Blickwechsel
Seit 25 Jahren: Ein Stück Ägypten in Norddeutschland

Bischof Damian bei einem Gedenkgottesdienst für koptische Christen in Ägypten
  • Bischof Damian bei einem Gedenkgottesdienst für koptische Christen in Ägypten
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Von Benjamin Lassiwe

Auf dem Rasen vor dem alten Kloster in Brenkhausen bei Höxter sonnt sich eine gut genährte Katze. Freundlich winkend tritt Anba Damian aus der großen Pforte. Der Ägypter trägt ein langes schwarzes Mönchsgewand, dazu einen weißen Vollbart und auf dem Kopf eine Kappe mit zwölf koptischen Kreuzen. Auch um den Hals trägt er dieses Kreuz: Anba Damian ist Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland, einer Kirche, die sich auf den Evangelisten Markus zurückführt. Der Apostel soll im 1. Jahrhundert in Ägypten verstorben sein.
Im Zuge der Migration hat sich die Kirche inzwischen weltweit ausgebreitet, auch nach Deutschland. Hier leben rund 12 000 Kopten, berichtet Bischof Damian. Aus Ägypten stammende Unternehmer und Ärzte, Taxifahrer und Arbeiter. Für sie ist das Kloster in Höxter ein wichtiges Zentrum geworden.
Als die Kopten das dicht an der Landesgrenze zu Niedersachsen gelegene Gebäude vor 25 Jahren, 1993, für den symbolischen Preis von einer D-Mark von der Stadt Höxter übernahmen, war es weitgehend verfallen. Heute gibt es eine reichhaltig geschmückte und nach koptischer Tradition ausgemalte Kirche in dem Gebäude.
Gästezimmer und Ausstellungsräume fehlen ebenso wenig wie eine Klausur für die sieben Mönchspriester, die freilich nur selten alle im Kloster anwesend sind. Denn zusammen mit Damian betreuen sie die 18 koptischen Gemeinden im Nordbereich der Kirche, wozu auch Leipzig und Dresden gehören.
Damian, der vor seinem Eintritt in ein ägyptisches Kloster 1991 als Radiologe in Süddeutschland tätig war, spricht hervorragend Deutsch. Und er hat die Bedeutung der Ökumene für die Kirchen erkannt. Das machte ihn zum gefragten Gesprächspartner. Vor allem aber ist der Theologe im Moment mit der Situation seiner nach Deutschland geflüchteten Landsleute beschäftigt. Denn in den letzten Jahren seien rund 6 000 koptische Christen neu nach Deutschland gekommen. Anlass dafür waren die zahlreichen Anschläge und Attentate auf Christen in Ägypten. »Sie hoffen nun auf Stabilität und eine Verbesserung ihres Status – denn mittlerweile besuchen die Kinder Kindergärten, Schulen und Universitäten in Deutschland«, sagt Damian. »Da möchte man schon wissen, ob man irgendwann mit einer gewissen Stabilität rechnen kann und einen Aufenthaltstitel erhält.«
Die Kirche ist für diese Leute eine zweite Heimat. »Sie gibt ihnen Halt, Zuwendung, Seelsorge und Beratung«, so Damian. Man gebe Hilfe beim Lernen der deutschen Sprache ebenso wie bei Übersetzungsdiensten, bei der Begleitung zu Gerichten, zum Arzt oder den Behörden. »Die Zahl und Intensität der Anrufe, die deswegen auch bei mir eingehen, übertrifft jede Vorstellung«, bekundet der Bischof.
Darüber hinaus hofft die koptische Kirche endlich auf die Anerkennung als »Körperschaft des öffentlichen Rechts« in Deutschland: Während Sondergemeinschaften, wie etwa die Zeugen Jehovas, diesen Status mittlerweile haben, schmort die Anerkennung der Kopten auf einem Schreibtisch in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. »Wir würden uns freuen, wenn man der koptischen Kirche nach all den Jahren und all den Aktivitäten diese Anerkennung gibt«, erklärt Bischof Damian.

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Online-Redaktion aus Weimar

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