Erste Frau an der Spitze der Kirche von England
Sarah Mullally in Amt eingeführt

Foto:  epd-bild/Christian Ditsch

Historischer Gottesdienst: Sarah Mullally ist seit Mittwoch offiziell die erste Frau an der Spitze der Kirche von England und damit geistliches Oberhaupt der anglikanischen Weltgemeinschaft.

Frankfurt a.M./Canterbury (epd). Sarah Mullally ist am Mittwoch offiziell als Erzbischöfin von Canterbury eingeführt worden. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt. An dem Festgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury mit rund 2.000 Gästen nahmen Prinz William und seine Frau, Prinzessin Kate, für die königliche Familie teil. Der britische Premierminister Keir Starmer repräsentierte die Regierung.

Vertreten waren zudem Geistliche aus der weltweiten Ökumene. Mullally ist jetzt die ranghöchste Bischöfin der Kirche von England und gilt als Erste unter Gleichen in der weltweiten Anglikanischen Gemeinschaft, zu der rund 90 Millionen Christen gezählt werden.

Mullally war seit 2018 Bischöfin von London. Die Diözese London verbindet eine langjährige Partnerschaft mit der evangelischen Landeskirche in Berlin. Bischof Christian Stäblein, der laut Mitteilung am Gottesdienst teilnahm, erklärte: «In einer krisengeprägten, herausfordernden Zeit hat die anglikanische Kirche eine kluge und besonnene Visionärin, behutsame Reformerin und treue Verkündigerin zu diesem besonderen Bischofsamt der anglikanischen Kirche bestellt.»

Mullally trete das Amt in einer schwierigen Zeit für ihre Kirche an, schrieb die britische Zeitung «The Guardian» (Mittwoch). Sie übernehme eine Institution, die mit Versäumnissen beim Kinderschutz, internen Spaltungen und Fragen nach ihrem Platz im modernen britischen öffentlichen Leben zu kämpfen habe. Aus konservativen anglikanischen Kreisen - vor allem aus Afrika - gibt es theologische und kirchenpolitische Kritik an Mullally, weniger an ihrer Person.

Die Geistliche, die an diesem Donnerstag 64 Jahre alt wird, wurde bereits im Januar zur Erzbischöfin ernannt. Vor ihrer Ordination im Jahr 2001 war sie oberste Pflegeverantwortliche im Gesundheitsministerium. Sie folgt Justin Welby. Dieser war im Zusammenhang mit einem Missbrauchsskandal und Versäumnissen bei der Aufklärung zurückgetreten. Mullally erklärte, sie wolle für eine Kirche eintreten, die stets ein offenes Ohr für Menschen am Rand der Gesellschaft hat. Ausdrücklich erwähnte sie Betroffene von Missbrauch in der Kirche.

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Online-Redaktion

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