Sonneberg - Glaube und Alltag

Beiträge zur Rubrik Glaube und Alltag

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Confessio Augustana
25. Juni 1530/2026

Auch die Kirchengeschichte kennt jene seltenen Stunden, die man den „Augenblick der Wahrheit“ nennt. Dieser Begriff stammt aus der Welt des spanischen Stierkampfs. Dort bezeichnet el momento de la verdad den Augenblick, in dem der Matador zum entscheidenden Stoß ansetzt. Alles Vorhergehende verliert seine Bedeutung; nun zeigt sich, ob das Ganze Bestand hat. Ernest Hemingway machte daraus ein Bild für jene Situationen, in denen Menschen und Institutionen über ihren innersten Grund Rechenschaft...

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Leben und Sterben
Die Begleiterin

Wenn es nicht so mühsam wäre, dann könnte man versuchen, eine lange Geschichte darüber zu schreiben, wie sich eine Sterbebegleiterin umschaute, ob sie nicht auf dieser Welt eine Freundschaft schließen könnte mit einem Menschen oder gar mehreren Menschen, die länger leben als - ja als wer eigentlich? Die Sterbebegleiterin, von der in einer solchen Novelle zu handeln wäre, müsste nicht nur schön sein. So würde man - jeder würde so sagen - sie müsste auch eine Lebe-Begleiterin sein. Hier der...

Fronleichnamsfest
VERGEGENWÄRTIGT

Fronleichnam ist auch für Leute da, die glauben, sie hätten mit Religion nichts am Hut. Es war einmal ein Mann, der jeden Morgen mit seinem Hund dieselbe Runde ging. Er war Ingenieur, ein vernünftiger Mensch. Er glaubte an Zahlen, an Brücken, an Heizungsanlagen und an die Steuererklärung. Mit Religion hatte er wenig zu schaffen. Gott war für ihn eine historische Randfigur, irgendwo angesiedelt zwischen den Pyramiden Ägyptens und den Ruinen des Römischen Reiches. Eines Morgens blieb der Hund...

Überlegungen zum trinitatisfest
Die Milch des Römers Valerius Maximus

Auch zwischen Pfingsten und Trinitatis liegt eine eigentümliche Zwischenzeit. Fast könnte man sagen: Ein wenig hält die Kirche für diese Tage fast den Atem an. Denn zu Pfingsten feierte sie das Kommen des Heiligen Geistes, und wird am Trinitatisfest zu begreifen versuchen, wer jener Gott eigentlich ist, der sich im ausgeschenkten Heiligen Geist mitteilt. Schon die Pfingstgeschichte selbst trägt etwas Geheimnisvolles in sich. Wir lesen dort bei Lukas: „Es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel...

23.5.1949 - das Grundgesetz
„FAST HEILIGE SCHRIFT“

Eine der bemerkenswerten Erscheinungen unserer geistigen Gegenwart ist, dass ausgerechnet jene Gesellschaften, die sich mit besonderem Nachdruck als säkular verstehen, unablässig auf der Suche nach Formen des Heiligen bleiben. Der moderne Mensch mag die Kathedralen verlassen haben; die Frage jedoch, worauf ein Gemeinwesen letztlich gegründet sei, verlässt ihn nicht. Denn kein Staat lebt von Verfahren allein. Keine Ordnung besteht dauerhaft aus bloßer Verwaltung. Wo Menschen zusammenleben,...

15. Mai - die Eisheilige
KALTE SOPHIE

Legende der heiligen Sophia von Rom Es war zur Zeit des Kaisers Diokletian, als der Boden vom Blute der Zeugen Christi dampfte und der Himmel seine Ohren vor dem Leid der frommen Märtyrer verschlossen zu haben schien. Da lebte in Rom eine Jungfrau namens Sophia, was soviel wie Weisheit bedeutet. Und diese Jungfrau war wahrhaftig weise - dazu noch keusch, glühend im Gebet und furchtlos. Das Herz hatte sie Christus verloben wollen und ihre Zunge war wahrer Worte kundig und schwieg nicht. Sophie...

