Dominventar für Halberstadt vorgelegt
Schatzhaus der Kirchengeschichte

Der Halberstädter Dom - Blick vom Kreuzgang. | Foto: Thomas Nawrath
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Der gotische Dom St. Stephanus und Sixtus in Halberstadt zählt zu den bedeutendsten Kathedralen Deutschlands. Nun wurde das komplette Dominventar von zwei Forschern vorgelegt.

Von Thomas Nawrath

Die Architektur und die Ausstattung des aus dem Mittelalter stammenden Halberstädter Doms sind erstmals vollständig erfasst worden. Das zweibändige Grundlagenwerk über die bedeutende gotische Kathedrale wurde am Freitag in Halberstadt vorgestellt. Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) sagte, das Dominventar habe eine Vollständigkeit, die ihresgleichen suche. Damit sei es auch eine wichtige Grundlage für weitere Forschungen. Autoren sind die Kunsthistoriker Heiko Brandl und Anja Seliger, die sechs Jahre an dem Werk gearbeitet haben.

Band1 des neuen Dominventars | Foto: Thomas Nawrath
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Der im 13. Jahrhundert begonnene Sakralbau, dessen Schlussweihe 1491 folgte, gilt als architektonisches Kleinod und beherbergt bedeutende Kunstwerke und den größten Bestand mittelalterlicher sakraler Textilien außerhalb des Vatikans. Die Leiterin des Europäischen Romanikzentrums, Ute Engel, sagte, der Halberstädter Dom sei ein „Schatzhaus der mittelalterlichen Kirchengeschichte“. Altäre, Figuren, Kruzifixe und Grabmäler, Glocken und Metallleuchter seien nun ausführlich beschrieben und auch umfangreich mit Bildern dokumentiert.

Zu den erfassten Schätzen gehören den Angaben zufolge unter anderem die überwiegend aus der Zeit um 1400 stammenden Buntglasfenster im Chor, der marmorne Taufstein aus dem romanischen Vorgängerbau mit vier sitzenden Löwen und eine um 1220 geschaffene Triumphkreuzgruppe mit lebensgroßen Figuren.
Brandl betonte, bei Restaurierungsarbeiten sei 2016 nachgewiesen worden, dass im Christushaupt eine Reliquie mit Splittern vom angeblichen Kreuz Christi und einer byzantinischen Beglaubigung aus der Zeit um 1200 enthalten sei. Auch Bauzeichnungen, zahlreiche historische Darstellungen sowie Fotos von Kriegsschäden und deren Beseitigung wurden den Angaben zufolge dokumentiert.

Triumphkreuzgruppe um 1220 | Foto: Thomas Nawrath
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Lange sei unklar gewesen, was zum Neubau des Halberstädter Doms nach 1220 geführt habe, hieß es. Brandl betonte, oft werde die Konkurrenz zum nahen Erzbischofssitz Magdeburg angeführt, wo nach einem Stadtbrand ab 1207 ein gotischer Dom gebaut wurde. Dies allein erkläre jedoch nicht, warum zuerst die Kammern des Domschatzes und die Westtürme gebaut wurden. Die Forschungen hätten nun gezeigt, dass der gotische Neubau in Halberstadt eng mit dem Erwerb eines Reliquienschatzes des 1225 verstorbenen Halberstädter Bischofs Konrad von Krosigk zusammenhing.

Dioe Autoren des neuen Dominventars: Anja Seliger und Heiko Brandl. | Foto: Thomas Nawrath
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Landesarchäologe und Mitherausgeber Harald Meller sagte, mit mehr als 1.600 Seiten und 8,5 Kilogramm Gewicht sei das neue Dominventar auch äußerlich beeindruckend. Es habe ihm „ein wahnsinniges Vergnügen bereitet“, das fertige Buch zur Schlusskorrektur zu lesen. Es habe ihn förmlich mitgerissen und enthalte selbst ihm unbekannte Details zur Bau- und Erhaltungsgeschichte.

epd

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