Wittenberg - Glaube und Alltag

Beiträge zur Rubrik Glaube und Alltag

Karfreitagszauber
der Nagel

Als er nun den Essig zu sich genommen hatte, konnte er mit einem Mal die Stimmen der Dinge verstehen. Zu hören vermochte er sowieso schon immer mehr als die Anderen. Er kannte sich mit den Liedern der Vögel aus, mit den Gesängen der Kinder und dem Lachen der Frauen. Mit ihrem Weinen und mit dem Schweigen der Männer. Aber dass nun auch die Dinge sprachen, das war neu. „Ein Gott“ dachte er sich mit letzter Kraft „lernt eben immer noch dazu, wenn er Mensch ist!“
Den er da mit metallener Stimme...

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  • 10.04.20
  • 25× gelesen
ROSA CANINA - die gemeine Rose
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Apothekerevangelium (Teil 19)
Karfreitag

Endlich, endlich! Am neununddreißigsten Tag nach seiner Auferstehung erreichten wir um die neunte Stunde in dem Ort Queriot das Haus der Batjah, des Weibes jenes Heuchlers, welcher seinen und unseren Lehrer, den von allen geliebten Meister, an die unseligen Feinde des Evangeliums verraten hatte. Und siehe, um das Haus seiner Frau war eine Hecke von Wildrosen gewachsen, die blühten alle und dufteten. Der Wind trieb uns den Wohlgeruch zu. Sie selbst aber pflückte von diesen Blumen und legte, wie...

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  • 09.04.20
  • 118× gelesen
LONICERA CAPRIFOLIUM - das Gartengeißblatt

Apothekerevangelium (Teil 18)
von der Traurigkeit

VON DER TRAURIGKEIT Als wir miteinander auf dem Wege waren, trafen wir einen, der hatte dünne Arme und Beine, so dass uns allen jämmerlich zu Mute wurde. Der Mann schien unter irgendeiner Last zusammenbrechen zu wollen. Petrus sagte zum Meister: „Meister, wie wäre diesem da zu helfen?“ Der Meister antwortete und sprach: „Wo Hilfe ist, da ist auch wahrlich Not! Wo Not ist aber, verbirgt sich Hilfe.“ Da es um die Mittag war, luden wir den Dünnbeinigen ein, mit uns zu essen. Und wir reichten...

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  • 09.04.20
  • 71× gelesen
FAGUS SYLVATICA - die Rotbuche

Apothekerevangelium (Teil 17)
von unbedachtem Zorn

Seit Tagen schon folgten uns herrenlose Hunde. Des von ihnen verursachten Lärms wegen beschlossen wir, die Nacht außerhalb des Dorffleckens zu verbringen. Wir wollten ungestört die Sterne am Himmel beobachten. So wanderten wir bei etlichen Stadien weit in das Land hinaus, doch die Hunde folgten uns nach; sie waren hungrig und hofften auf Happen. Da nahm unser Freund Jakobus einen derben Knüppel und begann, auf die Kreatur einzuschlagen; er fluchte dem Viehe und erregte sich über alle Maßen....

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  • 08.04.20
  • 111× gelesen
HELIANTHEMUM NUMMULARIUM - das Sonnenröslein

Apothekerevangelium (Teil 16)
der Traum des Andreas

Da wir zu spät an die Pforten der Herbergen geklopft hatten und die Türen sich uns deshalb nicht öffneten, mussten wir wieder einmal im Freien übernachten. Der Mond war noch nicht aufgegangen. Die Nachtigallen sangen betörend und viele aus unserem Kreis schliefen schlecht, mancher gar nicht, so wie Lazarus, der Immerwache. Andreas, der sich stundenlang hin und her gewälzt, mit den Zähnen geknirscht und im Schlafe gesprochen hatte, richtete sich am Morgen auf und dankte Gott für das Erscheinen...

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  • 07.04.20
  • 71× gelesen
AECCULUS HIPPOCASTANUM - die Rosskastanie

Apothekerevangelium (Teil 15)
von den Bienen lernen

Und siehe, wir gelangten nördlich des Berges bei Ir Ha Loeloth zu einem verborgenen Garten, in dem die Körbe eines Mannes standen. Jener hieß Aristarch und war bekannt als Bienenfreund. Die Kastanien trieben und es war ein großes Schwärmen. Wir konnten zusehen, wie die Bienen von den Knospen der Bäume einsammelten. Es war aber um die vierte Stunde am Tag, da tat Andreas seinen Mund auf und fragte den Meister: „Was sammeln sie denn, da noch keine Blüten vorhanden sind? Und was schleppen sie...

