Wort zur Woche
Den Engeln die Türen öffnen

Foto: epd-bild/Heike Lyding
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So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2, Vers 19

Es ist früh am Sonntagmorgen, und ich laufe durch das Haus meiner Eltern. Schon seit vielen Jahren lebe ich hier nicht mehr. Bin nur noch manchmal zu Gast.

Christin Drexel

Und doch bin ich mehr. Ich habe immer noch einen Schlüssel. Kann kommen und gehen, wann ich will. Ich kenne die knarrende Diele im Flur, die Zeiten, in denen das Bad frei ist. Ich weiß, wo das Salz steht und wo die Schokolade versteckt ist. Ich bin auch nicht davon befreit, den Müll rauszubringen oder mal staubzusaugen. Und selbstverständlich packe ich auch im Garten mit an.

Genau das stelle ich mir vor, wenn Paulus schreibt: Ihr seid nicht länger Besucher in einem fremden Haus. Ihr gehört zum Haushalt – zur Familie Gottes – dazu.

Das zeigt sich vor allem in geteilten Gewohnheiten. In der Sonntagsruhe zum Beispiel. Sie erinnert uns daran, dass wir nicht nur für das Haus arbeiten, sondern auch in ihm leben dürfen. Der Sonntag ermöglicht uns, uns ganz auf Gott auszurichten, mit ihm Zeit zu verbringen, wenigstens einen Tag innezuhalten und das Leben zu feiern.

Das zeigt sich auch in den Dingen, die wir wie selbstverständlich benutzen, obwohl sie uns nicht gehören. Das gilt für die Erde, die wir bewohnen, ebenso wie für die Beziehungen, in denen wir stehen. Ein Hausgenosse, der sich rücksichtslos ausbreitet, zerstört genau das, was das Zusammenleben erst möglich macht: den gemeinsamen Lebensraum.

Und drittens zeigt sich das auch in der Gastfreundschaft. Paulus setzt seinen Satz bewusst als Bewegung: Ihr wart selbst einmal Fremde. Wer das vergisst, wird im eigenen Haus schnell hart gegenüber denen, die noch vor der Tür stehen. Wer sich hingegen erinnert und öffnet, der beherbergt manchmal, ohne es zu wissen, Engel (Hebräer 13, Vers 2).

Wir leben im Haus Gottes. Die Frage ist nicht, ob wir dazugehören. Die Frage ist vielmehr: Leben wir in dieser Gewissheit?

Die Autorin ist Pfarrerin in Niederroßla.

Foto: epd-bild/Heike Lyding
Christin Drexel | Foto: C. Drexel
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Online-Redaktion

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