Westjordanland
Eine Insel des Friedens

Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Das Förderzentrum in Beit Jala betreut täglich 250 Kinder und Jugendliche. | Foto: Lifegate
  • Auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Das Förderzentrum in Beit Jala betreut täglich 250 Kinder und Jugendliche.
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Menschen mit Behinderung haben es in den palästinensischen Gebieten schwer. Förderung oder Unterstützung von offizieller Seite gibt es kaum – lediglich spendenfinanzierte Projekte.

Von Daniel Staffen-Quandt

Beit Jala. Es ist eine kleine Hoffnungsinsel in einem von Hoffnungslosigkeit geprägten Land: In der palästinensischen Stadt Beit Jala im Westjordanland betreibt der Verein Lifegate (deutsch: Lebenstor) ein Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung. "Ungefähr 250 Menschen sind täglich bei uns", erläutert Gründer und Leiter Burghard Schunkert. Sie besuchen den Kindergarten, die Förderschule oder lernen an einem geschützten Ausbildungsplatz einen Beruf. Doch seit dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 und dem folgenden Krieg steht das spendenfinanzierte Projekt auf tönernen Füßen.
"Alles, was wir tun, müssen wir zu 100 Prozent selbst finanzieren", sagt Schunkert. Staatliche Förderungen wie in Deutschland üblich, gibt es nicht. Hinter Lifegate steht ein Verein mit Sitz in Tauberbischofsheim (Baden-Württemberg). Von den 1,3 Millionen Euro Jahresetat stammt die Hälfte aus Spenden oder Projektförderungen aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Den Rest erarbeitet sich Lifegate selbst vor Ort. Zumindest war das früher so, als etwa im Gästehaus des Vereins in Bethlehem reger Betrieb herrschte.
"Wirtschaftlich ist die Situation seit Oktober 2023 ein Albtraum", sagt Schunkert. Weil die Grenzen zwischen Israel und dem Westjordanland faktisch dicht sind, machen auch die eigenen Betriebe wie Wäscherei, Catering, Schuhmacherei und Co. kaum bis keinen Umsatz mehr. Dennoch sei es, "dank der großartigen Hilfe vor allem von Unterstützern aus Deutschland gelungen, dass wir unseren mehr als 100 palästinensischen Mitarbeitern jeden Monat pünktlich ihren Lohn zahlen konnten". Der selbst finanzierte Anteil des Jahresetats ist im vergangenen Jahr auf 25 Prozent gesunken.
Rund 400 bis 500 Euro Kosten verursacht ein Förderplatz bei Lifegate pro Kind und Monat, rechnet Schunkert vor. Bei umgerechnet rund 80 Euro pro Monat liegt die Selbstbeteiligung der Eltern. Doch seit dem Kriegsbeginn können sich viele Eltern auch das nicht mehr leisten. "Der Arbeitsmarkt in Israel, wo viele unserer Eltern vor dem 7. Oktober 2023 tätig waren, ist für sie nicht mehr zugänglich", erläutert er.
Das Förderzentrum wird gerade aufwendig erweitert – auch mit Förderung aus Europa. In Beit Jala wird ein zweistöckiges Begegnungszentrum für Menschen mit Behinderung gebaut, das für Besucher aus aller Welt offenstehen soll. "Wir wollen die Anlaufstelle für Menschen mit Körperbehinderung werden, die das Heilige Land besuchen wollen", sagt Schunkert.
Aber es geht auch darum, dass die 250 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei Lifegate wieder Kontakt zur Außenwelt bekommen – durch die zukünftigen Gäste. "Unsere Welt ist durch den Konflikt zwischen Hamas und Israel ganz, ganz klein geworden."
Allen Herausforderungen zum Trotz: Um Spenden zu bitten, das ist nicht Schunkerts Sache. Er will lieber die von Lifegate hergestellten Produkte verkaufen, quasi als Hilfe zur Selbsthilfe. Im Lager des Vereins in Tauberbischofsheim warten verschiedene Produkte nur auf die Bestellung und Auslieferung: vom Fünf-Liter-Kanister Olivenöl über Gewürzmischungen und gewebte Bucheinbände bis zu Produkten aus Olivenholz.
Der christliche Liedermacher Christoph Zehendner hat das Lifegate-Förderzentrum schon oft besucht, auch ein Buch über dessen Arbeit hat er geschrieben. "Bei meinem letzten Besuch dort Mitte Mai war ich wieder neu begeistert von dieser Insel des Friedens, der Wertschätzung, der Liebe und des Lachens in einer ansonsten ganz schön schwierigen Region", sagt Zehendner. Lifegate gelinge immer wieder, "kleine Friedensbrücken" zu bauen. "Ich kenne keine andere Organisation im Land, die derzeit so konkret Frieden und Versöhnungsbereitschaft lebt", sagt der Liedermacher.
epd

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