CHRISTI HIMMELFAHRT
VOM WIRKLICHEN SEIN DES SCHEINS

Es gehört zu den eigentümlichsten Szenen des Neuen Testaments, dass die Jünger nach der Himmelfahrt Christi zunächst nichts anderes tun, als in den Himmel zu starren. Der Herr ist ihren Blicken entzogen worden, und nun stehen sie da, wie Menschen, denen plötzlich die Mitte der Welt abhanden gekommen ist. Das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte schildern diesen Augenblick mit auffallender Zartheit. Christus wird nicht einfach „weggenommen“, nicht wie ein Gegenstand aus dem Raum entfernt....

literarische Tickets
Höllenfahrt und Himmelsreisen

Wenn man die große Literatur der Höllen- und Himmelsfahrtsberichte betrachtet, dann bemerkt man etwas Eigentümliches: Die Menschheit hat die Schwelle zwischen Diesseits und Jenseits niemals bloß als unüberwindbare Grenze verstanden, sondern immer als eine dünne Membran. Man hörte Stimmen hindurch, sah Schatten, Lichtspalten, Feuerzungen, manchmal vernahm man ein fernes Echo. Und fast alle großen Kulturen haben versucht, diesen Übergangsbereich sprachlich abzutasten oder zu umkreisen. Es ist,...

Pfingstkirchen
in ecstasi …

Dieses Bild – gemeinhin bekannt als Tongues (Holy Rollers) von Archibald Motley – stellt den Betrachter in den Bereich einer eigentümlichen Spannung: eine Szene religiöser Ekstase, die zugleich von einer eigentümlichen Ordnung durchzogen ist. Nichts daran ist rein chaotisch, und doch scheint alles von einer Bewegung ergriffen, die sich nicht mehr in den Kategorien nüchterner Vernunft erschöpfen lässt. Man sieht eine Versammlung, die sich im Akt der Anrufung verliert. Die Körper sind gespannt,...

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Weinstock und Reben
Dionysos und Christus

Es gehört zu den interessanten Spannungen des Neuen Testaments, dass es seine tiefsten Wahrheiten nicht in abstrakten Begriffen, sondern in Bildern ausspricht, die viel älter sind als jede reflektierte Theologie und tiefer reichen als jede begriffliche Analyse. Wenn Christus sagt: „Ich bin der wahre Weinstock“ (Joh 15,1), dann spricht er in einer Sprache, die bereits lange vor ihm im religiösen Gedächtnis der Menschheit verankert gewesen ist. Der Weinstock ist kein zufälliges Bild; er gehört zu...

OSTERMONTAG
EMMAUS (LUKAS 24)

Von Emmaus nach Jerusalem eilen zwei Jünger, heilig beschwingt und hellwach. Sie wollten zu Hause nicht länger verweilen - und traten hinaus, wo das weite Gemach der Nacht und die Sterne uns treulich geleiten hoch über an dunkelblau himmlischem Dach. --- Drei Tage zurück liegt Sterben und Leiden. Gekreuzigt ward Jesus, der göttliche Sohn. Der Freund. Der Heiler. Erlöser der Heiden, es hieß, er könne beenden die Fron. Verzweifelt war man nach Hause gezogen, den Himmel verloren. Als Lohn blieb...

ZUR DISKUSSION GESTELLT
BROT & WEIN

zur Gestalt der Eucharistie und der real existierend sakramentalen Wirklichkeit In manchen Gemeinden - besonders den kleineren auf dem Lande - hat sich seit einiger Zeit eine Praxis herausbilden können, die auf den ersten Blick nur schlicht und funktional zu sein scheint, bei näherem Hinsehen jedoch eine eigentümliche Dichte gewinnt und der eucharistischen Unterernährung protestantischer Gottesdienstfeiern - was deren Frequenz angeht - etwas entgegenzusetzen beginnt. Es handelt sich dabei um...

