der Friedensbewegung lasse sich die Denkschrift «nicht wirklich lesen». Sie bezeichnete dies als «traurig». «Gerade in diesen Zeiten könnte die evangelische Kirche eine starke, klare Stimme für den Frieden und den Abbau von Feindbildern sein, wie sie es in den 80er-Jahren in Deutschland Ost und West war», so Käßmann. Konkret kritisierte sie in dem Beitrag unter anderem eine Passage, wonach aus ethischer wie völkerrechtlicher Perspektive sogar «eine präventive militärische Reaktion gerechtfertigt sein» könne. «Das öffnet meines Erachtens Willkür Tür und Tor», schreibt die Theologin.
Autor:Online-Redaktion |

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