Trauer um Magdeburger Altbischof
Hoffnungsfunken stärken

Foto:  epd-bild/Kai-Uwe Hündorf

Er hielt sich bis ins hohe Alter fit - mit Spaziergängen und der Lektüre theologischer Fachzeitschriften wie der Herder Korrespondenz. Der katholische Magdeburger Altbischof Leo Nowak blieb beweglich und stand kirchlichen Reformen aufgeschlossen gegenüber. "Ich kann mir vorstellen, dass Frauen auch am Altar stehen und Priesterinnen werden können", sagte er kurz vor seinem 95. Geburtstag. Und räumte ein, er habe seine Einstellung zu diesem Thema geändert.

Von Karin Wollschläger 

Magdeburg (KNA)
- Seit 1990 bis zu seinem Ruhestand 2004 leitete er das Bistum Magdeburg. Am Sonntag ist der volksnahe und humorvolle Seelsorger im Alter von 97 Jahren nach einer Operation gestorben, wie das Bistum am Sonntag mitteilte.

"Die Gesellschaft verändert sich, und wir sind als Kirche Teil davon. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, sonst sind wir draußen und verlieren den Draht zu den Menschen", konstatierte Nowak 2024. Er verfolgte mit wachem Geist die aktuellen theologischen und gesellschaftspolitischen Debatten, suchte das Gespräch: "Am liebsten mit Menschen, die sagen, sie haben mit Kirche und Glauben nix am Hut."

Gesprächskreis mit Ärzten

Bis vor Corona hatte er fast zehn Jahre lang einen Gesprächskreis mit über 20 Ärzten. "Einmal ging es um die Frage, ob man einem Sterbenden immer die Wahrheit sagen muss", erzählte Nowak. "Einer sagte: 'Ja, müssen wir. Aber wir dürfen auch keinen Menschen ohne Hoffnung lassen. Nur: Wie geht das, wenn es keine medizinische Hoffnung mehr gibt?' Es trat eine lange Stille ein."

Die Frage nach der Hoffnung, wie man sie stärken und weitergeben kann, war ein Herzensthema von Nowak. "Ich erlebe es immer wieder, dass man darüber auch gut ins Gespräch mit Nichtgläubigen kommt. Meines Erachtens steckt Hoffnung oder die Sehnsucht nach Hoffnung in jedem Menschen. Und wenn wir den Hoffnungsfunken - gerade auch in unsicheren Zeiten - stärken können, dann haben wir als Kirche, haben wir als Christen den Menschen schon einen großen Dienst erwiesen."

14 Jahre Bischof in und von Magdeburg

Nowak stand von 1990 bis 2004 an der Spitze des Magdeburger Kirchengebietes, das 1994 in Folge der deutschen Wiedervereinigung zum Bistum erhoben wurde. Als ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof "in" Magdeburg ernannte, war in der damals noch existierenden DDR der gesellschaftliche und politische Wandel in vollem Gange. Die Kirche stand vor der Herausforderung, ihren Standort neu zu bestimmen. Nowak schien dafür genau der richtige Mann.

Nach einem abenteuerlichen Beginn seines Theologiestudiums - er reiste wenige Jahre nach Kriegsende bei Nacht und Nebel mit falschem Pass über Berlin nach Paderborn - empfing er 1956 in Magdeburg die Priesterweihe.

In der Abschlussbeurteilung schrieb der Regens des Erfurter Priesterseminars: "Nowak ist begabt, fleißig, geistig interessiert, dazu von einer großen Ruhe und Überlegenheit. Seine humorvolle, sichere Art half über viele Schwierigkeiten hinweg. Er ist zugleich praktisch begabt, musikalisch, kann Singekreise leiten, sodass er verspricht, auf vielerlei Posten voll seinen Mann zu stehen."

Bischof mit Blick auf Nicht-Christen

Während seiner Zeit als Bischof war es Nowak stets wichtig, in seinem Bistum mit einem Katholikenanteil von drei Prozent auch die Nicht-Christen zu erreichen, etwa im Bereich der Werteerziehung. So gründete er in seiner Amtszeit drei Gymnasien und vier Grundschulen, deren Plätze auch bei Konfessionslosen sehr begehrt sind.

Als die katholische Kirche aus dem System der staatlichen Schwangerschaftskonfliktberatung im Jahr 1999 ausstieg, trieb Nowak die Sorge um die werdenden Eltern um und er gründete die Stiftung "Netzwerk Leben". Sie unterstützt bis heute in Notfällen mit schneller, unbürokratischer Hilfe, etwa durch Rechtsberatung oder finanzielle Beihilfen. Auch damit erreicht das Bistum viele Nicht-Christen.

"Hoffnung, dass es gut sein wird"

Eine weitere Initiative von ihm war die Wiederbesiedlung des mittelalterlichen Zisterzienserinnenklosters Helfta. In Nowaks Bischofsjahre fielen indes auch verlustreiche Immobilien- und Finanzgeschäfte, mit denen das Diaspora-Bistum eigentlich seine finanzielle Situation verbessern wollte und dann beinahe in den Ruin steuerte.

Nowak mochte Lyrik, besonders von ostdeutschen Frauen wie Eva Strittmatter. In ihrem Gedicht "Ewigkeit" heißt es: "Ich schreibe von der einfachen Sache: Geburt und Tod und der Zwischenzeit". Bischof Nowaks Metier ging noch darüber hinaus: die Perspektive ins Jenseits offenhalten. Er tat es nachdenklich, ohne Aufdringlichkeit: "Ich lebe von der Hoffnung, aber nicht vom Wissen, wie es nach dem Tod sein wird. Ich lebe von der Hoffnung, dass es gut sein wird und dass es gut gehen wird."

Autor:

Online-Redaktion

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

52 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.