FREITAG, VOR 1…
Unsere Seite 1 – In der Heimat ein Zuhause finden
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Mein Lateinlehrer liebte den Satz und stellte schnell klar, dass bene wenig mit unseren Füßen zu tun hätte: „Ubi bene ibi patria.“ Wir übersetzten das mit „Wo man sich wohlfühlt, da ist man zu Hause.“ Es drückt aus, dass das Gefühl von Zuhause nicht an einen bestimmten Geburtsort gebunden ist, sondern dorthin gehört, wo man glücklich und sicher ist.
Von Uwe Kraus
Heimat gehört zu den Top-5-Wörtern, an denen sich dieser Tage in Foren und an Wahlplakaten gerieben wird. Heimat kann die Stadt der Kindheit sein, die Erinnerung am Kartoffelfeuer, den Badesee, die Händchenhalte-Ecke an der Schulhofmauer, eine Melange aus dem Dampf der Zuckerfabrik und dem Quietschen der Straßenbahn in der Kurve. Irgendwann zogen wir aus, sprengten die heimische Wohlfühlschale, um zu wachsen und ein neues Zuhause zu gründen. Trotzdem bleibt das besondere Gefühl, wenn man sich heute der Stadt mit seinen Domtürmen nähert, nachdem wir weit weg waren wie die Meteorologin im ewigen Eis. Oder ein eigenes Zuhause und familiäres Heim gefunden und gestaltet haben: mit Kuschelkissen, Rosenbeeten und netten Nachbarn.
Das Leben hat dafür seinen Pfeil auf die große Dart-Scheibe geworfen. Wir landeten auf einem Lebensbahnhof mit Verschiebegleisen, Prellböcken und der Träne im Knopfloch, wenn die Fahrt weitergeht. Dass sich Provinz weniger mit einer gottverlassenen Gegend als vielmehr mit Denken verbindet, merkte ich viel später. Plötzlich fehlt Nachbarschaftlichkeit mit Bohnerwachsgeruch und freundlichen Worten. Oft muss man in die Ferne ziehen, um zu erkennen, wie wichtig uns die Heimat ist, die dann plötzlich gar nicht mehr so piefig erscheint. Irgendwann lassen sich die Füße schwerer heben. Nicht, dass man bequem geworden ist, aber wir haben wohl Wurzeln geschlagen.
Trotzdem braucht es ja nicht der Nord- oder Südpol sein, um aus dem alltäglichen Trott zu kommen, manchmal kann es das Nachbarbundesland ebenso sein wie der Pilgerweg. Wichtig bleibt wohl, mit dem Blick von außen ein gerüttelt Maß Welt- und Weitsicht zu gewinnen. Dabei darf man durchaus auf Gott vertrauen und in ärgsten Zeiten innig auf Wunder hoffen. Vielleicht nähren uns dabei auch der Boden, der Heimat als Humus hat, um Ruhe, Erholung und Bildung zu finden, und eine Gemeinde, wo zarte Pflänzchen nicht von falschen Propheten zerlatscht werden, sondern das Heimatbild bunter machen.
So vielfältig, wie unsere Leserinnen und Leser hoffentlich unsere aktuelle Zeitung empfinden, die im Pforte-Garten ebenso gelesen werden kann wie digital auf einem Schiff im ewigen Eis, auf der Heim-Reise oder beim ersten Schritt fort zu einem eigenen Zuhause.
Ich hoffe, jeder findet hier ein Stückchen Heimat.
Ihr
Uwe Kraus
PS: Am Mittwoch hatten wir Premiere mit unserer Veranstaltung "Sommerinterview spezial" in Kooperation mit den "Ettersburger Gesprächen". Hier ist der Video-Podcast:
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Autor:Uwe Kraus |
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