Porzellankirche begeht zehnjähriges Jubiläum
Wo einst Häftlinge beteten
- Lamellen aus Porzellan: Die Kapelle auf der Leuchtenburg bei Kahla ist am 8. Oktober 2016 eröffnet worden und steht seither für Gottesdienste und Veranstaltungen zur Verfügung.
- Foto: Alexander Schlotter
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Mit einem Festgottesdienst wird am 31. Oktober auf der Leuchtenburg in Seitenroda (Kirchenkreis Eisenberg) nicht nur der Reformationstag, sondern auch das zehnjährige Jubiläum der Einweihung der Porzellankirche gefeiert.
Von Constanze Alt
Den Gottesdienst hält Pfarrerin Elisabeth Wedding mit musikalischer Unterstützung von Kantorin Ina Köllner an der Orgel. Die Porzellankirche ist ein einzigartiges Gotteshaus, dessen besonderes Merkmal ein deckenhoher Lamellenvorhang aus matt-weißem Porzellan ist. Eröffnet wurde sie am 8. Oktober 2016. „Dass das Jubiläum auf den Tag genau mit dem Todestag unseres schmerzlich vermissten Wolfgang Fiedler vor einem Jahr zusammenfällt, ist krass“, sagt Ulrike Kaiser, Direktorin der Stiftung Leuchtenburg. Der in der Region tief verwurzelte Politiker war als ehrenamtlicher Vorsitzender des Kuratoriums bei der Stiftung Leuchtenburg maßgeblich an der Weiterentwicklung der Burganlage mit dem Projekt der Porzellanwelten beteiligt gewesen.
„Wir hatten gemeinsam die Idee gehabt, die Kirche als Porzellankirche einzurichten“, erklärt die Direktorin. Die Kirche hatte im 18. und 19. Jahrhundert als Gefängniskirche gedient. Damals war ein Teil der Burg als Zucht-, Armen- und Irrenhaus genutzt worden. Zum Gottesdienst waren die Insassen mit Ketten an den Beinen geführt worden.
Vor zehn Jahren hatte Michael J. Brown, ein Schüler des Star-Architekten Daniel Libeskind die Kapelle auf der Leuchtenburg zu einer neuen Attraktion in Thüringen werden lassen. „Brown hat die alte Burgkapelle mit seinen innovativen Ideen zur ersten Thüringer Porzellankirche gemacht“, unterstreicht die promovierte Historikerin und beschreibt die Besonderheit: „Der Lamellen-Vorhang aus technischem Porzellan reicht von der Decke bis zum Boden und sorgt für einen ganz besonderen Raumeffekt.“
Im vergangenen Jahrhundert war der Sakralbau überwiegend museal genutzt worden. Bis zur Auflösung des Zuchthauses auf der Leuchtenburg im Jahr 1871 waren von Montag bis Sonntag Gesänge, Gebete und Andachten in den Tagesablauf der Häftlinge integriert gewesen. Heute steht die Kapelle für Gottesdienste, Taufen, kirchliche Hochzeiten und als Raum der Besinnung zur Verfügung. „In den vergangenen zehn Jahren können wir auf hunderte Trauungen, eine Taufe und eine Trauerfeier zurückblicken“, so Ulrike Kaiser. Regelmäßig finden in der Porzellankirche Konzerte statt, Schüler der Kreismusikschule führen ihr Orgelspiel vor, zudem erklingt jeden Sonntag um 14 Uhr die Orgel.
„Für Wolfgang Fiedler haben wir bei der Porzellanmanufaktur in Reichenbach einen Gedenkstein in Auftrag gegeben. Ein weiterer ist Jürgen Adolph Elvers gewidmet, der im 18. Jahrhundert auf der Leuchtenburg Zuchthausdirektor gewesen ist. Ihm waren Seelsorge und Menschlichkeit wichtig“, sagt die Direktorin. Hierfür konnte der Künstler Alim Pasht-Han gewonnen werden. Beide Gedenksteine sollen in Kürze an der Porzellankirche angebracht werden.
Autor:Online-Redaktion |

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