Exodus Kapitel 12
Blut und Plan

Es ist immer wieder dasselbe mit diesem Text von der ZEHNTEN PLAGE. Jedes Jahr - immer wieder dieses unerträgliche Schauspiel, dass man uns einen allmächtigen Gott vorsetzt - und im selben Atemzug einen Gott, der offenbar nicht einmal imstande ist, die Häuser auseinanderzuhalten, ohne dass man ihm Blutspuren an die Tür schmiert, als handle es sich um einen schlecht instruierten Nachtwächter und nicht um den Herrn der Welt, der, wie es heißt, mit einem einzigen Willensakt Leben geben und nehmen...

ADIEU
Abschied und Musik

Es gibt einen Punkt, an dem zwei scheinbar ungleiche Texte sich einander zuzuneigen beginnen. Als erstes das geistliche Bekenntnis in der Arie 65 aus der Matthäuspassion und zweitens ein salonhaftes Abschiedslied. Beide sind sauber getrennt durch Rang, Form und Anspruch. Aber unter „musikalischer Einwirkung“ nähern sie sich uns ähnlich. Man müsste nur genauer hinhören wollen - und das eigene Empfinden ernst nehmen. Die Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ aus der Matthäus-Passion, komponiert von...

Losung als Lösung
Graf von Zinzendorf

Eine der eigentümlichsten Einsichten geistlicher Geschichte besteht wohl darin, dass ihre produktivsten Formen nicht aus Überfluss entstanden, sondern aus Verlegenheit. Der Augenblick, in dem einem nichts mehr einfällt, ist kein Defekt, sondern eine Öffnung. Genau hier beginnt das Experiment, das man später „Herrnhuter Losungen“ nennen wird, und es ist kein Zufall, dass sein Urheber, Nikolaus Ludwig Graf Zinzendorf, vielleicht weniger als genialer Erfinder denn als erschöpfter Seelsorger...

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SONNTAG JUDIKA
GENESIS 22 - AUF DEM BERGE

GEDANKEN ZU GOTT, ABRAHAM, ISAAK UND ZU DEM ENGEL DES HERRN AUF DEM BERGE MORIA 1. Es gehört zu den eigentümlichen Spannungen der biblischen Überlieferung, dass sie mit dem Religiösen nichts beruhigt, sondern alles zuspitzt (Genesis 22) 2. Wo der Mensch sich dem Göttlichen nähert, dort wächst nicht nur Klarheit darüber, dass es die Welt des Göttlichen irgendwie gibt, sondern auch die Gefahr wächst, vor ihr zu vergehen. 3. Das hebräische Wort für Opfer (קָרְבָּן - korban), aus der Wurzel KaRaB –...

Hand des Johannes mit dem "Gift"-Kelch
(ehemals Hofkirche Hildburghausen - jetzt in der Apostelkirche)
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Sanctus Iohannes Evangelista
In der Apostelkirche zu Hildburghausen

Die Stadt Ephesus lag an jenem Morgen unter einem Licht, das mit seinem matten Schimmer alles in Bronze zu verwandeln schien. Die Säulen des Artemistempels ragten schweigend gen Himmel, und zwischen ihnen bewegten sich die Priester mit jener würdevollen Langsamkeit, die ein wenig Theaterhaftes an sich hat. Und so muss es ja auch sein. Johannes aber, der alte Jünger Jesu mit dem jugendlichen Gesicht, stand vor diesen Heiden, als hätte er die Zeit selbst bereits hinter sich gelassen. Man hatte...

Okuli - da kommen sie!
Wer die Hand an den Pflug legt ...

Und als sie wieder auf dem Wege waren, gelobte Folgschaft einer - lebenslang. Ihm wehrte ab der Meister sein Gebaren und sprach: „Wie oft schon hörte ich Gesang von treuer Jünger minnefestem Glauben - mir wurde davon übel, angst und bang. Ich muss euch alle Illusionen rauben: Was Füchsen Höhlen sind und Vögeln Nest - dem Menschensohne niemand wird erlauben ein Plätzchen, wo das Haupt er ruhen lässt!“ Doch einen andern wollte er betören: „Sei du Gefährte mir auf meiner Quest!“ Der aber ließ als...

