Gnade über Gnade: Gott offenbart sich in Jesus Christus

Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Johannes 1, Vers 17

Von Klaus Scholtissek, promovierter Theologe und Vorsitzender der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein

Der Wochenspruch steht am Anfang des Johannesevangeliums in einem großartigen Lobpreis auf Gottes schenkendes Wirken in der Schöpfung, in der Geschichte mit dem Gottesvolk Israel und in Jesus Christus. In poetischer Sprache, mit Wiederholungen, Variationen und in schrittweiser Enthüllung wird Gottes gnädiges Wirken von allem Anfang an gepriesen. Dieses Loblied am Anfang des Johannesevangeliums sieht in Jesus Christus den »Eingeborenen, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist« (Johannes 1,18). Dieser Jesus Christus ist schon vor aller Schöpfung ganz bei Gott, er ist Teil der Heilsmacht Gottes. Er wirkt von Beginn an geheimnisvoll die Erschaffung der Welt. Er wirkt lichtvoll in seiner Schöpfung, in seinem »Eigentum« (Johannes 1,11), dem Volk Gottes. Und er schenkt Gottes Gnade in seiner Fleischwerdung (1,14), seiner Verkündigung (1,18) sowie Tod und Auferstehung. Dabei schenkt Jesus Christus nicht etwas außerhalb seiner selbst, sondern er schenkt sich selbst: Er ist lebendiges Wasser, lebenspendendes Brot, Weg, Wahrheit und Leben.
In diesem Zusammenhang ist auch der Wochenspruch zu verstehen. Die beiden weitgehend parallel gebauten Sätze sind nicht als Gegensatz gemeint. Dann spräche dieser Vers von zwei entgegengesetzten, sich ablösenden Heilsepochen: der ersten als »Zeit des Gesetzes ohne Gnade« und der zweiten als »Zeit der Gnade ohne Gesetz«. In der Kirchengeschichte ist diese Auslegung leider oft führend geworden. Dieser Auslegung widerspricht der Johannesprolog als ganzer gründlich: Es gibt nur den einen unsichtbaren Gott, der seine Schöpfung von allem Anfang an ins Leben ruft, ihr fortwährend Licht und Leben schenkt, sein Gottesvolk beruft und immer neu sammelt. Er offenbart sich zuletzt und abschließend in Jesus Christus. In ihm begegnen wir Gottes Gnadenfülle, Gott höchstpersönlich. Er ruft uns in die Gemeinschaft der Kinder Gottes.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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