Freundeskreis der Stiftung Luthergedenkstätten
Die „Aura“ der Kutte
- Foto: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt/Johannes Killyen
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Wenn Sigrid Bias-Engels auf die Mönchs-Kutte von Martin Luther zu sprechen kommt, gerät sie ins Schwärmen. Sie sei eines der bekanntesten Exponate im Wittenberger Lutherhaus, ihre „Aura“ gelte es auf jeden Fall zu erhalten, sagt die Vorsitzende des Freundeskreises der Stiftung Luthergedenkstätten.
Von Edgar S. Hasse
Der besondere Wert dieser Augustiner-Kutte aus Wolle mit der markanten Kapuze liege auf der Hand: „Sie erzählt nicht nur die Geschichte des Reformators in seinen Anfängen als Mönch, sondern sie ist auch ein hervorragendes Beispiel des Personenkultes und der Verehrung von Gegenständen, mit denen er in Berührung gekommen sein könnte.“
Weil der Zahn der Zeit an der ohnehin schon alten Kutte nagt – der Stoff wird immer dünner und brüchiger – setzt sich der von ihr geleitete Freundeskreis für deren Erhalt ein. 2021 mit dem Ziel gegründet, die Stiftung Luthergedenkstätten ideell, materiell und finanziell zu unterstützen, pflegen Vorstand und die mehr als 30 Mitglieder des Freundeskreises ein Netzwerk. Längst gehört dazu auch der Rotary Club Wittenberg, der sich ebenfalls für die Wiederherstellung dieses ganz besonderen Exponates engagiert. Die Kosten für die fachgerechte Restaurierung sowie die Konstruktion einer so genannten Figurine werden auf schätzungsweise 12 000 Euro beziffert. Die Figurine soll die Kutte „nicht nur gut repräsentieren, sondern auch dafür sorgen, dass sich das Gewicht des Stoffes optimal auf ihr verteilt, um diesen nicht weiter zu beschädigen“, sagt Sigrid Bias-Engels.
Als Augustiner-Mönch war Martin Luther einer strengen Kleiderordnung unterworfen, die außerhalb des Klosters eine aus grobem Wollstoff gewebte, schwarze Kutte mit Kapuze vorsah. Auch bei seinem Auftritt vor dem Wormser Reichstag im Jahr 1521 trug der Wittenberger Mönch die Kutte seines Ordens. Bis er sie endgültig an den Nagel hängte und am 9. Oktober 1524 als Zeichen seiner Emanzipation von tradierten Normen erstmals in weltlicher Kleidung predigte. Um das legendäre Kleidungsstück zu erhalten, hatte der Freundeskreis im Juni dieses Jahres zu Spenden aufgerufen. Wie Sigrid Bias-Engels sagt, gehe es vorrangig um „konservatorische Maßnahmen, die dem Substanzerhalt dienen, also um die Stabilisierung und teilweise ästhetische Aufwertung der historischen Textilie“. Der Freundeskreis sei zuversichtlich, dass die Finanzierung gelingen werde. Bis zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung in den Wittenberger Luther-Museen im Frühjahr 2027 soll sich jedenfalls Luthers Kutte von seiner besten Seite zeigen.
Der Freundeskreis, der übrigens gern noch weitere interessierte Mitglieder aufnimmt, hat erst im vergangenen Jahr eine Rundbank im Lutherhof von Luthers Sterbehaus in Eisleben finanziert. Für das nächste Jahr ist die Förderung eines Projekts für Kinder und Jugendliche in Mansfeld geplant. „Wir engagieren uns zudem bei der Bildung eines Landesnetzwerkes der Kulturfördervereine in Sachsen-Anhalt“, sagt Bias-Engels. Damit soll die Landesregierung einen kompetenten Ansprechpartner für Kulturfördervereine erhalten. „Und das Land mit diesem bürgerschaftlichen Engagement eine starke Stimme der Zivilgesellschaft.“
Autor:Online-Redaktion |
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