Israel-Berichterstattung in deutschen Medien
Nur wenig Solidarität
- Kundgebung „Aufstehen gegen Terror, Hass und Antisemitismus - in Solidaritöt und Mitgefühl mit Israel“ am 22. Oktober 2023 vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis hatte eingeladen.
- Foto: epd-bild/Rolf Zöllner
- hochgeladen von Thomas Nawrath
Eine Studie des Berliner Tikvah Instituts bescheinigt den deutschen Medien eine einseitige Nahost-Berichterstattung. Israel wird demnach häufig als alleiniger Aggressor des Nahost-Konflikts dargestellt.
Von Elisa Makowski
Der Antisemitismus-Experte Jonas Hessenauer beobachtet eine teils einseitige Berichterstattung über Israel in deutschen Medien: "In den deutschen Medien finden sich immer wieder antisemitische Stereotype", kritisierte er. Hessenauer ist Mit-Autor der Studie "Israel in deutschen Medien", für die das Berliner Tikvah Institut knapp 40.000 Artikeln in deutschen Medien ausgewertet wurden. Das Forschungsprojekt läuft seit 2023 und arbeitet mit Fördermitteln des Bundesforschungsministeriums.
Eine positive Ausnahme seien die ersten Wochen nach dem 7. Oktober 2023 gewesen. In dieser Zeit hätten Berichte und Kommentare überwogen, in denen ein tiefer Schock über die Gewalt der Hamas und Solidarität mit der israelischen Zivilgesellschaft zum Ausdruck gebracht worden sei.Berichte und Interviews mit israelischen Opfern oder ehemaligen Geiseln der Hamas seien Gegenstand vieler Artikel gewesen. "Im Vergleich zur internationalen Berichterstattung konnte man in deutschen Medien eine größere Sensibilität für Antisemitismus erkennen", sagte Hessenauer.
- Gedenkort für die Opfer des Hamas-Überfalls beim Nova-Musikfestivals in Israel am 7. Oktober 2023. Pfosten mit Fotos der Getöteten erinnern an der Gedenkstelle als individuell gestaltete Erinnerungsorte mit israelischen Flaggen, Blumen und persönlichen Andenken an die Opfer. Bei dem Rave-Festival in der Negev-Wüste hatte die palästinensische Terrororganisation 378 junge Menschen getoetet und 44 weitere verschleppt.
- Foto: epd-bild/Ingo Lehnick
- hochgeladen von Thomas Nawrath
Am 7. Oktober 2023 hatte die Terrororganisation Hamas Israel überfallen, etwa 1.200 Menschen getötet und mehr als 240 Geiseln in den Gaza-Streifen verschleppt. In der Folge startete Israel eine Militäroffensive gegen die Hamas im Gaza-Streifen, Zehntausende Menschen wurden dabei getötet. Inzwischen wurden alle Geiseln der Hamas freigelassen und ein Waffenstillstand vereinbart.
Im Laufe des Konflikts seien die Solidaritätsbekundungen gegenüber Israelis aber abgeflaut und einseitige Darstellungen, wonach Israel alleinig Schuld trage an dem Konflikt, hätten deutlich zugenommen, sagte Hessenauer. Als Beispiel nannte er eine häufige Verkehrung von Ursache und Reaktion: Israel werde in Überschriften oft als Aggressor genannt, manchmal gehe aus dem Artikeltext gehe dann hervor, dass es lediglich auf Angriffe durch die Hamas reagierte. "In einem Kommentar fand sich zudem die Behauptung, wonach bestimmte israelische Akteure den deutschen Mediendiskurs lenken würden. Dahinter steht die antisemitische Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung."
Expliziter Rassismus gegenüber Palästinensern sei weniger zu beobachten gewesen. Allerdings würden Palästinenser in der deutschen Nahost-Berichterstattung oft ausschließlich als Opfer dargestellt und nicht als handelnde Subjekte, sagte der Experte des Berliner Tikvah Instituts.
epd
Autor:Thomas Nawrath |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.