Apolda: Kunsthaus zeigt Ida Kerkovius
Alle Farben

Ich lebe ganz in und aus der Farbe«, soll Ida Kerkovius einmal gesagt haben. Mit mehr als 70 Aquarellen, Kohlezeichnungen, Pastellen sowie Ölgemälden aus den Jahren 1908 bis 1970 zeigt das Kunsthaus Apolda Avantgarde derzeit einen Querschnitt durch das Schaffen der Künstlerin. Damit beleuchtet die Ausstellung als eine der ersten im Jubiläumsjahr die Geschichte des Bauhauses aus einer weiblichen Perspektive.
1879 wurde Ida Kerkovius als viertes von zwölf Kindern in eine deutschbaltische Gutsbesitzer- und Kaufmannsfamilie in Riga geboren. Als sie 1920 an das Bauhaus kam, hatte sie bereits ein Diplom an einer privaten Kunstschule abgelegt und als Assistentin von Adolf Hölzel, einem der Wegbereiter der Moderne, im eigenen Atelier unter anderem den späteren Bauhaus-Lehrer Johannes Itten unterrichtet. In Weimar gehörte Kerkovius mit 41 Jahren zu den ältesten Studentinnen. Kerkovius’ Zeit an der Kunstschule, so scheint es, war nur eine von vielen Stationen auf dem Weg einer lebenslang Lernenden. Studien bei Wassily Kandinsky und Paul Klee gaben Kerkovius wichtige Impulse für ihre eigene Formsprache und Farbgestaltung, die ausdrucksstark und farbgewaltig ist. Das Webhandwerk, das die Künstlerin in Weimar erlernte, sollte ihr in den folgenden Jahren ein Auskommen sichern. Zudem verschaffte ihr das textile Arbeiten mit dem Entwerfen von Teppich- und Kissenmustern ein eigenes Verständnis von Abstraktion, das sie auch in ihre Bilder einfließen ließ.
Die Modeströmungen der Zeit dienten Kerkovius gerade als Inspiration, gänzlich beeindrucken ließ sie sich davon nicht. Die freie Handhabung des Motivs, das zeigt die Schau in Apolda beispielhaft, war ihr ein Primat, der sich wie ein roter Faden durch ihr Schaffen zieht. Sowohl die in den 1930er-Jahren entstandenen Stadtansichten, als auch die späteren Landschaftsbilder, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind, lassen das erkennen. Das Bekannte, das Erwartbare zerlegte Kerkovius, setzte es neu zusammen, verkürzte, vereinfachte und rückte scheinbar Nebensächliches in den Mittelpunkt. Diese gestalterische Grundhaltung – in expressiven Farben und kubistisch anmutenden Formen – setzte sich in ihren Entwürfen für Glasfenster, die sie in den 1950er-Jahren gestaltete und auch in den Stilleben, die in 1960er-Jahren entstanden, fort.
Um die Frau, die 1954 das Bundesverdienstkreuz erhielt und deren Schaffenskraft bis ins hohe Alter ungebrochen blieb, wurde es nach ihrem Tod 1970 still. Eine Wiederentdeckung in Apolda ist mehr als lohnenswert.
Beatrix Heinrichs

»Sie ist ganz Kunst« ist noch bis zum 31. März im Kunsthaus Avantgarde in Apolda zu sehen.

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Online-Redaktion aus Weimar

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