Ministerialbibliothek mit seltenen Schenkungen
Selbst liest die Frau
- Die "Thornische Chronik" mit einer Widmung von Dorothea Magdalena Langguth
- Foto: Bibliothek desEv. Ministeriums/Constanze Schaller
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Was verbirgt sich hinter einem Namen, der in ein Buch geschrieben wurde? In der Bibliothek des Evangelischen Ministeriums im Augustinerkloster Erfurt kann er nicht nur die Herkunft von Büchern und einen Teil der Bibliotheksgeschichte offenbaren, sondern auch Hinweise auf bisher nicht erforschte Biografien geben.
Von Constanze Schaller
Viele der Privatpersonen, die seit der Bibliotheksgründung Mitte des 17. Jahrhunderts Bücher schenkten, verewigten sich mit ihrem Namen in denselben.
Dorothea Magdalena Langguth ist eine von ihnen und eine von sechs Frauen, die in über 150 Jahren seit Bibliotheksgründung Bücher schenkten. Am 26. Februar jährte sich ihr Geburtstag zum 350. Mal. Die Kirchenbücher, die in der Ministerialbibliothek einsehbar sind, verraten mehr über sie: Geboren 1676 in Kirchheim, heiratete sie 1710 Johann Rudolph Langguth, den Diakon der Erfurter Andreaskirche. Ihr einziges Kind kam 1711 zur Welt. Sie starb mit 67 und wurde in der Andreaskirche beigesetzt.
Auch bekannt ist eine Schenkung aus ihrem Besitz, datiert auf den 3. Mai 1730. Sie wählte ein zeitgenössisches Werk, das 1727 in Berlin gedruckt wurde. Die sogenannte „Thornische Chronik“ ist eine bekannte Stadtchronik des heutigen Toruń in Polen, die von Jakob Heinrich Zernecke (1672–1741) verfasst wurde und die Geschehnisse in der Stadt beschreibt.
Bemerkenswert ist, dass Dorothea Magdalena das Buch eigenständig, also ohne direkten Bezug auf ihren Mann, schenkte. Normalerweise wurden Schenkungen von Männern oder von Witwen zum Andenken an ihre verstorbenen Männer getätigt. So sind meist nur die Männer namentlich erwähnt. Dorothea Magdalena ist eine der wenigen Frauen, deren Namen in den Quellen existieren. Im Stifterbuch, in dem bedeutende Schenkungen des 17. und 18. Jahrhunderts dokumentiert wurden, ist die „Thornische Chronik“ verzeichnet. Dorothea Magdalena selbst verewigte sich außerdem im Buch mit Namenszug und Schenkungsdatum.
Herausragend ist dies, da ihre Schenkung ohne einen bestimmten Status und Bildungsgrad entweder nicht angenommen oder ins Stifterbuch aufgenommen worden wäre. Diese Schenkung zeigt, wie lohnend es ist, den Spuren in historischen Quellen zu folgen. Sie zeigen, dass es zu jeder Zeit möglich war, Traditionen zu durchbrechen und Gewohnheiten zu ändern.
Die Autorin ist Promovendin am Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt.
Autor:Online-Redaktion |
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