DE AMBULACRO - VON DEM SPAZIERGANG
Hölderlin zu Genesis 3,8

In bereits fortgeschrittenerem Alter wollte einer meiner Freunde nun doch noch promovieren. Kulturwissenschaften … Thema: "Der gesellschaftliche Stellenwert des bürgerlichen Spaziergangs in der Zeit vom Wiener Kongress bis zur Revolution 1848". Metternichs Zeit ist also gemeint. Im Zusammenhang der notwendig umfangreichen Recherchearbeit zur Klassifizierung verschiedenster Kulturtechniken versteigt sich der Freund zu der These, dass auch gemeinsame Spaziergänge und Stadtbummeleien mit zur...

Maria Magdalena - Ikone von Nicola Sarić
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Magdalena
Gedanken zu einem Bildnis

Es gibt Gestalten im Neuen Testament, die zuerst nur wie Randfiguren aussehen und doch, wenn man genauer hinsieht, den innersten Nerv des Ganzen berühren. Maria Magdalena gehört zu ihnen. Sie spricht nicht viel. Sie wird nicht mit langen Reden ausgestattet. Und doch steht sie sowohl unter dem blutenden Kreuz Christi als auch am Ursprung der Osterverkündigung beim leeren Grab. Die Evangelien – das sei zunächst nüchtern festgehalten – berichten wenig von ihr, aber Entscheidendes. Nach dem...

Durch das Los bestimmt
Der Ersatzapostel Matthias

Es gibt Gestalten innerhalb der frühen Kirchengeschichte, die durch den sogenannten Zufall in die Welt treten – und so auch im Gedächtnis bleiben. Der Ersatzapostel Matthias ist eine solche Figur. Sein Auftritt ist knapp, fast spröde. In der Apostelgeschichte (Apg 1,15–26) wird berichtet, dass nach dem Tod des Judas Iskariot die Zwölfzahl der Apostel wiederhergestellt werden soll. Petrus formuliert die Bedingung: Es müsse einer sein, der von der Taufe des Johannes an bis zur Himmelfahrt Jesu...

Philosophen vorgestellt
Philipp Schwartzerdt

Wir verdanken ihm viel. Und heute, am 16. Februar, hat er Geburtstag. Es ist diesmal zwar nur eine „krumme“ Zahl – aber der Mann war und ist wichtig und wird es wohl auch bleiben. Die Rede ist von Philipp Schwartzerdt, über dessen Wiege wir uns alljährlich am 16. Februar beugen – nunmehr zum fünfhundertneunundzwanzigsten Male. Der kleine Philipp, der abends um halb acht das Licht der Welt erblickte, ist später ein großer Gelehrter geworden, und die Reformation wäre ohne ihn weder zu denken noch...

Griechische Mythen in christlicher Deutung
Poros und Penia

Der Mythos von Penia und Poros ist eine der dichtesten, zugleich unerquicklichsten Erzählungen der antiken Philosophie. Überliefert ist er im Symposion, in jener berühmten Rede der Diotima, durch die Sokrates darüber belehrt wird, was oder wer Eros sei. Die Geschichte ist kurz – und von einer eigentümlichen Sprödigkeit: Als Aphrodite geboren ward, feierten die Götter ein Fest. Unter ihnen ist Poros, dessen Name „Weg“, „Ausweg“, „Möglichkeit“ bedeutet: eine Gestalt des geistigen Reichtums, der...

Dem Himmel...
... Eine Stunde schenken

Peter Sloterdijk stellt eins seiner Bücher unter den bekannten Vers des Matthäusevangeliums. Dort heißt es: „Und er sprach zu ihnen nicht, es sei denn in Gleichnissen” (Mt 13,34). Titel des Buches: „DEN HIMMEL ZUM SPRECHEN BRINGEN.“  Auf einer dreihundertfünfzigseitigen Reise durch die Zeit wird Stück für Stück klarer, wie Menschen nicht nur über den Himmel erzählt, sondern durch eigenes Reden und Schweigen versucht haben, den Himmel selber zum Sprechen zu bringen. Nicht der astronomische...

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