Herzstück der Weimarer Klassik
Warum sich ein Besuch des Stadtschlosses lohnt
- Ahnengalerie: Die neue Dauerausstellung stellt das Schloss als politischen Ort der Weimarer Klassik sowie den Einfluss der hier wirkenden Personen vor.
- Foto: Klassik Stiftung/Thomas Müller
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Schönheit, Harmonie und Humanität sind die Ideale der Klassik, denen man sich in Weimar immer verpflichtet fühlte. Jetzt haben diese Werte wieder die passenden Räume im Stadtschloss. Die neue Ausstellung wird in Sälen präsentiert, die in diesem Sinne ausgestattet worden sind.
Von Doris Weilandt
Für die Klassik Stiftung glich ihre Wiederherstellung einer Herkulesaufgabe. Die Substanz der hofseitigen Außenmauern war durch Hausschwammbefall des Holzes schwer beschädigt. Die Ursache: Nach dem Schlossbrand 1774 war auf die Grundmauern ein Fachwerk errichtet und verputzt worden. Die Innendekorationen mussten abgenommen werden, um die Wände zu sanieren.
Zum klassischen Ensemble gehört das Treppenhaus, das der Berliner Architekt Heinrich Gentz als Inszenierung des Herrschaftsgedankens schuf. Der Aufstieg erfolgt zum Licht, in eine goldene Zeit. Das Leuchtende bestimmt auch den Festsaal, den Großherzog Carl August und seine Nachfolger für Empfänge nutzten. Die schmalen Galerien an den Seiten werden von ionischen Säulen getragen. Der Schmuck an den Wänden vermittelt Bildung und kulturelle Werte, denen sich das Weimarer Fürstenhaus zugehörig fühlte. Kurator Sebastian Dohe nennt die Mischung aus ägyptischem Elementen und antiken Friesen das „Amalgam von Hochkultur“.
Das ehemalige Speisezimmer der fürstlichen Familie dient jetzt als Empfang für die Besucher. In der Mitte des Raumes steht ein großer Tisch, an dem man 15 Fragen zur Klassik stellen kann, die laut beantwortet werden. An den Wänden finden sich Kopien von Bildern aus der Dresdner Gemäldegalerie, an der Decke wird antike römische Malerei aus der Villa Hadriana in Tivoli zitiert. Daneben das Gobelinzimmer: Die textilen Wandbespannungen, die man verloren glaubte, wurden wiedergefunden und restauriert. In Vitrinen werden ausgewählte Stücke der fürstlichen Kunstsammlung vorgestellt.
Porträts von Frauen des Weimarer Fürstenhofes sind in einem eigenen Saal vereint. Durch Heirat sind sie von bedeutenden Höfen in die kleine Stadt gekommen und haben ihr Bestes getan, Sachsen-Weimar-Eisenach in Europa bekannt zu machen. Anna Amalia hat durch geschickte Politik Dichter und Denker an sich gebunden und damit den Musenhof begründet, den Grundstein für die Weimarer Klassik.
Den passenden Namen „Ilm-Athen“ prägte Madame de Staël nach ihrem Besuch zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zarentochter Maria Pawlowna baute dieses Alleinstellungsmerkmal im „Silbernen Zeitalter“ aus, das vor allem Komponisten nach Weimar zog. Ihre Schwiegertochter Sophie stiftete schließlich das Goethe-Schiller-Archiv, das erste Literaturarchiv Deutschlands, das sich als Tempel über die Stadt erhebt.
Maria Pawlowna war es auch, die mit den Dichterzimmern das erste Denkmal für die Weimarer Klassik errichten ließ. Ein Modell in der Ausstellung verweist auf diesen Zusammenhang. Darin ist auch die Schlosskapelle zu sehen, für deren Restaurierung die Klassik Stiftung im September den Thüringer Denkmalschutzpreis erhielt. Sowohl die Kapelle als auch die Dichterzimmer können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Das Erdgeschoss des Ostflügels ist offener Bereich mit einem neuen Veranstaltungsraum, Ausstellungsmöglichkeiten und einem großen Besuchertresen, der sich in der sogenannten Passage befindet. Dieser lange Flur ist ein wiedererstandener Raum, den es in dieser Form noch nicht gab. Ab dem kommenden Jahr können Besucher von dort zur Sternbrücke direkt ins Freie treten. Von der früheren Schlosskirche, der Himmelsburg, die sich in diesem Bereich befand und in der Bach gewirkt hat, ist nichts erhalten geblieben. Sie brannte 1774 vollständig nieder.
Autor:Online-Redaktion |

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