Unterstützung für wohnungslose Frauen
Mehr als ein Bett für die Nacht

Die Einrichtung in der Erfurter Salinenstraße bietet Platz für 33 Frauen. | Foto: Paul-Phillipp Braun
  • Die Einrichtung in der Erfurter Salinenstraße bietet Platz für 33 Frauen.
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Seit drei Jahren ist Brigitte, die eigentlich anders heißt, wohnungslos. Im Wohnheim für obdachlose Frauen der Stadtmission Erfurt im Norden der Stadt hat sie Unterkunft gefunden.

Von Paul-Philipp Braun

Die 62-Jährige ist eine von 15 Frauen, die sich im Veranstaltungsraum des Vereins "Traumraum" eingefunden haben, unter ihnen sind auch zwei Frauen aus der Kirchengemeinde Erfurt-Südost.
Sie waren dem Aufruf ihrer Pfarrerin Susanne Sydow gefolgt, Päckchen für die Frauen der Einrichtung zu sammeln. Gefüllt sind sie mit dicken Strümpfen, Handcreme, Schokolade. „Ich habe einfach überlegt, worüber ich mich freuen würde, und dann zum Packen aufgerufen“, sagt Sydow.

17 Frauen sind es, die an diesem Tag und in der folgenden Nacht Schutz vor der Kälte suchen. Sylvia Voigt kennt ihre Schicksale. „Sie haben im Leben einiges durchgemacht, viele haben psychische Probleme, und auch Drogen spielen in vielen Geschichten eine Rolle“, sagt Voigt, die als Bereichsleiterin der Stadtmission das Wohnheim für Frauen und das Haus Zuflucht, das Gegenstück für Männer, verantwortet.

Die Jüngste der Anwesenden an diesem Tag ist 18 Jahre alt, die älteste Bewohnerin der Unterkunft 84. "Wir haben hier vom Akademiker bis zum Schulabbrecher alle möglichen persönlichen Hintergründe", sagt Voigt. Es gehe darum, den Frauen Sicherheit zu bieten und zugleich Angebote zu machen. „Das geht damit los, dass wir uns damit beschäftigen, wie man mit Geld umgeht, und endet bei der gezielten Kommunikation mit Ämtern und Behörden.“

Insgesamt habe die Zahl derer, die auf Unterstützung durch Einrichtungen wie die Obdachlosenhilfe der Stadtmission angewiesen sind, in den vergangenen Jahren zugenommen. Wirtschaftlichen Druck, die chronische Unterversorgung der Region mit psychologischen Unterstützungsangeboten und den angespannten Wohnungsmarkt nennt Voigt als Auslöser.

Auch Brigitte findet derzeit keine Wohnung. Etwas mehr als 900 Euro Erwerbsunfähigkeitsrente bekommt sie. Während der DDR hat sie im Kombinat Mikroelektronik als Schreibkraft gearbeitet, sich danach mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen und ihre kleine Wohnung behalten – bis es nicht mehr ging. Nun wohnt sie in einem WG-Zimmer der Obdachlosenunterkunft. Finanziert wird das Zimmer als Transferleistung durch die Sozialhilfeträger. Stadtweit gilt für die Miete eines solchen Herbergsbetts ein Satz von etwas mehr als 300 Euro. Durch den Betrag und durch Spenden finanzieren sich die Einrichtungen.

Für Sydow, die im Ruhestand als Seelsorgerin für Teilbereiche der Stadtmission arbeitet, ein Unding: „Wir haben bald amerikanische Verhältnisse", kritisiert sie. "Immer mehr wird staatlicherseits zusammengestrichen und gespart. Das kann nicht funktionieren.“ epd Immer mehr wird staatlicherseits zusammengestrichen. Das kann nicht funktionieren.

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Paul-Philipp Braun

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