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  • 06.04.20
  • 55× gelesen
  •  1
SINAPIS ARVENSIS - der Ackersenf

Apothekerevangelium (Teil14)
Ackersenf

Am nächsten Tag kamen wir an ein Feld, auf dem Ackersenf blühte, golden breitete sich alles vor uns aus und es duftete nach Kraut und Honig. Philippus bat den Meister anzuhalten und um eine kurze Rast. Bald lagerten wir friedlich am Feldrain und sahen, wie die zahllosen Blütenköpfchen uns freundlich zunickten. Und als wir lagen, und als wir schauten, da verwandelte sich ein jegliches Ding. Und jeder von uns meinte, das alles schon irgendwann einmal irgendwo irgendwie erlebt zu haben. Und wir...

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  • 06.04.20
  • 116× gelesen
GENTIANA - der Enzian

Apothekerevangelium (Teil 13)
vom Tragen des Kreuzes

Nach allen diesen Dingen sagte er zu uns: „Ihr wisset, dass wir nach sieben Tagen das Haus dessen erreichen, der mich verraten wollte. Wir sind ausgezogen, sein Weib zu trösten. Nun Freunde, - was werden wir dort beginnen?“ Wir aber seufzten auf, denn wir hatten gehofft, er würde von seinem Vorsatz noch abweichen und seine Schritte in eine andere Richtung lenken. Nur deshalb waren wir ihm gefolgt. Er aber hielt Wort und wollte diese Frau von Angesicht zu Angesicht sehen. Wir verwunderten uns...

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  • 05.04.20
  • 101× gelesen
2 Bilder

Apothekerevangelium (Teil 12)
Der Sermon im Büchlein

Albrecht Molterich, der das Lazarusevangelium als späte Lügenschrift verdächtigende protestierende Emeritus aus Sachsen, kannte offenbar nicht den folgenden Sermon des Kirchenvaters Gregorios Thaumaturgos aus dem 3. Jahrhundert, der das Evangelium des Lazarus erwähnt. Wie schon im vorigen Beitrag Molterich zitiert worden ist, soll  mit dem Schüler des Origenes jetzt auch verfahren werden. Denn sein Sermon über das leere Grab erwähnt das Lazarusevangelium und ist in dem Apothekerbüchlein, von...

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  • 04.04.20
  • 94× gelesen
  •  1
Bäume

Apothekerevangelium (Teil 11)
der Brief im Büchlein

Nun - in dem Büchlein  des Apothekers Alexeios Garotman vom Altai findet sich auch ein Brief, den offenbar jemand aus tiefer Verachtung im Hinblick auf das Lazarus-Evangelium geschrieben hat, das hier in Auszügen bis Ostern Tag für Tag dargeboten werden wird. Dieser Brief  ist vorn im Umschlag eingelegt und gibt Auskunft darüber, dass das Lazarus-Evangelium hier und da wohl doch bekannt gewesen sein muss. Der Brief zeigt die entrüstete Reaktion eines emeritierten sächsischen Pastors.  EIN...

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  • 03.04.20
  • 22× gelesen
VITIS VINIFERA - die Weinrebe

Apothekerevangelium (Teil 10)
in vino veritas

Und man brachte einen zu ihm, den hatten wilde Tiere übel zugerichtet. „Mein Freund“, sagte der Meister, „wer hat dir solches angetan!“ Er aber antwortete: „Wilde Tiere haben mir aufgelauert und sind zur Nacht über mich hergefallen. Nur mit knapper Not konnte ich entkommen.“ Da fragte er ihn: „Und wem wolltest du auflauern?“ Der Mann fühlte sich durchschaut und schämte sich. Unsrer Meister sagte zu ihm: „Stelle dich morgen bei Tag wieder an dieselbe Stelle, an der du gestern zur Nacht bereit...

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  • 01.04.20
  • 24× gelesen
LARIX LARIX - die Lärche

Apothekerevangelium (Teil 9)
Lärche - vom süßen Vergessen

Es geschah aber dieser Tage im Lärchenhain des Sohnes des Laricoidos, dass einer sich unserem Meister nahte, um ihn um etwas zu bitten. Und er gewährte es und sprach: „Sage an.“ Da jener aber vor ihn hintrat, hatte er plötzlich vergessen, was seine Bitte gewesen war. Da schämte er sich und rief: „Meister, gib, dass ich mich erinnern möchte an alles, was ich jemals vergaß.“ Der Meister aber sprach: „Mein Freund, willst du alles das, was war, noch einmal betrachten? Und willst du angesichts...

