Kunst gegen judenfeindliche Schmähfigur
Symbol für Versöhnung und Frieden

Am 19.11.2025 wurde die Kunstinstallation "Einfriedung" von Thomas Leu an der St. Stephani-Kirche in Calbe (Saale) enthüllt. Damit wird die judenfeindliche Schmähplastik aus dem 19. Jahrhundert dauerhaft (teil-)verhüllt. | Foto: Thomas Nawrath
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  • Am 19.11.2025 wurde die Kunstinstallation "Einfriedung" von Thomas Leu an der St. Stephani-Kirche in Calbe (Saale) enthüllt. Damit wird die judenfeindliche Schmähplastik aus dem 19. Jahrhundert dauerhaft (teil-)verhüllt.
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Wie mit einer antisemitischen "Judensau" umgehen, wenn der Denkmalschutz die Beseitigung der Skulptur untersagt? Calbe hat sich für eine künstlerische Einfriedung und ein deutliches Zeichen für Versöhnung und Frieden von Christen und Juden entschieden. 

Von Thomas Nawrath

Calbe. Mit einem Friedenssymbol ist am Mittwoch ein judenfeindlich gestalteter Wasserspeier an der Stadtkirche St. Stephani in Calbe (Saale) dauerhaft verhüllt worden. Bei einer Gedenkstunde am Buß- und Bettag wurde ein aus einem Geflecht metallener Zweige des Ölbaums bestehendes Kunstwerk eingeweiht, das sich um die sogenannte "Judensau" rankt.

Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Egeln, Matthias Porzelle, erklärte, das Werk des Künstlers Thomas Leu banne "das steinerne Zeugnis des Antisemitismus". Metallbildhauer Leu ergänzte: "So überformt ein christliches und zugleich auch jüdisches Symbol des Friedens dieses frühere Sinnbild des Hasses."

Die Idee dazu sei im Gespräch mit Vertretern der jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt entstanden. "Ich habe mich besonders gefreut", sagte Leu, dass auch der endgültige Entwurf "die ausdrückliche Zustimmung" des Verbandes der jüdischen Gemeinden gefunden habe.

An der Gedenkveranstaltung nahmen neben Vertretern der Kirchgemeinde, der Stadt Calbe, des Kirchenkreises und der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt auch Vertreter des Verbandes der jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt und einige Bürgerinnen und Bürger teil. Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie aus Schönebeck (Elbe) übernahm die musikalische Umrahmung.

Erst im Zuge von Bauarbeiten im Jahr 2016 war die judenfeindliche Skulptur an der Stadtkirche von Calbe ins öffentliche Bewusstsein geraten. Verantwortliche der Kirchengemeinde hatten sich für eine entschiedene Distanzierung von diesem Zeugnis des christlichen Judenhasses eingesetzt. Eine Beseitigung der Schmähplastik hatte 2020 der Denkmalschutz untersagt. Als Kompromiss wurde eine zeitweilige Verhüllung der Figur bis 2024 vereinbart, sagte Porzelle.

Gemeinsam mit der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt habe die Kirchengemeinde eine Vortragsreihe über die Vergangenheit und Gegenwart christlicher Judenfeindlichkeit durchgeführt, ebenso Diskussionsforen und Schulprojekte, um die Menschen der Region zu informieren und einzubinden.

Das Kunstwerk von Thomas Leu verdeckt die Schmähfigur absichtlich nicht komplett. Damit stehe die Einfriedung auch symbolisch dafür, die Geschichte und den immer wieder aufbrechenden Antisemitismus nicht zu leugnen, hieß es. Darauf verweist auch die Gedenktafel, die an der Kirche angebracht wurde: "Wir werden stets darauf achten, dass die Würde und die Rechte aller Menschen gewahrt werden und uns allen Versuchen und Handlungen von Ausgrenzung, Entwürdigung oder Antisemitismus in dieser Stadt entgegenstellen", steht auf der Gedenktafel.

Nach Informationen der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt stammt die Schmähplastik aus dem 19. Jahrhundert und gehört zu insgesamt 14 Wasserspeiern an den Strebepfeilern der St. Stephani-Kirche. Die Skulptur zeigt einen Mann mit Schläfenlocken und Kipa, der Teile seines Gesichts in den Hintern eines Schweins drückt. Schweine gelten im Judentum als unrein.

(epd)

Am 19.11.2025 wurde die Kunstinstallation "Einfriedung" von Thomas Leu an der St. Stephani-Kirche in Calbe (Saale) enthüllt. Damit wird die judenfeindliche Schmähplastik aus dem 19. Jahrhundert dauerhaft (teil-)verhüllt. | Foto: Thomas Nawrath
Die Schläfenlocken am steinernen Wasserspeier aus dem 19. Jahrhundert und die Kipa als Kopfbedeckung charakterisieren einen Juden, der in beleidigender Weise mit einer "Judensau" dargestellt wurde. | Foto: Thomas Nawrath
Auf der am 19.11.2025 enthüllten Gedenktafel der evangelischen Kirchengemeinde von Calbe steht der verpflichtende Satz: "Wir werden stets darauf achten, dass die Würde und die Rechte aller Menschen gewahrt werden und uns allen Versuchen und Handlungen von Ausgrenzung, Entwürdigung oder Antisemitismus in dieser Stadt entgegenstellen." | Foto: Thomas Nawrath
Der Metallbildhauer Thomas Leu aus Halle (Saale) schuf nach intensiven Gesprächen mit den Beteiligten die Kunstinstallation "Einfriedung" aus metallenen Zweigen des Ölbaums. Für Juden und Christen gleichermaßen ist dies ein Symbol des Friedens. | Foto: Thomas Nawrath
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Thomas Nawrath

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