Gossner Mission: Geschäftsführer verabschiedet
Fernweh ohne Dienstauftrag

Christian Reiser
 | Foto: Foto:Gossner Mission/Konstantin Börne
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Schon im Grundschulalter hat Christian Reiser einen beachtlichen Teil der Welt gesehen: Als Kleinkind reiste er zusammen mit seinen Eltern nach Afghanistan: „Mein Vater war Wirtschaftswissenschaftler in Köln", berichtet Reiser.

Von Paul-Philipp Braun

Als man in dem Land am Hindukusch jemanden in diesem Bereich als Unterstützung gesucht habe, habe die Familie den Vater begleitet. Ein paar Jahre später ging es noch einmal nach Kabul, da sei er selbst älter und umso interessierter gewesen.

Das Land, damals noch ein Königreich, habe er als schön und spannend wahrgenommen. Der Aufenthalt dort, meint Reiser heute, habe die Grundlage für ein anhaltendes Fernweh gelegt. Doch bevor es ihn in die Welt zog, schloss Reiser ein Studium der Theologie ab – anders als geplant. Eigentlich hätte es Geschichte und Sozialwissenschaften sein sollen. Doch schon sein Großvater und sein Onkel seien Pfarrer gewesen, einer reformiert, einer lutherisch. Der Glaube habe daher schon früh eine wichtige Rolle gespielt.

In seinem Berufsleben habe er aber immer wieder auch Dinge anders machen wollen als seine Kollegen, erklärt er. „Es braucht authentische Pfarrer, die für das einstehen, was sie glauben.“ Davon ist er überzeugt und glaubt an das Miteinander über Glaubens- und Kulturgrenzen hinweg. Das hat er selbst gelebt: Als er zwischenzeitlich an einem College auf den Philippinen lehrte und dort einen ähnlichen Lebensstandard wie die Studenten hatte, und auch, als er als Auslandspfarrer für die EKD in Bolivien unterwegs war.

Seit 2015 leitet Christian Reiser die Gossner Mission in Berlin, die unter anderem von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Lippischen Landeskirche unterstützt wird. Der Fokus der Missionsarbeit liegt auf der Hilfe zur Selbsthilfe, die insbesondere in Indien, Nepal und Uganda geleistet wird. Eine Arbeit, die nicht immer einfach ist, wie Reiser berichtet. So ist er zum Beispiel im Oktober 2022 mit einer siebenköpfigen Delegation vom indischen Staat ausgewiesen worden. Reiser selbst nannte es damals einen beispiellosen Zwischenfall in der langen Geschichte des Missionswerks. Die strengen Einschränkungen der Religionsfreiheit durch die indische Regierung, vermutet er, waren aus-schlaggebend für die Maßnahme.

Dass er nun seine letzte Dienstreise noch einmal nach Indien machen konnte, deutet er als "ein schönes Zeichen, das mich versöhnlich gestimmt hat". Nach gut zehn Jahren als Geschäftsführer der Gossner Mission wird Christian Reiser Ende März in den Ruhestand gehen. – Und dann? Dann wolle er erst einmal mit dem Fahrrad an der Atlantikküste entlangradeln, sagt Reiser und freut sich schon jetzt, sein Fernweh künftig ohne dienstlichen Auftrag stillen zu können. Nur das Wiedersehen mit dem faszinierenden Afghanistan war und bleibt ihm wohl weiterhin verwehrt.

Autor:

Paul-Philipp Braun

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