vom Geheimnis in der Asche
ZUM ASCHERMITTWOCH

IN EINEM ALCHIMISTISCHEN LAB-ORATORIUM

Was ist Asche? Während ich diese Frage niederschreibe, höre ich Jupp Schmitz: „Am Aschermittwoch / Ist alles vorbei / Die Schwüre von Treue / Sie brechen entzwei”. Asche zu Asche, Staub zum Staube. An diesem Mittwoch zeichnen wir in den Kirchen mit Asche ein Kreuz auf unsere Stirnen. Asche der verbrannten Zweige vom vorjährigen Palmsonntag. Jeder hat schon einmal Erlebnisse mit der Asche gehabt ... Nannten wir die NVA-Zeit in der DDR nicht ebenfalls „Asche”? Bei der Asche habe ich mich 1977 entschieden, meinen Studienplatz für Synthesechemie in Merseburg gegen das Studium der Evangelischen Theologie einzutauschen. Ich stand Wache zwischen einem Kohle- und einem Aschehaufen. Die Kohle heizte die Kaserne, der Aschehaufens war entsprechend groß. Über beiden funkelte im sächsischen Frankenberg das Feuer des Sternenhimmels. Asche gegen Gold.

Die Faszination chemischen Substanzen gegenüber hat nie nachgelassen: Metalle, Kristalle und deren Asche als letztes Stadium stofflicher Metamorphosen sind Geheimzeichen für die Schicksale des menschlichen Lebens geworden. Die Veraschung (Calcinatio) führt aufwärts bis zum Zustand der Rötung (Rubedo). Veraschung und Rötung - zwei wichtige Stufen innerhalb des lang währenden Opus’ Magnum der Alchemisten. Diese bemerkenswerten Leute mühten sich, aus Dreck Gold zu machen - um die Torheit in Weisheit zu verwandeln. Die lange Mühe in der und um die Asche - sie bleibt unerlässlich. Veraschung, eine analytische Methode in der Chemie: Oxydation organischer Stoffe lässt bei Hitze nur das Anorganische zurück. Das Organische dagegen entweicht. Der Analytiker wiegt dann ganz sorgsam das, was noch übrig geblieben ist. Was nicht mehr vorhanden ist und was man nicht mehr hat (Gewichtsverlust), das ist flüchtig geworden und frei gekommen. Im Lied: „Ich bin Fleisch und muss daher / auch einmal zu Asche werden; / das gesteh ich, doch wird er / mich erwecken aus der Erden” (EG 526,4) ist dieser Umstand tröstlich für unser Leben formuliert. Man muss es nur einmal gesungen haben, um es recht zu verstehen …

Autor:

Matthias Schollmeyer

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