Äthiopien: Ohne Hungerhilfe droht Massenflucht

Nachhaltige Hilfe: Arbeiter graben im Dorf Keto in 
der Provinz Kuno Alimeno an einem 14 Meter tiefen Trinkwasserbrunnen.
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    der Provinz Kuno Alimeno an einem 14 Meter tiefen Trinkwasserbrunnen.
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Nach drei aufeinanderfolgenden Dürrejahren und Unruhen in mehreren Provinzen sind Millionen Äthiopier dringend auf Hungerhilfe angewiesen.

Blickwechsel von Marc Engelhardt

Seit dem El-Niño-Wetterphänomen Ende 2015 hätten die Bewohner des ostafrikanischen Landes keine Chance gehabt, sich zu erholen, sagt die Koordinatorin der Vereinten Nationen, Ahunna Eziakonwa-Onochie, und warnt zugleich vor den Folgen, sollte die benötigte Hilfe ausbleiben. »Dann werden die Menschen in andere Länder fliehen. Das ist es, was man in einer solchen Situation tut.«
Schon jetzt sei eine Million Äthiopier wegen der anhaltenden Unruhen innerhalb des Landes vertrieben worden, sagt Eziakonwa-Onochie. Sie bräuchten ebenso Unterstützung wie knapp sieben Millionen weitere Äthiopier, unter ihnen mehr als zwei Millionen Kinder und 300 000 besonders Schutzbedürftige. Zwar verzeichne Äthiopien das stärkste Wirtschaftswachstum eines nicht ölexportierenden Landes weltweit. »Die Armut nimmt ab, die Bevölkerung ist widerstandsfähiger als früher und es gibt soziale Sicherungssysteme, aber die Bevölkerung wächst, und diese Dürre ist besonders schlimm.«
Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass für humanitäre Hilfe in Äthiopien dieses Jahr mehr als 1,3 Milliarden Euro benötigt werden, 150 Millionen Euro mehr als 2017. Eziakonwa-
Onochie, die derzeit weltweit um Unterstützung wirbt, verspricht den Gebern im Gegenzug effektivere Hilfe. »In der Vergangenheit wurden die Bedürfnisse ausschließlich mit Nothilfe befriedigt, jetzt achten wir verstärkt darauf, dass auch Entwicklungsvorhaben integriert werden.« Diese würden vorrangig auch in Regionen realisiert, in denen der Hunger besonders schlimm ist.
»In der Vergangenheit haben wir etwa Wasser in Trucks zu denen gebracht, die Durst litten«, erläutert die Koordinatorin. »Das kostet für eine Region und einen Tag 170 000 US-Dollar.« Stattdessen würden jetzt Brunnen in den Dürregebieten gebohrt. »Das kostet 500 000 Dollar, dafür hält ein solcher Brunnen viele, viele Jahre vor.« Ähnlich gehe man mit Viehfutteranbau vor, der für Nomaden und ihre Herden überlebenswichtig sei. Anstatt für viel Geld Viehfutter in Dürreregionen zu bringen, werde dieses jetzt vor Ort mit künstlicher Bewässerung erzeugt.
Wie in anderen Ländern auch, entsteht der Hunger in Äthiopien nicht wegen fehlender Nahrungsmittel, sondern wegen der hohen Preise infolge von Missernten. Vor allem arme Menschen können sich die Waren auf dem Markt nicht leisten. »Deshalb brauchen wir dringend internationale Unterstützung, und zwar schnell: Wenn die Versorgung der Hungernden einmal unterbrochen ist, hat das etwa bei Kindern schwere Entwicklungsstörungen zur Folge.« Außerdem stiegen in solchen Fällen die Kosten schnell um das Zehnfache an.
Die Koordinatorin lobte Äthiopiens Regierung, die in diesem Jahr selbst 193 Millionen Euro zur Hilfe beisteuert – fast vier Mal so viel, wie die deutsche Bundesregierung zuletzt überwies. Nachdem die USA 2017 fast die Hälfte der Äthiopienhilfe finanziert haben, hofft Eziakonwa-Onochie für dieses Jahr auf mehr Unterstützung der EU und Deutschlands: »Wer jetzt hilft, vermeidet vielleicht, dass wir bald eine UN-Friedensmission in dieser sehr unruhigen Region brauchen, die sehr viel teurer wäre.« (epd)

Autor:

Online-Redaktion aus Weimar

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