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  • 31.03.20
  • 20× gelesen
BRYONIA - der Stickwurz

Apothekerevangelium (Teil 8)
die Zaunrübe des Persers

Nun gingen wir an einem Garten vorüber. Darinnen saß vor seiner Hütte einer und bereitete Salben und Pulver. Lukas plagte seit Tagen ein schlimmer Husten, mit dem er die Reden des Meisters empfindlich störte. Wir spotteten seiner und rieten dem Gefährten, jenen Kräuterheiden um Rat anzugehen. So durchquerten wir das Pförtchen und gelangten zu ihm. Lukas hustete und krümmte sich unter seinen Anfällen. Der Mann offenbarte sich uns - er war Perser aus Trapezunt und wusste um böse und gute Arznei....

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  • 30.03.20
  • 97× gelesen
CLEMATIS VITALBA - die Waldrebe

Apothekerevangelium (Teil 7)
Waldrebe

Die Nacht begann hereinzubrechen und die Sterne gingen funkelnd aus ihren Kammern hervor. Da sprach Johannes: „Meister, lass uns das Nachtlager aufschlagen!“ Es war aber weit und breit kein Dorf in der Nähe. Johannes war müde und fuhr fort zu bitten. Er sagte: „Seht, dort ist ein verschwiegenes Gebüsch, über und über mit weißen Blüten berankt, lass uns hier zur Ruhe kommen.“ Während wir noch unschlüssig waren und miteinander beratschlagten, warf unser Gefährte sich nieder und schlief ein. Da...

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  • 29.03.20
  • 28× gelesen
Canterbury

DRAUßEN VOR DEM TOR
Hebräerbrief 13,13-14

Hebräer 13,12 Darum hat auch Jesus, damit er durch sein eigenes Blut das Volk heilige, draußen vor dem Tor gelitten. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. (Predigttext 29.3.2020) Immer wenn es um Blut geht, geht es um alles … Deshalb unterschrieb der Mensch früher auch beim Teufel mit Blut. Womit Teufelspakte heutzutage unterschrieben werden, weiß ich nicht. Zur Zeit der...

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  • 28.03.20
  • 45× gelesen
AGRIMONIA EUPATORIA  - der Odermennig / Ackergeld

Apothekerevangelium (Teil 6)
Odermennig

VOM MASKENMACHER Als wir am anderen Tag aus dem Pappelhain traten, gelangten wir zu einer lichten Heide, auf der ein zweirädriger Karren stand. Ihn anzuschauen war eine Lust, denn er war bemalt mit allerlei bunten Farben. Der Meister fragte uns, ob wir wüssten, welche Bewandtnis es mit diesem Karren hätte. Weil wir es aber nicht wussten, befahl er uns hinzugehen und nachzuschauen. Er selbst aber setzte sich auf einen Baumstumpf, welcher nahe der Lichtung aufragte. Das geschah um die dritte...

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  • 28.03.20
  • 21× gelesen
POPULUS TREMULA - die Zitterpappel

das Apothekerevangelium (Teil 5)
Zitterpappel

Nachdem wir die Stadt Kana wieder verlassen hatten, gelangte unsere Schar an eine Stelle, wo es viele Bäume hatte. Die Einheimischen nennen sie Pappeln oder Aspen. Und es lachte Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sprach: „Meister, sieh nur, wie sie alle zittern. Wie oft wohl bebt eines dieser Laubblätter vom Frühling an gerechnet - bis hin zum Herbst, wenn es zu Boden fallen muss?“ Er aber antworte und sprach: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Hart ist es für das Herz und schwer für das Ohr,...

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  • 28.03.20
  • 30× gelesen
HOTTONIA PALUSTRIS - die Wasserfeder

Apotekerevangelium (Teil 4)
Wasserfeder

An diesem Tage waren wir lange miteinander unterwegs. Schließlich gelangten wir zu einem Weiher. Bartholomäus brach das Schweigen. Er wies uns auf jenes seltsame Gewässer hin, in dem sich jemand weit vom Ufer entfernt mitten im Wasser eine Hütte gebaut hatte. Nach Norden zeigte das einzige Fenster, zugleich war es die Tür zu dem einsamen Mann, dem das Haus gehörte und welcher Lieder vor sich hin brummte. Als wir uns neugierig näherten, schloss der Mann das Fenster der Hütte, so dass uns sein...

