Wort zur Woche
Ohne Getöse – über die Wirkung von leisen Tönen
- hochgeladen von Online-Redaktion
Wochenspruch: Heile du mich, Herr,
so werde ich heil; hilf du mir,
so ist mir geholfen. Jeremia 17, Vers 14
Die Bilder gingen um die Welt: Papst Leo XIV. besucht am Wallfahrtsort Lourdes kranke und pflegende Menschen. Tausende sind versammelt. Ihre Leiden schreien zum Himmel. Ihre Sehnsucht erfüllt Herzen und Gebete. Auch der Prophet Jeremia fleht zu Gott. Er leidet nicht an körperlichen Gebrechen. Seine Seele ist krank. „Wo ist denn des Herrn Wort?“, fragen ihn die Menschen. Juda ist im Kampf der Großmächte untergegangen, Jerusalem zerstört, viele wurden ins Exil verschleppt. Jeremia hatte gewarnt. Doch seine Botschaft stieß auf taube Ohren. Nun ist er am Ende seiner Kräfte. Der Verzweiflung nahe, wendet er sich an Gott: „Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“
Mitten in dunkler Zeit, in der Gott abwesend scheint, wagt Jeremia den Blick zu heben. Gegen den Augenschein erinnert er an die Grundfesten des Glaubens. Denn die Botschaft, dass Gott unser Leben heilt, begegnet nicht nur in biblischen Geschichten. Sie ist dem hebräischen Gottesnamen und dem Namen Jesu regelrecht eingeschrieben. Jeschua: Gott, der Herr, hilft und rettet.
Kann diese Hoffnung zu einer Erfahrung meines Lebens werden? Mir steht eine Zeichnung von Ernst Alt vor Augen. Sie zeigt den Heiligen Franz von Assisi auf einer Geige spielend. Ein genauer Blick offenbart: er hält kein gewöhnliches Instrument in den Händen, sondern Zweige eines Baumes. Den Kopf geneigt, die Augen geschlossen, lauscht er dem nach, was inmitten unseres zerbrechlichen Lebens hörbar wird.
Dieses aufmerksame Hören ist verlorengegangen. Wir sind von Lärm umgeben. Die Stimmen überschlagen sich. Der Eindruck entsteht, dass jeder den anderen zu übertönen versucht. Doch Heil und Heilung kommen nicht mit Getöse. Sie brechen dort hervor, wo wir den leisen Tönen lauschen und – wie Papst Leo in Lourdes – Gottes rettendem Wort Raum geben: in der Begegnung, im Gebet, in der Stille, mit einem Licht in der Dunkelheit.
Pfarrerin Esther-Maria Wedler,
Pfarrbereich Kerspleben
Autor:Online-Redaktion |

Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.