Predigttext
Mit leeren Taschen

Werner Biskupski, Pfarrer i. R., Leipzig
  • Werner Biskupski, Pfarrer i. R., Leipzig
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Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert.
Matthäus 10, Vers 10b Predigttext

In seiner kleinen Erzählung „Der Aufbruch“ schildert Franz Kafka, wie ein Reiter zu einer Reise aufbricht und sein Diener ihn anspricht: „Du hast keinen Essvorrat mit.“ Jener antwortet: „Ich brauche keinen. Die Reise ist so lang, dass ich verhungern muss, wenn ich auf dem Weg nichts bekomme. Kein Essvorrat kann mich retten.“ Diese etwas atemlose Pointe spricht Grundlegendes an, das auch für uns und unseren Glauben gilt: Es gibt letztlich keine Rückversicherung für die Lebensreise.
Den Jüngern sagt Jesus: „Ihr sollt weder Gold noch Silber … in euren Gürteln haben, auch nicht zwei Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken.“ Diese Anweisung bedeutet, dass sie völlig unabgesichert losgehen sollen. Man kann diese Art zu missionieren – und nichts anderes ist es ja – nicht eins zu eins auf das eigene Leben übertragen. Als Christ versuche ich, die frohe Botschaft im Alltag zu leben. Dabei ist es weder so, dass ich mit meinem Glauben immer sicher sein werde, noch ist es so, dass ich hundertprozentig wissen kann, dass Menschen für mich da sind, wenn ich sie brauche. Es ist ebenso eine Grundsehnsucht wie eine Grundverunsicherung, die mich mit anderen verbindet. Aber Jesus verspricht seinen Jüngern, dass sie unterwegs genug bekommen: „Ein Arbeiter ist seiner Speise wert.“ Das kann unterschiedlich verstanden werden. Einerseits klingt es danach, dass jener seinen Lohn von denen erhält, denen er Gutes tut oder verkündet, um sich das tägliche Brot finanzieren zu können. Aber genauso kann es dahingehend ausgelegt werden, dass Gott dafür sorgen wird, dass der Arbeiter unterwegs Speise findet, weil Gott weiß, was Menschen zum Leben brauchen. Wenn man die „Speise“ weiter fasst als das leibliche Wohl, dann weiß jede und jeder von uns, dass wir unbedingt mehr zum Leben brauchen: Verständnis, Verzeihung, ein Gegenüber, das uns ab und zu sagt, dass wir es gut machen und trotz aller Ecken und Kanten liebenswert sind. Darauf zu vertrauen, dass mir diese Dinge geschenkt werden, ist eine Herausforderung.
Ich denke hier an Zeiten einer inneren Krise oder einer schweren Erkrankung. Vielleicht gehört es zu den größten Herausforderungen des Lebens, sich auf einem vor mir liegenden schwierigen Weg im Glauben nur darauf zu verlassen, dass zur rechten Zeit jemand für mich da sein wird.
Werner Biskupski

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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