Brüsewitz-Biografie
Kontroversen werden ausgeklammert
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Wenige Monate vor dem 50. Jahrestag der Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz ist das Buch „Das Fanal“ in einer dritten, erweiterten Auflage erschienen. Die Verfasser Wolfgang Stock und Helmut Müller-Enbergs weisen darauf hin, dass ihre „Untersuchung in der seither oft polarisierten Diskussion selbst zu einem historischen Dokument geworden“ ist.
Von Christian Fuhrmann
So sind die ersten acht Kapitel im Vergleich zur zweiten Auflage von 1999 unverändert geblieben. Die Verfasser kommen zu dem Ergebnis, dass die damalige Kirchenleitung sich nicht mit Brüsewitz solidarisch verhielt und dem Druck des Staates nachgegeben habe. Brüsewitz sollte gegen seinen Willen versetzt werden. Zu dieser Sicht gab es insbesondere zu Beginn der 90er-Jahre Gegendarstellungen und polarisierte Debatten.
Für die neue Auflage nun wurde weiteres Material aus dem landeskirchlichen Archiv gesichtet. Ebenso konnten Polizeiakten eingesehen werden. Die Verfasser stellen fest: Die Archivmaterialien korrigieren die „damaligen Analysen nicht, sie erhärten und untermauern sie“. Das 1999 enthaltene Nachwort des Kirchenhistorikers Gerhard Besier findet sich in der Neuauflage nicht.
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Das neunte Kapitel „Nachwirkungen (1990–2016)“ berichtet über Tagungen, die Errichtung der Gedenkstele in Zeitz, Ausstellungen, den Film „Der Störenfried“ und von Buchveröffentlichungen. Es geht auch auf Aspekte der Dissertationen von Karsten Krampitz und Sabine Stach aus dem Jahr 2016 ein. Hier stellt sich die Frage, warum die Verfasser nicht auf die inhaltlichen Knackpunkte der früheren Debatten eingehen. Diese hatten zu einer Polarisierung in Gegendarstellungen geführt. Ist es zu viel der Hoffnung, dass ein halbes Jahrhundert nach dem tragischen Ereignis trotz weiter bestehender Kontroversen eine konstruktive Debatte gelingen kann? Im Hinblick auf den Vorwurf, die EKKPS und die EKM hätten mit vorgeschobenen Argumenten die Einsicht in die Personalakte von Oskar Brüsewitz lange verhindert, sollte im Interesse einer gelingenden Aufarbeitung gesprochen werden.
Im Vergleich zur zweiten Auflage ist der Dokumententeil erheblich erweitert. Es werden 61 Archivstücke aus verschiedenen Archivbeständen abgedruckt. Das ermöglicht, die Ausführungen der Verfasser besser nachzuvollziehen und zu beurteilen. Das zehnte Kapitel mit der Auswertung des neu gewonnenen Archivmaterials soll „den Einblick in das Leben von Oskar Brüsewitz“ erweitern.
Der Gang in die Archive führt nicht zum Ereignis zurück. Das Ereignis ist vergangen. Unser Gang ist ein Weg der Annäherung. Diese Annäherung ist bei aller Kompetenz und Sachlichkeit durch unser je eigenes Leben bestimmt. Bei Offenheit für neue Einsichten und Bereitschaft zum Hören kann dieser Weg eine Perspektive für bessere Verständigung eröffnen.
Tipp
Salongespräch "Freiheitsgeist oder ,Störenfried‘? 50 Jahre Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz", 29. September, 19 Uhr, Ev. Erwachsenenbildung Magdeburg
Müller-Enbergs, Helmut und Stock, Wolfgang: Das Fanal. Das Opfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz am 18. Au-gust 1976 und die evangelische Kirche. 3. erweiterte Auflage, BoD, 49,99 Euro, ISBN 978-3-695-70064-6
Bezug über den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung: Tel. (0 36 43) 24 61 61
Autor:Online-Redaktion |

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