Predigttext: Merkmal des Glaubens

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
Lukas 6, Vers 36


Von Michael Tetzner

Das, was wir nicht wahrhaben wollen, und sei es ganz klein, wächst. So kann aus einem leichten Kratzer im Spiegelbild ein riesiger Balken werden. Es ist eine menschliche Erfahrung, dass man lieber andere beurteilt und richtet, als die eigenen Fehler zu sehen. Man stellt sich über den Lehrer und Meister und ist doch nur ein Schüler. Denn Jesus ist zu den Sündern hingegangen und hat ihnen vergeben. Er hat das Gebot der Feindesliebe gestellt, woran wir als Schüler nicht vorbeikönnen. Für mich ist dieses Gebot das Alleinstellungsmerkmal unseres christlichen Glaubens auf dem Markt der Religionen. Ich bin dankbar, dass ich die unbeschreibliche Kraft dieses Gebots zur friedlichen Revolution im Herbst 1989 miterleben konnte. Wie sagte ein Offizier damals: »Wir haben mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten.« Die Feindesliebe und die damit verbundene Gewaltlosigkeit haben die Mächtigen entwaffnet. An der Umsetzung dieses Gebots steht und fällt das, was andere von unserem Glauben halten. Denn das, was wir sind, ist so laut, dass andere gar nicht hören, was wir sagen.
Bei dieser besonderen Liebe geben wir dem Nächsten nur etwas von der Liebe weiter, die wir von unserem himmlischen Vater empfangen haben. Heute ist es leichter als früher, Barmherzigkeit zu üben. Warum? Während wir früher in unseren Gemeinden regelmäßig für Spendenaktionen Geld gesammelt haben und es auch noch tun, können wir heute zusätzlich in unseren Städten und Gemeinden Menschen helfen, welche nach Deutschland geflüchtet sind. Waren die Spenden früher anonym, so haben jetzt die Empfänger Gesichter. Wir können mit ihnen reden und Gottesdienst feiern. Wir schicken nicht Geld in ferne Länder, sondern Menschen sind zu uns nach Deutschland gekommen, um in Sicherheit und Frieden zu leben.
Dabei werde ich oft gefragt, wie ich mich mit den Afghanen und Iranern in der Gemeinde verständige. Ich habe nicht Farsi (Persisch) gelernt, aber es gibt eine Sprache des Herzens, die jeder Mensch versteht. In einem neuen Lied heißt es: »Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt. Alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den andern liebt.«

Predigttext nach dem Entwurf der revidierten Perikopenordnung

Autor:

Adrienne Uebbing aus Weimar

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