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  • 26.03.20
  • 101× gelesen
SALIX CAPREA - der Weidenbaum

Apothekerevangelium (Teil 3)
Bei den Salweiden

Anderntags zogen wir mit dem Meister flussabwärts und gelangten alsbald an einen Weidenhain. Hier befand sich einer jener Orte, welche von den Heiden als Eingang zur Unterwelt geschätzt werden. Dort, bei den im Unendlichen wurzelnden Bäumen, machte Petrus den Vorschlag: „Meister, lass herauffahren den Schatten des Achilles!“ Der Lehrer aber verweigerte ihm den Wunsch. Sogleich erscholl aus der Tiefe der Ruf des Achilles. Der Sohn der Thetis fluchte zu uns herauf. Da wandte sich der Sohn der...

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  • 25.03.20
  • 82× gelesen
... et fluvius egrediebatur de loco ... (Genesis 2,10)

Apothekerevangelium (Teil 2)
Am Gebirgsbach

Aleixos Garotman, der Apotheker aus dem fernen Asien, hatte mir bei den Gesprächen, die wir beide auf der Ziegelwiese vor der großen Wasserfontäne in der Stadt Halle führten, von dem Büchlein bereits einiges berichtet. Nun lag die Kostbarkeit in meiner eigenen Hand. Die Sprache war ein seltsam liturgisierendes Deutsch. Für jede Geschichte waren aus botanischen Atlanten offenbar Zeichnungen der jeweils in Frage kommenden Pflanze ausgeschnitten und eingeklebt worden. Ich kannte viele dieser...

  • Wittenberg
  • 25.03.20
  • 94× gelesen
IUGLANS REGIA - die Weide

Apothekerevangelium (Teil 1)
Walnuss

Vor etwa vierzig Jahren, ich war damals fröhlicher Student der Theologie in der alten Universitätsstadt Halle, machte ich bei einem Spaziergang auf der Ziegelwiese nahe der Peißnitzinsel die Bekanntschaft eines sonderbaren Mannes. Im Gegensatz zu mir war er bereits recht alt - und gebürtig in Gorno-Altaisk. Seine Vater stammte aus Aserbaidschan, seine Mutter war Russin aus dem Altai. Er selbst hatte vor dem großen Krieg in Moskau Pharmazie zu studieren begonnen. Die Wirren des Krieges hatten...

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  • 24.03.20
  • 119× gelesen
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Weizen

von dem Weizenkorn
Evangelium Lätare 2020

Gesang - von dem Weizenkorn (Joh 12,20ff) Viel Griechenvolk war auf das Fest gekommen - man hatte sagen hören von dem Christ. Und von der Lehre, welche, ausgesponnen, bedeutet, dass er Gott auf Erden ist. Philippus stammt aus Galiläas Auen und zählt zu Jesu Jüngern, wie ihr wisst. Den fragten sie zur Früh beim Morgengrauen: „Wir wollen Jesus gerne sehen, Herr.“ Philippus wird erst nach Andreas schauen - zu zweit verkünden sie dann  das Begehr. Der Meister Jesus hört’s und...

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  • 22.03.20
  • 35× gelesen
Gottfried Wilhelm Leibniz

„How dare the almighty“
Die Theodizee in Zeiten der Corona-Seuche

Eines der Erzgeschwüre am verklärten Lichtleib der Theologie ist wieder aufgebrochen. Ohnehin in all den zurückliegenden Jahrhunderten nur notdürftig unter bemalten Pflastern und kunstvoll gewickelten Binden verborgen, schwärt und suppt es jetzt durch alle Suspensorien unübersehbar hindurch. Ich meine die alte Theodizeefrage, wie Gott das zulassen kann. How dare the almigthy! Das Schlimme, das Böse, das Unerwartete. Corona, die fatale Seuche. Lasst es uns also noch einmal versuchen. Was Leibniz...

  • Wittenberg
  • 21.03.20
  • 341× gelesen

Die Hoffnung ist nicht totzukriegen

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. 1. Petrus 1, Vers 3 Von Pfarrerin Kathrin Oxen, Zentrum für Ev. Predigtkultur in Wittenberg Manchmal möchte man die Hoffnung umbringen. Denn nur wenn sie wirklich tot und begraben ist, kann doch etwas Neues beginnen. Sagen manche. Das haben sie auch zu den Frauen gesagt, die Ostern zum Grab...

  • Wittenberg
  • 06.04.18
  • 9× gelesen

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