Weiter so – oder anders

Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten …
2. Mose 13, Vers 21

Von Christine Lässig,Pfarrerin i.R., Weimar

Natürlich können wir an 365 Tagen im Jahr Bilanz ziehen über unser Leben. Es hindert uns niemand daran, und manchmal fordern uns wichtige Ereignisse geradezu heraus, Altes hinter sich zu lassen und Neues in Angriff zu nehmen. Aber der Altjahrsabend, der Jahr für Jahr daran erinnert, dass uns die Zeit davonläuft, legt es besonders darauf an. Was ist gewesen und was wird kommen? Bin ich auf dem richtigen Weg unterwegs oder habe ich mich verlaufen? Kann ich im Großen und Ganzen zufrieden sein mit mir und meinem Leben oder sollte ich etwas zum Besseren wenden? Eine breite Palette von guten Vorsätzen gehört üblicherweise zu Silvester, schnelles Verfallsdatum inbegriffen.
Leider ist die eigene Jahresbilanz nicht so eindeutig zu ziehen wie eine geschäftliche, die sich unter dem Strich in roten oder schwarzen Zahlen ausdrückt. Das Leben ist kompliziert, uns fehlt der Überblick, und was das Urteil über unser Reden und Handeln angeht, so sind wir befangen und eher auf Verteidigung aus denn auf Selbstkritik. Da ist es gut, dass uns Maßstäbe an die Hand gegeben werden. »Was würde Jesus dazu sagen?« Diese ebenso schlichte wie beunruhigende Frage, die sich Martin Niemöller im Dritten Reich gestellt hat, ist zeitlos aktuell auch im Blick auf unser persönliches Tun und Lassen. Stiften wir Frieden, geben wir Hungrigen zu essen, kümmern wir uns um Kranke und Gefangene, stehen wir auf der Seite von Benachteiligten, nehmen wir Fremde auf?
Das wandernde Gottesvolk, das zu Zeiten von Mose aus Ägypten zum Gelobten Land unterwegs war, sah Gott in einer Wolkensäule am Tag und einer Feuersäule des Nachts vor sich herziehen als Orientierungspunkt auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Uns scheint der Stern von Bethlehem. Er zeigt die Richtung an, in die wir gehen müssen im neuen Jahr. Erfahrungsgemäß werden wir in vielen Dingen wieder auf der Strecke bleiben und auf Abwege geraten. Aber: »Du hast ja ein Ziel vor den Augen, damit du in der Welt dich nicht irrst, damit du weißt, was du machen sollst …« Das FDJ-Lied von Louis Fürnberg bekommt so gesehen einen durchaus unbeabsichtigten Sinn.

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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