Vor 100 Jahren wurde Sophie Scholl geboren
Unangepasst und taff

Zivilcourage in Bronze: die Büste von Sophie Scholl im Lichthof der Uni München
  • Zivilcourage in Bronze: die Büste von Sophie Scholl im Lichthof der Uni München
  • Foto: epd-bild/Michael McKee
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Sie ist eine der populärsten Persönlichkeiten des Widerstands gegen das NS-Regime und gilt als ein Vorbild für Zivilcourage.

Von Markus Springer

Ihre Büste steht in der Ruhmeshalle der Walhalla und in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in London: Vor 100 Jahren wurde Sophie Scholl im württembergischen Forchtenberg geboren. Die Studentin und ihre Mitstreiter der «Weißen Rose» hatten mit Flugblättern zum Kampf gegen die Nazis aufgerufen. Sophie Scholl und sechs weitere Mitglieder bezahlten dies mit dem Leben.

Wer aber war Sophie, der Mensch, das Mädchen hinter dem Mythos? «Eine feine Eigenwilligkeit, gepaart mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitsgefühl», schrieb ihr die vier Jahre ältere Schwester Inge zu. Wesentliches wurzelt wohl in der Familie: im Pazifismus der Eltern, in der pietistischen Frömmigkeit der Mutter. Die Familie Scholl stammt aus Hohenlohe, dem fränkisch geprägten Nordosten Württembergs. Sophie wurde am 9. Mai 1921 als viertes Kind von Lina und Robert Scholl in Forchtenberg geboren. Ihr Vater war dort seit 1919 Bürgermeister. Ihre Mutter war die Tochter eines Schuhmachers und Fabrik-Schichtmeisters aus Künzelsau. Das Lebensmotto der Pietistin war: «Es geht, wie Gott will.»

1932 zog die Familie Scholl nach Ulm. Robert Scholl eröffnete dort eine Kanzlei als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Anders als ihre Kinder, die – ganz dem Zeitgeist folgend – mit wehenden Fahnen sich zunächst vom Gemeinschaftsideal des Nationalsozialismus betören ließen, lehnten die Eltern Scholl den Faschismus ab. 1933 trat Hans dem «Jungvolk» bei und wird in kürzester Zeit Scharführer. Im Jahr 1934 machte es ihm Sophie Scholl beim Bund Deutscher Mädel als Jungmädelführerin nach.

Im Jungmädelbund wurden Sophie Scholl und Susanne Hirzel (1921–2012) Freundinnen. «Sie war wie ein feuriger wilder Junge und trug die dunkelbraunen glatten Haare im Herrenschnitt. Sie war lebhaft, keck und von einer göttlichen Schlamperei», erinnerte sich Hirzel 1946 in einem Schreiben an Ricarda Huch.

Am Ende ihres kurzen Lebens hetzten die Eltern nach Stadelheim. Zehn Minuten blieben ihnen, sich von ihren Kindern zu verabschieden. Robert Scholl umarmte Hans und Sophie im Besuchsraum über die Brüstung hinweg und sagte: «Ihr werdet in die Geschichte eingehen.» Sophie antwortete: «Das wird Wellen schlagen.» Ganz nahe seien sie sich gewesen, schreibt die Mutter später. Sie habe zu Sophie gesagt: «Aber gelt, Jesus.» Und Sophie habe geantwortet: «Ja, aber du auch.» Die Mutter schreibt nach Sophies Tod, ihre Tochter sei nun ganz bei Gott. Hans Scholl wurde 24 Jahre alt, Sophie starb mit 21.

 (epd)

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