Täglich etwas Glück

Buchtipp: Kinderbuch zum Leben Johannes Falks

Von Beatrix Heinrichs

In ihrem Kinderbuch »Jakob sucht die Himmelsleiter« nimmt die Autorin Dietlind Steinhöfel ihre jungen Leser mit ins Weimar des Jahres 1815. Der Krieg gegen die Franzosen ist allgegenwärtig, dessen Not die Kinder am Ärgsten trifft. Jakobs Großeltern sind an Scharlach gestorben, die Mutter an Typhus. Nun ist der Junge ganz auf sich gestellt. Auf der Suche nach Essen, einem Platz für die Nacht, folgt der Leser dem kleinen Helden hinauf zum Ettersberg, durch die Stadt und den Park an der Ilm. Es sind einsame Streifzüge. Das ändert sich, als er Ida trifft. Anders als Jakob hat das Mädchen eine Familie, doch auch die hat ihre Sorgen. Ida erzählt Jakob von einem Mann, der Kinder in Not aufnimmt: Johannes Falk.
Der Schöpfer des Weihnachtsliedes »O du fröhliche« und »Vater aller Rettungshäuser«, wie ihn der Gründer der Inneren Mission, Johann Hinrich Wichern, nannte, feiert in diesem Jahr seinen 250. Geburtstag. 1768 als Sohn eines Perückenmachers in Danzig geboren, nahm Falk 1787 ein Theologiestudium in Halle auf, das er jedoch zugunsten der Literatur abbrach. Nach seiner Heirat mit Caroline Rosenfeld zog Falk 1797 nach Weimar, wo er seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller und Publizist verdiente. Die französische Besatzung Weimars ab 1806 und der Typhus-Tod vier seiner Kinder waren sehr wahrscheinlich Wendemarken in Falks Leben. Betroffen vom Leid, das die Kriegswirren hinterlassen hatten, rief er gemeinsam mit Stiftsprediger Karl Friedrich Horn die »Gesellschaft der Freunde in der Not« ins Leben. Fortan widmete er sich der Betreuung verwaister Kinder und Jugendlicher. Mit dem »Lutherhof« gründete er die erste moderne Erziehungsanstalt in Deutschland. Als Falk am 14. Februar 1826 in Weimar stirbt, hat sein Vorbild schon über die Grenzen der Klassikerstadt hinaus Strahlkraft entwickelt: Nach Falks Grundsätzen entstehen europaweit Rettungshäuser, das bekannteste ist Wicherns »Rauhe Haus« in Hamburg.
Großartig illustriert von Cornelia Liebig, gibt das Buch einen Einblick in das Leben und Wirken Falks. Einfühlsam und mit viel Liebe für ihre Figuren zeichnet Steinhöfel ein für Kinder ab acht Jahren nachvollziehbares Bild der Zeit. Unangestrengt bindet die Autorin historische Fakten, Überliefertes und Anekdoten in ihre Fiktion ein. Dabei spinnt sie einen feinen Faden, der die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Gewebt ist er aus Krieg, Krankheit, Entbehrung, Einsamkeit – und Liebe. Die Botschaft, die das Kinderbuch durchleuchtet, erinnert an die Zeile aus Hölderlins »Patmos«: »Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch!« Einen wie Jakob nämlich hat jede Zeit. Die Frage ist, wie wir ihm begegnen wollen.

Steinhöfel, Dietlind: Jakob sucht die Himmelsleiter. Eine Erzählung zu Johannes Daniel Falk, Wartburg Verlag, 68 S., ISBN 978-3-86160-550-8, 16 Euro
Bezug über den Buchhandel oder den Bestellservice Ihrer Kirchenzeitung: Telefon (0 36 43) 24 61 61

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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