Willkommen im Leben, du kleiner Segen

In der Kapelle ein Strahlen: Pastorin Dorothea Knetsch (r.) segnet die kleine Maria Josina (geboren am 14. Januar 2017). Mit dabei waren (v. l.)Mama Kristina Hecker und die Geschwister Theo, Johnatan und Aline.
  • In der Kapelle ein Strahlen: Pastorin Dorothea Knetsch (r.) segnet die kleine Maria Josina (geboren am 14. Januar 2017). Mit dabei waren (v. l.)Mama Kristina Hecker und die Geschwister Theo, Johnatan und Aline.
  • Foto: Maik Schuck
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Weimar: Im Sophien- und Hufeland-Klinikum werden Babys unter Gottes Segen gestellt

Von Beatrix Heinrichs

Ein Höhepunkt ihrer Arbeitswoche, der sie hoffnungsfroh stimmt, sei der Besuch auf der Neugeborenenstation, erzählt Dorothea Knetsch. Seit Juni 2016 ist sie Seel-sorgerin im Sophien- und Hufeland-Klinikum in Weimar. Sie sitzt bei den Patienten am Krankenbett, spricht mit Angehörigen, begleitet Sterbende – und segnet Neugeborene. Einmal im Monat lädt die Pastorin frisch gebackene Eltern in die Klinikkapelle ein, die Orgel spielt, die Gemeinde singt »Weißt du, wieviel Sternlein stehen«, es gibt eine kurze Ansprache. Die jungen Erdenbürger werden unter den Segen Gottes gestellt und bekommen als Sinnbild dafür einen kleinen Holzengel geschenkt.
Nicht länger als 20 Minuten dauert die Andacht, an der meist zwei bis drei Familien teilnehmen und zu der oft auch Patienten kommen. Die erste Neugeborenen-Segnung hatte es im Februar vergangenen Jahres gegeben. »In vielen Kulturen gibt es Rituale für den Wendepunkt im Leben, wenn ein Kind geboren wird«, erklärt die Pastorin. »Als evangelisches Krankenhaus war es uns daran gelegen, auch ein solches Angebot zu machen«.
Wahrgenommen werde die Segnung in der Regel von Familien, die mit Kirche und Glauben vertraut sind. »Bei vielen ist die Entscheidung für oder gegen eine Taufe noch nicht gefallen.« Der Segen könne ein erster Schritt in diese Richtung sein, jedoch ohne dass das Angebot daraufhin angelegt sei, betont Knetsch. »Das zentrale Anliegen der Klinikseelsorge ist vielmehr, ganz im Moment für die Menschen da zu sein.«
Etwa 300 Namen stehen auf der Besuchsliste, die Dorothea Knetsch jede Woche bekommt. Da sind Ältere, die von Krieg und Vertreibung erzählen. Oder junge Menschen mit einer ernsten Erkrankung, die Sinnfragen aufwirft. Die Seelsorgerin nimmt sich Zeit, hört zu.
Oft geben Ärzte oder das Pflegepersonal einen Hinweis. Vielfach wissen die »Grünen Damen«, wo es Gesprächsbedarf gibt. Dieser Kreis von etwa 25 Ehrenamtlichen agiert unabhängig. Die Hälfte von ihnen unterstützt die seelsorgerische Betreuung im Weimarer Klinikum. »Ohne sie wäre vieles gar nicht zu schaffen«, sagt die Pastorin. Daneben gäbe es Patienten, die ihrerseits die Klinikkapelle aufsuchten, für ein Gebet, eine kurze Zeit der Stille.
Die Kapelle ist auch für die Seelsorgerin ein Rückzugsort. »Wenn mich ein Fall sehr mitnimmt, halte ich hier Zwiesprache mit Gott.« Das könne auch nach einem Besuch auf der Gynäkologie-Station sein. Dann nämlich, wenn Eltern ihr Kind während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verlieren. Mit einem »einfachen« Seelsorgegespräch ist eine solche Situation nicht zu bewältigen, weiß die Pfarrerin. Daher hat das Seelsorge-Team einen offenen Gesprächskreis für »früh verwaiste Eltern« ins Leben gerufen. Seit etwa einem Jahr finden die Treffen statt, begleitet werden sie von Dorothea Knetsch und Astrid Preuß, der Elternberaterin der Klinik.
»Obgleich es in vielen Gesprächen um schwere Schicksale geht«, sagt Dorothea Knetsch, »ist es eine Aufgabe, die mich erfüllt.«

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Online-Redaktion aus Weimar

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